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    Mammon macht Moskau nicht attraktiver/ Chavez wappnet sich mit russischen Waffen gegen eventuelle US-Blockade/ Kasachstan korrigiert gemeinsame Weltraumprojekte mit Russland/ Russische Aussichten auf turkmenischen Schelf / Russlands Vorschläge zur Revision des KSE-Vertrags.

    MOSKAU, 14. Juni (RIA Novosti).

    „Wedomosti“: Mammon macht Moskau nicht attraktiver

    Trotz seines finanziellen Wohlergehens schneidet Moskau in den meisten internationalen Vergleichen unterdurchschnittlich ab, stellt die Tageszeitung „Wedomosti“ am Donnerstag fest.

    Laut einem vom Unternehmen MasterCard Worldwide entwickelten internationalen Handelszentren-Index belegte die russische Metropole den letzten 50. Platz. Auch auf den meisten anderen Listen liegt Moskau hinter seinen Konkurrenten.

    Ums Geld ist es in Moskau wirklich gut bestellt. Auf die Hauptstadt entfallen 20 Prozent des BIP Russlands. Die Moskauer stellen ein Fünftel der Einkommen aller russischen Bürger dar, während die Einwohnerzahl der Hauptstadt lediglich sieben Prozent der Landesbevölkerung ausmacht. Laut Berechnungen des Unternehmens Hay Group liegt Moskau auf Platz 3. in der Welt - hinter Istanbul und Bombay - bei der Kaufkraft der Löhne der Top-Manager.

    Moskau liegt an der Spitze der von der Firma Mercer HR Consulting zusammengestellten Liste der teuersten Städte. Laut einer anderen Liste (von The Economist Group) belegt Moskau zwar Platz 26, dafür den ersten Platz außerhalb des EU-Raums. Laut den im Mai veröffentlichten Kalkulationen der Unternehmen Knight Frank und Citi Private Bank liegt Moskau auf dem Platz 12 in der Welt bei den Preisen für Luxus-Wohnungen (an der Spitze liegt London).

    Das Geld macht aber Moskau nicht attraktiver. In der vom Magazin „Reader’s Didgest“ 2006 veröffentlichten Liste belegte Moskau einen der letzten Plätze in Bezug auf den höflichen Umgang. Laut einem Ranking von Global Market Insite vom Januar dieses Jahres lag Moskau auf Platz 48 von insgesamt 60 hinsichtlich der generellen Attraktivität für Ausländer und auf Platz 52 für Geschäftsleute sowie auf Platz 54 bezüglich der Entwicklung der Infrastruktur.

    Recht weit unten liegt auch die Bewertung der Lebensbedingungen in Moskau: im Ranking von Mercer HR Consulting belegte Moskau Platz 171 von 215.

    „Moskau kann zu einer Weltmetropole werden, genauso wie auch Russland zu einem Schlüsselspieler in jeder Branche werden kann“, so die Zeitung. „Eine lichte Zukunft ist allerdings möglich, wenn der Glaube an die Macht des Geldes durch den Glauben an den Menschen ersetzt wird und wenn parallel zum Finanzkapital auch das menschliche Kapital wachsen wird.“

    „Kommersant“: Chavez wappnet sich mit russischen Waffen gegen eventuelle US-Blockade

    Venezuela steht kurz vor dem Abschluss der Verhandlungen mit Russland über den Erwerb von fünf bis neun U-Booten.

    Der Schlusspunkt könnte bereits während des für den 29. Juni geplanten Russland-Besuchs vom venezolanischen Präsidenten Hugo Chavez gesetzt werden, berichtet die Tageszeitung „Kommersant“ am Donnerstag.

    Es handelt sich um insgesamt neun Diesel-U-Boote, vier davon kommen aus dem neuen Projekt 677E Amur, die noch nicht einmal die russische Seekriegsflotte hat. Die Verhandlungen mit Venezuela wurden auch im staatlichen Rüstungshandelsunternehmen Rosoboronexport bestätigt.

    2004 bis 2006 hatte Russland acht U-Boote des Projekts 636 für insgesamt 1,8 Milliarden Dollar an China geliefert. Derzeit werden zwei solche U-Boote für Algerien gebaut.

    In den Jahren 2005 bis 2007 kaufte Venezuela außerdem 24 Jagdflugzeuge des Typs Su-30MK2V, Luftabwehrsysteme vom Typ Tor-M1, 35 Hubschrauber der Mi-Serie und 100 000 Kalaschnikows. Beim Umfang der 2006 und 2007 geschlossenen Rüstungsverträge wurde Venezuela zum zweitgrößten Abnehmer russischer Waffen hinter Algerien, mit dem im vergangenen Jahr Waffengeschäfte im Wert von 7,5 Milliarden Dollar geschlossen worden waren.

