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    Algerischer Markt für russische Waffen

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    MOSKAU, 19. April (Viktor Litowkin - für RIA Novosti). Der vorjährige Algerien-Besuch des russischen Präsidenten Wladimir Putin hat einen sensationellen Durchbruch Moskaus auf den Markt dieses nordafrikanischen Landes ermöglicht.

    Damals wurden nach Meldungen von Nachrichtenagenturen Verträge über ein Gesamtwertvolumen von mehr als 7,5 Milliarden US-Dollar unterzeichnet.

    Wie in der Presse behauptet wurde, wurde Algerien zum drittgrößten Käufer von russischen Waffen nach China und Indien. In den nächsten Jahren könne dieses Land nach dem Umfang der Käufe von militärischen Erzeugnissen sogar auf den ersten Platz kommen.

    In der Tat. Die Liste der Waffen und Kampftechnik, die Algerien bei Russland zu erwerben gedenkt, beeindruckt. Das sind Mehrzweck-Jagdflugzeuge (36 leichte MiG-29SMT, 28 schwere Su-30MKA und 16 Übungskampfflugzeuge Jak-130), acht Abteilungen des Fla-Raketenkomplexes S-300PMU2 Favorit, 30 Komplexe der Fla-Raketen-Kanonensysteme Tunguska-M1 und einige Dutzend Panzer T-90S.

    Außerdem wird geplant, dass russische Betriebe der Verteidigungsindustrie 36 Jagdflugzeuge MiG-29 modernisieren werden, die zur Bewaffnung der algerischen Armee gehören. Ferner sollen sie die gelieferte Flugzeugtechnik mit Raketen unterschiedlicher Klasse und Bestimmung und mit Funkmess-Flugplatzsystemen ausstatten sowie Piloten der Jagdfliegerkräfte und zuständiges Personal ausbilden.

    Russische Spezialisten und Rüstungsbetriebe sollen auch 500 T-72-Panzer, die noch in den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts an Algerien geliefert wurden, zwei Diesel-U-Boote der Warschawjanka-Klasse (Projekt 877EKM) und zwei Korvetten erneuern und vervollkommnen. Dazu noch wird Russland gelenkte Panzerabwehr-Raketenkomplexe Metis und Korvet sowie Schützen- und Sonderwaffen für den Antiterrorkampf an Algerien verkaufen.

    All diese Waffen werden natürlich nicht gleich und nicht im Laufe eines Jahres an Algerien geliefert. Die Verträge sind für einige Jahre voraus berechnet. Auch hat Russland keinen solchen Umfang von fertiger Kampftechnik in den Werklagern. Zum Beispiel das Übungskampfflugzeug Jak-130, das bis zu einer Tonne Munition an Bord nehmen kann und das das Land für den Kampf gegen die Terroristen sehr braucht, durchläuft zurzeit Truppentests in der russischen Luftwaffe. In die Bewaffnung wird es Ende 2007 aufgenommen. Folglich kann es frühestens 2008 an Algerien geliefert werden. Vorausgesetzt, dass dieses Land mit der Tilgung seiner Verschuldung gegenüber Russland beginnt, die 4,7 Milliarden US-Dollar beträgt.

    Aber die "Tilgung der Verschuldung" ist ein nicht völlig exakter Ausdruck. Es kommt darauf an, dass Russland im Rahmen des Pariser Klubs Algerien diese Schulden offiziell erlassen hat. Freilich mit einer nicht großen Belastung. Ihr Wesen besteht darin, dass Algerien bei Russland für diese Summe hochtechnologische Industriewaren kaufen muss. Algerien wählte die Kampftechnik. Wenn es Geld haben wird, so wird es auch Lieferungen von Kampfjets, Fla-Raketenkomplexen und Panzern geben.

    Bekanntlich hat Algerien Geld und dabei kein geringes. Das Land erwirbt Waffen und Kampftechnik sowie Gefechtssysteme in vielen Ländern der Welt. Darunter in Großbritannien, Indien, Ägypten, der Türkei, der Republik Südafrika, China und sogar Japan.

    Eine solche Möglichkeit hat Algerien dank dem, dass das Land bei den Gasvorräten (etwa fünf Billionen Kubikmeter) den siebenten Platz in der Welt und beim Gasexport (60 Milliarden Kubikmeter im Jahr) den vierten Platz nach Russland, Kanada und Norwegen einnimmt. Die Vorräte an algerischem Erdöl betragen mehr als 13 Milliarden Barrel (14. Platz in der Welt). Ende 2003 erstarkten die Erdölpositionen Algeriens noch mehr, als neue reiche Vorkommen entdeckt wurden. Die Mittel aus dem Erdölverkauf machen 60 Prozent der Haushaltseinnahmen, 30 Prozent des Bruttoinlandsprodukts und 95 Prozent der Exporteinnahmen aus.

    British Petroleum gelang es 2003, mit der staatlichen Erdölgesellschaft Sonatrach ein Joint Venture zu gründen. Nun liefert Algerien täglich 14 Millionen Kubikmeter Gas an Großbritannien.

    Aber das Land liefert Gas nicht nur an Großbritannien. Durch Rohrleitungen gelangt der algerische "blaue Strom" nach Italien, Spanien, Portugal, Tunesien und Slowenien. Das Flüssiggas beziehen Frankreich, die USA, die Türkei, Belgien und sogar Südkorea.

    Der russische Gaskonzern Gasprom überlegt sich schon seit langem die Perspektive des Baus einer neuen Gaspipeline aus Algerien nach Italien und weiter nach dem Balkan. Dies würde es ermöglichen, den "Gasring" mit der Türkei zu schließen, die Energieabhängigkeit Europas von Norwegen auszugleichen, die Beanspruchung der russischen Gasverteilungsnetze zu mindern und sie für die Lieferungen von Energieträgern in andere Richtungen freizusetzen.

    Jetzt, nach der Unterzeichnung der Verträge über Waffenlieferungen zwischen Moskau und Algier, entstand eine solche Perspektive. Wie auch die mögliche Beteiligung russischer Firmen an der Ausbeutung von Erdöl- und Erdgasvorkommen in diesem Land.

    Wie Sergej Tschemesow, Chef von Rosoboronexport (staatliches Waffenexportunternehmen) sagte, beträgt der Anteil seiner Organisation an den Geschäftsbeziehungen mit Algerien 90 Prozent und der Anteil der Produzenten und Lieferanten von Energieträgern nur zehn Prozent. Aber das ist erst der Anfang.

    Ihm zufolge wird sich bei der Ausbeutung neuer Erdgas- und Erdölvorkommen das prozentuelle Verhältnis zwischen Waffen und Energieträgern ändern.

    Unser Autor Viktor Litowkin ist Kommentator der Zeitung "Unabhängige Militärrevue" (Nesawissimoje wojennoje obosrenije).

    Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.

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