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    Russland und die Ukraine: Wirtschaftspotential trotz Krise und EU-Kurs

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    MOSKAU, 03. Mai (Leonid Wardomski - für RIA Novosti). In der Ukraine halten die politischen Spannungen weiter an.

    Gleichzeitig strebt Kiew die Bildung einer Freihandelszone mit Europa an.

    Wie sehen unter diesen Bedingungen die Perspektiven der Wirtschaftszusammenarbeit zwischen Russland und der Ukraine aus?

    Russische und ukrainische Wirtschaftsexperten versuchten bei einem Treffen im Institut für Wirtschaft der Russischen Akademie der Wissenschaften diese Frage zu beantworten. Daneben behandelten sie den heutigen Stand der Wirtschaft der beiden Länder.

    Nach Meinung ukrainischer Wissenschaftler stützt sich das 2000 zu beobachtende dynamische Wirtschaftswachstum in ihrem Land hauptsächlich auf den Bedarf der Bevölkerung. Außerdem speist sich das Wirtschaftswachstum aus den Exporteinnahmen und den Löhnen der Arbeitseinwanderer.

    Akademiemitglied Valeri Gejez zufolge muss die Ukraine für eine stabile Entwicklung auf das Verbrauchermodell verzichten und künftig auf Innovationen setzen.

    Ein wichtiger Punkt für den Übergang ist die wissenschaftliche und technische Zusammenarbeit mit Russland, das eine stabile Nachfrage nach ukrainischen Maschinenbau-Erzeugnissen hat. Heute ist der Anteil von Maschinen und Ausrüstungen des ukrainischen Exports nach Russland um ein Mehrfaches höher als in die Europäische Union. Das in Russland zu beobachtende Wirtschaftswachstum verlangt nach weiteren ukrainischen Metallen und Maschinen.

    Der Anstieg der Preise für russisches Gas löste keine ernsthaften Folgen für die ukrainische Wirtschaft aus. Von allen Industriezweigen litt nur die Chemie-Industrie deutlich darunter, die über die Hälfte des Gewinns verlor.

    Die Ukraine ist bestrebt, eine Freihandelszone mit der Europäischen Union zu schaffen und zuvor der Welthandelsorganisation (WTO) beizutreten. Die Ukraine scheint früher als Russland und zu anderen Bedingungen der WTO beitreten zu können.

    Die Europäische Union betrachtet die Ukraine unter anderem als einen aussichtsreichen Produzenten von Rohstoffen für Biobrennstoff, dessen Verbrauch in Europa in den kommenden zehn Jahren um ein Mehrfaches zunehmen wird.

    Die ukrainischen Experten hoben hervor, dass für eine erfolgreiche Lösung der sich angehäuften sozialen und ökonomischen Probleme das Bruttoinlandsprodukt jährlich um mehr als sechs Prozent wachsen muss. Die derzeitige politische Instabilität wirkt sich jedoch stark auf die wirtschaftliche Entwicklung der Ukraine aus.

    Die überhöhten Versprechungen der rivalisierenden politischen Lager bezüglich Lohnerhöhung, sozialer Leistungen, Senkung der Kommunaltarife und andererseits der verdeckte Kampf um Eigentum und die Kontrolle über die Haushaltsmittel haben einen negativen Einfluss auf die ukrainische Wirtschaft.

    In der Ukraine fehlt es derzeit an einer Mittelschicht, weshalb der Staat die Interessen der Wirtschaftseliten wahrnimmt, deren Kampf die Situation destabilisiert.

    Aufgrund der politischen Spannungen und des beharrlichen Strebens der ukrainischen Gesellschaft nach Europa sind die Perspektiven der bilateralen Zusammenarbeit unklar. Doch das große Potential der Handels- und Wirtschaftsbeziehungen mit Russland, die für das Wachstum der ukrainischen Wirtschaft äußerst wichtig sind, bleibt nach wie vor bestehen.

    Die russischen und ukrainischen Experten einigten sich darauf, dass sich die beiden Länder die Bemühungen nicht übermäßig auf die Bildung einer Freihandelszone und einer Zollunion richten, sondern sie auf die Umsetzung von Projekten in Industrie, Verkehrswesen, Wissenschaft, Bildung und so weiter konzentrieren sollen.

    Zum Autor: Leonid Wardomski ist Leiter des Zentrums für GUS-Länder und baltische Staaten des Wirtschaftsinstituts der Russischen Wissenschaftsakademie und Mitglied des Expertenrates von RIA Novosti.

    Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.

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