    Wie Vizeadmiral Armando Laguna, Chef der venezolanischen Seekriegsflotte, Ende Dezember erklärte, braucht sein Land die U-Boote, um den Schelf zu schützen, auf dem Öl gefördert wird. Venezuela zog die russischen U-Boote Amur dem deutschen U-Boot des Typs 212/214 und der französisch-spanischen Scorpene vor.

    Jetzt ist Venezuela dabei, zwei zuvor gekaufte deutsche U-Boote modernisieren zu lassen, womit deren Lebensdauer um zehn bis zwölf Jahre verlängert wird. Selbst wenn Caracas nur fünf russische U-Boote kaufen wird, wird es die größte U-Boot-Flotte in Lateinamerika haben: Peru hat sechs U-Boote, Brasilien fünf und Chile vier.

    Chavez’ Berater Alberto Rojas erklärte im März, Venezuela verstärkt seine Flotte, „um gegen eine eventuelle amerikanische Marineblockade der venezolanischen Ölfelder anzukämpfen und für den Fall einer direkten militärischen Konfrontation mit Washington“.

    Nach Ansicht von Konstantin Makijenko „gibt es vorerst keine eindeutigen Voraussetzungen für einen Militärkonflikt zwischen Venezuela und den USA“. „Sollte sich aber Caracas auf eine mögliche militärische Konfrontation mit Amerika einstellen, so entspricht der Erwerb der schweren Su-30-Jagdflugzeuge und einer ausreichenden Menge an U-Booten diesem Ziel bestens.“

    „Iswestija“: Kasachstan korrigiert Weltraumprojekte mit Russland

    Kasachstan wird seine Vereinbarungen mit Russland über die Starts von Raketen des Typs Proton vom Kosmodrom Baikonur revidieren. Wie Talgat Mussabajew, Vorsitzender der Weltraumbehörde Kasachstans (Kaskosmos), mitteilte, besteht die Ursache dafür im Proton-Treibstoff Heptyl, der beachtliche Umweltschäden verursacht, schreibt die Tageszeitung „Iswestija“ am Donnerstag. Der für den 7. Juli geplante Proton-M-Start soll nun „ausnahmsweise“ gestattet werden.

    Außerdem wird die Arbeit an der Entwicklung des Weltraum-Raketenkomplexes Ischim wegen „wirtschaftlicher Unzweckmäßigkeit“ eingestellt. Kasachstans Partner in diesem im November 2005 beschlossenen Projekt war das Moskauer Wärmetechnik-Institut.

    Der Komplex Ischim ist für Starts kleiner ziviler Weltraumapparate bestimmt. Die Grundlage dafür bildet das Flugzeug vom Typ MiG-31, das fähig ist, eine kleine Rakete mit dem Sputnik in die notwendige Höhe zu bringen, wo sich die Rakete vom Flugzeug trennt und die erforderliche Höhe mit eigenem Triebwerk erreicht.

    Ende 2005 hatte Kasachstans Regierung beschlossen, der Weltraumwirtschaft mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Nach Ansicht von Experten soll das helfen, die Abhängigkeit vom Ölexport zu verringern.

    Zu diesem Zeitpunkt war bereits der erste kasachische Fernmeldesatellit ins All geschickt worden. An einem anderen russisch-kasachischen Projekt im Wert von 220 Millionen Dollar wird bereits gearbeitet. Es handelt sich um die Entwicklung des Weltraumkomplexes vom Typ Baiterek, dessen Grundlage Russlands Arbeit an der Rakete der neuen Generation vom Typ Angara bildet. Das Projekt wird von der kasachischen Regierung finanziert. Nach der geplanten Inbetriebnahme des Baiterek-Komplexes im Jahr 2008 sollen die Starts kasachischer Erdsatelliten regelmäßig stattfinden.

    „Wremja Nowostej“: Russische Unternehmen buhlen um Turkmeniens Schelf

    Der Turkmenien-Besuch von Russlands Präsident Wladimir Putin im Mai hat russischen Ölunternehmen den Weg zum turkmenischen Kaspi-Schelf geebnet.

    Am vergangenen Wochenende war Wagit Alekperow, Chef des russischen Ölunternehmens Lukoil, zu einem offiziellen Besuch in Aschchabad. Am gestrigen Mittwoch waren Robert Dudley und German Chan, der Chef und der Exekutivdirektor des Ölunternehmens TNK-BP, in der turkmenischen Hauptstadt. Mit allen von ihnen verhandelte Turkmeniens Präsident Gurbanguly Berdymuchammedow, schreibt die Tageszeitung „Wremja Nowostej“ am Donnerstag.

