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    Atomprogramm: Fatale „Fortschritte“ zwischen Iran und EU

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    MOSKAU, 25. Mai (Pjotr Gontscharow, RIA Novosti). Iran ist mit seinem Atomprogramm so weit vorangeschritten, dass es „nicht mehr aktuell“ sei, eine Einstellung der Urananreicherung zu fordern, behauptet IAEO-Chef Mohammed el-Baradei.

    Mehr noch: Da sich die Weltmächte mit der Notwendigkeit abgefunden haben, mit Nordkorea zusammen zu leben, wo bereits Kernwaffen hergestellt worden sind, so müssten diese Weltmächte Iran „auf die gleiche Weise behandeln“, fügt er hinzu.

    Soll das heißen, dass der Leiter der Organisation, die die Kontrolle über den Atomsperrmodus ausführt, die Welt aufruft, sich damit abzufinden, dass es demnächst ein weiteres Atomwaffen besitzendes Land gibt?

    Wenn dem so ist, so muss wohl der leidgeprüfte Vertrag über die Nichtweiterverbreitung von Kernwaffen langsam ad acta gelegt werden, wenn dieser wie im Fall Nordkorea und Iran so leicht umzugehen ist. Vor allem deshalb, dass selbst die UNO diesen Vertrag nicht in Schutz nehmen kann.

    Am 24. März hat der UN-Sicherheitsrat die Resolution 1747 zu Iran angenommen, die eine Verschärfung der in der vorangegangenen Resolution beschlossenen Sanktionen vorsieht. Außerdem wurde damit Iran eine 60-tägige Frist für die Einstellung jeglicher Urananreicherungsaktivitäten vorgeschrieben. Nach Ablauf dieser Frist legt el-Baradei dem Sicherheitsrat einen Bericht über die Erfüllung dieser Resolution seitens des Irans vor.

    Teheran lehnte die Forderung nach Aussetzung seiner Atomaktivitäten ab. Mehr noch: Es hat diese Aktivitäten erfolgreich fortgesetzt. Zum Zeitpunkt der Resolutionsannahme waren zwei Anlagen mit jeweils 164 Anreicherungszentrifugen in Betrieb genommen worden. Heute aber sind es nach Angaben der zuständigen iranischen Behörden bereits 1600 Stück.

    Um einen industriellen Stand für die Produktion von Kernbrennstoffen für die eigenen Atomkraftwerke zu erreichen, soll Teheran demnächst 3000 Zentrifugen in Gang setzen. Zur Deckung des gesamten Bedarfs der zivilen iranischen Atomindustrie braucht das Land nach Ansicht der iranischen Führung mehr als 50 000 Zentrifugen.

    Das ist kein Bluff. Der Komplex in Natanz ist in der Tat für 54 000 Zentrifugen bestimmt. Gerade diese Zentrifugen werden in der Lage sein, die notwendige Menge Kernbrennstoff für 20 Atomreaktoren mit einer Gesamtleistung von 20 000 Megawatt zu produzieren, die in den iranischen Plänen für die Entwicklung der nationalen Atombranche vorgesehen sind. Der erste Reaktorblock soll demnächst in Bushehr in Betrieb genommen werden.

    Selbst am Beispiel des AKW Bushehr ist aber zu sehen, dass der Bau von 20 solchen Reaktorblöcken mit einer Leistung von jeweils 1000 Megawatt Jahrzehnte in Anspruch nehmen würde. Deshalb stellen die Experten die Frage: Wozu diese Hast mit 50 000 Zentrifugen, umso mehr als Iran heute nicht einmal die notwendigen Technologien für die weitere Behandlung von angereichertem Uran hat? Selbst die Idee, die Urananreicherung im Umfang von 3000 Zentrifugen in Angriff zu nehmen, ist kontraproduktiv, von einer Inbetriebnahme des gesamten Komplexes in Natanz ganz zu schweigen.

    Es gibt allerdings auch andere Berechnungen, die einen anderen Blick auf dieses Problem bieten. Fachleute sind der Auffassung, dass Iran für die Herstellung einer einzigen Atombombe, das heißt für eine 80- bis 90-prozentige Anreicherung der notwendigen Menge, mindestens ein Jahr brauchen würde, falls es 3000 Zentrifugen gibt. Sollten aber 50 000 Zentrifugen eingesetzt werden, so würden dazu lediglich fünf Wochen bis zwei Monate erforderlich sein.

    All diese Umstände liefern dem Westen und in erster Linie den USA Anlass für die Behauptung, dass das Endziel der Atomambitionen Irans gerade Technologien für die Herstellung von waffenfähigem Uran sei.

    Die internationale Völkergemeinschaft wird demnächst erneut versuchen, Iran an den Verhandlungstisch zu bringen. Im UN-Sicherheitsrat wird eine dritte Iran-Resolution vorbereitet, und für den 31. Mai ist die zweite Verhandlungsrunde zwischen dem iranischen Sicherheitsratsekretär Ali Laridschani und dem EU-Beauftragten für Außen- und Sicherheitspolitik, Javier Solana, vorgesehen.

    Diese Verhandlungen mit Iran rufen allerdings in letzter Zeit immer mehr Fragen hervor. Es entsteht der Eindruck, dass der zweifellos versierte Unterhändler Solana bei den Gesprächen mit Iran auf einmal nicht mehr weiß, was er von der iranischen Seite will. Iran spielt dieses Spiel gerne mit und tut so, als ob es ebenfalls nicht weiß, was von ihm gewünscht wird.

    So haben Laridschani und Solana nach der ersten Verhandlungsrunde Ende April in Ankara Fortschritte bei der Erarbeitung einer gemeinsamen Position festgestellt. Von welchen Fortschritten Laridschani gesprochen hat, ist klar. Seit dem März dieses Jahres und bis zum heutigen Tag hat Teheran seine Urananreicherungskapazitäten verfünffacht! Zugleich betont Iran immer kategorischer, dass die geforderten „Vorbedingungen“ für die Wiederaufnahme der Verhandlungen nicht in Frage kommen. Die obligatorische Vorbedingung besteht eben in der Aussetzung aller Urananreicherungsaktivitäten. Je mehr Zentrifugen in Betrieb genommen wurden, desto souveräner und kategorischer wird auch Teherans Ton zum Thema Verhandlungen.

    Was hat aber Javier Solana gemeint, als er von Fortschritten sprach? Oder denkt er, genau wie El-Baradei, dass schon die Einsicht in die Tatsache, es sei heute „nicht mehr aktuell“, von Iran eine Einstellung der Urananreicherung zu verlangen, ein Fortschritt ist?

    Die Meinung des Autors muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.

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