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    Japan muss sich bei der Erschließung des russischen Marktes beeilen/ Russland typisches Rohstoffland mit Demokratiemängel?/ Gasprom auf Expansionskurs in Großbritannien/ Putin gewährt Gründung von Konkurrent von Aeroflot

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    MOSKAU, 03. April (RIA Novosti).

    „Kommersant“: Japan muss sich bei der Erschließung des russischen Marktes beeilen

    Der beste Weg zur Regelung des Gebietsstreits um die Kurilen-Inseln in den Beziehungen zwischen Russland und Japan ist eine größtmögliche Erweiterung der Zusammenarbeit in allen Bereichen. Das heutige Niveau der bilateralen Zusammenarbeit kann nicht Entschärfung des Territorialstreits sichern.

    Diese Meinung äußert Dmitri Mesenzew, Vizevorsitzender des Föderationsrats (Russisches Parlamentsoberhaus) und Kovorsitzender des russisch-japanischen Forums, am Donnerstag in der Tageszeitung „Kommersant“.

    Die territoriale Angelegenheit ist für Japan auch deshalb vorrangig, weil Japan als zweitgrößte Wirtschaft der Welt und ein Self-made-Land der Nachkriegszeit Russland übermäßig vereinfacht wahrnimmt, führt der Experte weiter aus. Während des jüngsten Japan-Besuchs von Russlands Ministerpräsident Michail Fradkow dankte ihm einer der größten Repräsentanten der japanischen Geschäftswelt „für Rohöl“. Für Japan ist Russland heute nämlich in erster Linie ein Lieferant fossiler Brennstoffe. Wir müssen aber beweisen, dass das heutige Russland ein zuverlässiger Partner bei vielen Fragen ist.

    Man zwingt uns ständig, uns zu rechtfertigen: Für das ungelöste Territorialproblem, für „Einschränkungen“ japanischer Unternehmer usw. Und nicht nur dafür, sondern für die „Unterdrückung“ der Presse und die „Redeunfreiheit“ sowie überhaupt für eine „mangelhafte“ Demokratie. Wir werden als nachlässige Lehrlinge betrachtet, die es immer noch nicht geschafft haben, das marktwirtschaftliche Modell der sozialen und der ökonomischen Gesellschaft zu beherrschen. Sollte diese Einstellung weiter bestehen, sollten die Dogmen der unilateralen Welt, des Desinteresses an Russland im internationalen System der Arbeitsteilung und dessen Positionierung als ein potentiellen Gegner fortgesetzt werden - wie kann man dann von der Praxis zivilisierter Beziehungen des 21. Jahrhunderts sprechen?

    Um mit Fradkows Worten zu sprechen: Heute besteht das Risiko nicht darin, dass man nach Russland kommt, sondern darin, dass man zu spät kommen kann. Hat man bei uns noch vor fünf oder sieben Jahren auf japanische Investitionen gewartet, so kann man heute bei der Umsetzung großer Infrastrukturprojekte mit eigenen Finanzressourcen auskommen. Sollten die Japaner weiterhin mit einer umfassenden Zusammenarbeit mit Russland zögern, würden die Investitionen dennoch kommen, nämlich aus anderen Ländern, unter anderem aus dem Asiatisch-Pazifischen Raum, stellt der Experte fest.

    „Iswestija“: Russland typisches Rohstoffland mit Demokratiemängel?

    In der Diffamierungskampagne gegen Russland, die in den westlichen und in liberalen russischen Medien entfacht wurde, besteht eines der Hauptthemen darin, dass Russlands Wirtschaftspolitik absolut nicht den Gegebenheiten entspricht, stellt der Politologe Wjatscheslaw Nikonow, Präsident des Fonds „Politika“, am Donnerstag in der „Iswestija“ fest.

    Wie dabei behauptet wird, ist das BIP-Wachstum ausschließlich der Öl- und Gasindustrie zu verdanken, während alle anderen Bereiche und in erster Linie der High-Tech-Bereich unterentwickelt bleiben, führt der Experte weiter aus. Daraus wird oft ein weitreichender Schluss gezogen: Wie auch die anderen Länder, in denen der Wohlstand auf den riesigen Einnahmen aus den Verkäufen von Energieressourcen und anderen Rohstoffen beruht, sei Russland keine Demokratie und könne auch keine sein. Auf dieser Grundlage entwickelt sich bei uns bereits ein Minderwertigkeitskomplex. Ist das aber wirklich so eindeutig?

    Die Ausgangsprämisse ist schon in vieler Hinsicht falsch. Der Anteil des Öl- und Gassektors an der gesamten BIP-Struktur ist in Wirklichkeit gar nicht so groß, wie viele es annehmen, und er geht auch zurück. Laut einer Prognose im Rahmen des dreijährigen Haushaltsentwurfs des Finanzministeriums wird der aktuelle Anteil von 18,9 Prozent des BIP auf 14,9 Prozent im Jahr 2010 zurückgehen.

    Die besonders schnell wachsenden Wirtschaftsbereiche sind Handel, Bauwesen, Telekommunikation und Bankwirtschaft, ja sogar die Landwirtschaft, nicht aber die Energiewirtschaft. Von den sieben Prozent BIP-Wachstum des vergangenen Jahres sorgten Öl und Gas für weniger als ein Prozent. Selbst viele westliche Wirtschaftsexperten und Investmentfonds stellen fest, dass das Wachstum in Russland in erster Linie von der Verbrauchernachfrage angespornt wird.

