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    Spekulationen über US-Angriff auf Iran (66)
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    MOSKAU, 06. April (Pjotr Gontscharow, RIA Novosti). Die von führenden internationalen Medien für den 6. April angekündigte Militäroperation der USA gegen Iran, die die Bezeichnung „Bite“ (dt.: „Biss“) bekommen sollte, ist ausgeblieben.

    Bravo, Iran!

    Einen „Bravo“-Ruf hat Teheran verdient, weil es sich von diesen Berichten nicht irritieren ließ. Wie Augenzeugen berichten, ging das Leben in diesem Land an diesem Tag seinen üblichen Gang. Fernsehen und Rundfunk brachten in der Nacht zum Freitag übliche Sport- und Kulturnachrichten sowie Übersichten von Berichten des vergangenen Tages.

    Was wäre aber geschehen, wenn sich die Iraner hätten provozieren lassen? Immerhin hat sich ein ganzes Heer von Militärexperten, darunter auch russischen, durchaus provozieren lassen. In einer Situation, die von einer schier unvermeidlichen Militäroperation geprägt ist, welche von all den Experten prognostiziert wird, musste man eine ziemliche Selbstbeherrschung an den Tag legen, um sich nicht zu einem Präventivschlag verleiten zu lassen.

    Ein solcher präventiver „Biss“ wäre aber ein willkommenes Geschenk für die USA gewesen - in dem Fall wären die Prognosen für den 6. April wohl wirklich in Erfüllung gegangen.

    Die Behauptungen der Militärexperten, laut denen heute alle Anzeichen für die Vorbereitung des Weißen Hauses auf eine gewaltsame Lösung des Iran-Problems vorliegen, stimmen natürlich. Das ist aber auch keine Neuigkeit. Einen Plan für die gewaltsame Lösung gibt es schon seit langem - seit dem Zeitpunkt, als Ayatollah Khomeini, der erste geistliche Führer der Islamischen Republik Iran, die Konzeption des Exports der islamischen Revolution nach iranischem Muster in die Länder des Nahen Ostens verkündet und Israel das Existenzrecht aberkannt hat. Dabei machte Khomeini kein Hehl daraus, dass die islamische Revolution nicht zuletzt als eine Art Gegenwirkung gegen die USA-Präsenz nicht nur in Iran selbst, sondern auch in der gesamten Nahostregion gedacht war.

    Obgleich am 6. April nichts weiter Schlimmes geschehen ist, bleibt die Situation um Iran kriegsträchtig wie nie zuvor. Indem Teheran eine harte Position gegenüber den Sanktionen des UN-Sicherheitsrates bezogen hat und alle Forderungen Washingtons ablehnt, das Atomprogramm einzustellen, forciert es faktisch einen Krieg. Die zahlreichen Prognosen, laut denen die USA so tief im Irak und in Afghanistan stecken geblieben seien, dass Washington in einer solchen Situation eine Militäraktion in Iran kaum riskieren würde, helfen ihm dabei.

    Wie es sich herausstellt, ist das aber gar nicht so unmöglich. Denn neben all den negativen Auswirkungen eines US-Angriffs wird es auch gewisse positive Folgen für Washington geben. Das Allerwichtigste aber: Washington würde es niemals zulassen, dass Israel von einem mit Atomwaffen ausgerüsteten Iran bedroht wird.

    Das Problem besteht darin, dass weder die USA noch Europa noch Irans Nachbarn im Nahen Osten Teherans Beteuerungen glauben, es wolle keine Atombombe bauen. Für dieses Misstrauen gibt es auch Gründe, denen das offizielle Teheran leider keine Rechnung tragen will.

    Die Situation befindet sich also in einer Sackgasse. Und sollten die USA vor die Wahl zwischen einem Kernwaffen besitzenden Iran und einer Militäroperation gegen dieses Land gestellt werden, so würden die Vereinigten Staaten, ohne mit der Wimper zu zucken, das letztere Szenario vorziehen.

    Und dennoch - „Bravo, Iran!“. Auch deshalb, weil die vor einigen Wochen festgenommenen britischen Seeleute nicht als Geiseln für den Fall eines Angriffs gehalten wurden. Mehr noch: Man hat sie in die Heimat zurückkehren lassen. Dies soll offenbar als ein Signal Teherans verstanden werden, es sei zu einem konstruktiven Dialog bereit, wenn seine Positionen berücksichtigt werden.

    Vielleicht sollten nun auch die europäischen Unterhändler einen entgegen kommenden Schritt tun und sich ohne Vorbedingungen an den Verhandlungstisch setzen, worauf Teheran besteht? Zumindest bis zur nächsten Sitzung des Sicherheitsrates - denn die von Iran bereits eingesetzten Urananreicherungszentrifugen werden in diesen Tagen ohnehin weiter arbeiten.

    Immerhin steht sehr viel auf dem Spiel: Ein nächster „6. April“ wird vielleicht nicht mehr so glimpflich verlaufen.

    Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.

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