    Sollte man aber annehmen, dass Russland ein hoffnungsloses Rohstoffland ist - was dann? In der Welt gibt es genug angesehene Länder, bei denen die Einnahmen aus dem Export von Rohstoffen und Energieträgern den Löwenanteil den Einnahmen ausmachen, die aber in diesem Zusammenhang keinerlei Komplexe empfinden - etwa Kanada, Australien oder Norwegen. Wichtig dabei ist nämlich, nicht woher die größten Einnahmen herkommen, sondern wie diese auf andere Bereiche verteilt werden und wie sie für den Wohlstand der Menschen eingesetzt werden.

    Die erwähnten Länder widerlegen übrigens die Meinung, dass die Entwicklung von Demokratie in den rohstofforientierten Ländern nicht möglich sei, genauso wie die umgekehrte Abhängigkeit zwischen den Ölpreisen und den demokratischen Instituten. Die USA selbst gehören zu den größten Ölproduzenten der Welt, erst vor einigen Jahrzehnten war der Anteil dieses Sektors in der amerikanischen Wirtschaft kaum anders als in der heutigen russischen Wirtschaft. Alle Bürgerrechtsorganisationen stellen in letzter Zeit Probleme mit der Demokratie in den USA fest, keine davon führt sie aber auf die hohen Ölpreise zurück.

    "Kommersant": Gasprom auf Expansionskurs in Großbritannien

    Das Joint Venture von Wintershall und Gasprom, Wingas, kauft bei der norwegischen Industriegruppe Hydro 50 Prozent des britischen Gashändlers HydroWingas. Das ermöglicht es dem russischen Gasmonopolisten, die angestrebten zehn Prozent am britischen Gasmarkt schon demnächst zu überbieten, schreibt die Tageszeitung "Kommersant" am Donnerstag.

    Nach Ansicht von Branchenexperten stimmte Hydro einem Austritt aus HydroWingas zu, um Gasprom bei den Verhandlungen über ausländische Beteiligungen am Abbau des Stockmann-Gaskondensatvorkommens flexibler zu machen.

    Wie beide Seiten berichten, hatte Wingas den Deal initiiert, der allerdings noch von der Europäischen Kommission gebilligt werden muss. Der Geschäftsabschluss ist für den 1. Juni vorgesehen.

    Gasprom verweigerte eine ausführliche Stellungnahme zum Abkommen mit Hydro. Bestätigt wurden lediglich die Pläne, die Anteile am britischen Gasmarkt bis 2015 auf zehn Prozent zu vergrößern. Dabei kontrollierte der russische Gasmonopolist laut internen Zahlen bereits im vergangenen Jahr neun Prozent des britischen Marktes. Um nun auf zehn Prozent zu kommen, muss Gasprom lediglich seine Wingas-Anteile von 35 auf 50 Prozent erhöhen.

    Wie Alfa-Bank-Experte Konstantin Batunin feststellt, wird Hydro von diesem Geschäft nicht sonderlich profitieren. Das Unternehmen betrachtet diesen Deal als eine Art "Vorauszahlung", die ihm den Einstieg ins Stockmann-Projekt erleichtern soll. Das Stockmann-Vorkommen ist die größte Gaslagerstätte in der Barentssee. Im Februar nahm Gasprom seine Verhandlungen mit ausländischen Unternehmen über deren Beteiligung am Projekt wieder auf.

    "Gaseta": Putin gewährt Gründung von Konkurrent von Aeroflot

    Präsident Wladimir Putin hat am Mittwoch einen Erlass über die Gründung der Fluggesellschaft AiRUnion unterzeichnet, an der sich der Staat mit mindestens 45 Prozent beteiligen wird. Alle juristischen Formalitäten sowie die Festlegung der Anteile der Beteiligten sollen innerhalb von sechs Monaten geregelt werden, berichtet die Tageszeitung "Gaseta" am Donnerstag.

    Das künftige Unternehmen wird in Bezug auf den Passagierumfang das zweitgrößte in Russland nach Aeroflot sein.

    Der Beitrag des Staates der künftigen Allianz besteht in 51 Prozent der Aktien der Fluglinie KrasAir, 50 Prozent der Gesellschaft Domodedovo Airlines (DAL) und 46,5 Prozent der Fluggesellschaft Samara. Darüber hinaus werden 100 Prozent der Gesellschaft AiRUnion-RRJ mit einem Stammkapital von mehr als 20 Millionen Dollar der künftigen Gesellschaft beigesteuert, die speziell für den Erwerb von Passagierflugzeugen des Typs Sukhoi Superjet-100 (SSJ) gegründet war.

    Die Loyalität des Großunternehmers Boris Abramowitsch, Mitbesitzer und Generaldirektor der Gesellschaft KrasAir, die er im vergangenen Jahr mit dem Kauf von noch nicht gebauten 15 Regionalflugzeugen SSJ für 400 Millionen Dollar bewiesen hat, während weitere 15 Maschinen vertraglich gebunden wurden, ist in den oberen Machtetagen entsprechend geschätzt worden. Dank seinen guten Beziehungen mit dem Wirschaftsministerium und der Kreml-Administration sind Abramowitsch alle Großprojekte der letzten Jahre ausnahmslos gelungen: Gründung der Gesellschaft AiRUnion, Kauf der ungarischen Fluglinie Malev und Start der Low-Cost-Fluggesellschaft Sky Express, der sofort der Einsatz auf den besonders gefragten Flugrouten gestattet wurde.

    Im vergangenen Jahr haben die Unternehmen, die zur neuen Holding gehören, 4,9 Millionen Fluggäste befördert gegenüber sieben Millionen bei Aeroflot. Zugleich wachsen Abramowitschs Gesellschaften viel schneller: Der durchschnittliche Erlös der AiRUnion-Beteiligten stieg im vergangenen Jahr um 24 Prozent an gegenüber 13,53 Prozent bei Aeroflot.

    RIA Novosti ist für den Inhalt der Artikel aus der russischen Presse nicht verantwortlich.

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