    Die Ölvorräte auf dem turkmenischen Kaspi-Schelf werden auf elf Milliarden Tonnen und die Gasvorräte auf 5,5 Billionen Kubikmeter geschätzt. Diese Lagerstätten werden aber kaum erschlossen. Der ehemalige turkmenische Präsident Saparmurat Nijasow hatte die ausländischen Unternehmen nur geringfügig zum Schelf zugelassen, während der einheimische Staatskonzern Turkmenneft weder Technologien noch genug Investitionen dazu hatte.

    Bis 2006 war nur die britisch-arabische Ölfördergesellschaft Dragon Oil allein in Turkmenien präsent, die das Schelfvorkommen Tscheleken unter Product-Sharing-Bedingungen abgebaut hat. Im vergangenen Jahr förderte sie rund drei Millionen Tonnen. Vor einem Jahr begann auch die Gesellschaft Petronas aus Malaysia mit ihren Ölerkundungsarbeiten. Die dänische Gesellschaft Maersk und das deutsche Unternehmen Wintershall beitreiben dort geologische Erkundungsarbeiten.

    Nach Nijasows Tod lädt die neue Regierung ausländische Unternehmen verstärkt zum Einsatz auf dem Schelf ein. Im Frühjahr erhielten Chevron, das russische Unternehmen Sistema sowie mehrere italienische Gesellschaften solche Offerten.

    Lukoil arbeitet indes seit langem auf dem Kaspi-Schelf Russlands, Aserbaidschans und Kasachstans. Wie die Zeitung vom Lukoil-Pressedienst erfuhr, sollen Top-Manager der Gesellschaft nun in einem Monat wieder nach Aschchabad reisen. Im Gespräch ist eine Lukoil-Beteiligung an geologischen Erkundungsarbeiten auf dem Schelf.

    „Rossijskaja Gaseta“: Russland stellt Forderungen zu neuem KSE-Vertrag

    Bei der auf Russlands Betreiben in Wien einberufenen Sonderkonferenz der Teilnehmerstaaten des Vertrags über die konventionellen Rüstungen in Europa (KSE-Vertrag) hat Moskau einen Aktionsplan vorgelegt, der den Vertrag wieder lebensfähig machen soll, schreibt die Tageszeitung „Rossijskaja Gaseta“ am Donnerstag.

    Erstens: Litauen, Lettland und Estland sollen ins Vertragsfeld zurückgebracht werden, aus dem sie 1991 „ausgefallen“ sind. Zweitens: Die Gesamtheit der vom Vertrag zugelassenen Rüstungen und Militärtechnik der NATO-Länder ist entsprechend dem Potential zu reduzieren, das die Allianz im Zuge der beiden Erweiterungsphasen dazu bekommen hat.

    Drittens: Eine politische Entscheidung über die Aufhebung der flankierenden Beschränkungen für Russland soll her. Viertens: Erforderlich ist eine allgemein verständliche Auslegung des Begriffs „wesentliche Kampfkräfte“. Fünftens: Das Abkommen über die Adaptierung des KSE-Vertrags muss spätestens am 1. Juli 2008 in Kraft treten. Und sechstens: Erforderlich sind die Formulierung von Bedingungen für die Aufnahme neuer Teilnehmerstaaten des Vertrags sowie eine weitere Modernisierung des Vertrages.

    „Russland kann die überholte Variante des Vertrags zum Nachteil für die eigene Sicherheit nicht um jeden Preis einhalten und wird das auch nicht tun“, erklärte der russische Delegationschef Anatoli Antonow, Leiter des Ressorts für Sicherheit und Abrüstung des russischen Außenministeriums.

    Da das Wiener Treffen hinter verschlossenen Türen stattfindet, sind die Reaktionen von Konferenzteilnehmern auf den russischen Aktionsplan vorerst weitgehend unbekannt.

    „Der KSE-Vertrag ist eines der erfolgreichsten Abkommen auf dem Gebiet der Rüstungskontrolle“, erklärte Daniel Fried, US-Vizeaußenamtschef und Chef der amerikanischen Delegation in der Konferenz. Erforderlich sei ein „kreativer Kompromiss, der die Möglichkeit bieten würde, die Istanbuler Vereinbarungen einzuhalten, zugleich aber für Russland annehmbar wäre“.

    Der KSE-Vertrag war 1990, ein Jahr vor dem UdSSR-Zerfall, in Paris unterzeichnet worden. Eine modernisierte Variante des Vertrags wurde 1999 beim OSZE-Gipfel in Istanbul vorgelegt. Bisher wurde aber der Vertrag lediglich von Russland, Weißrussland, Kasachstan und der Ukraine ratifiziert. Georgien und Moldawien verweigern die Ratifizierung unter dem Vorwand, dass zunächst die russischen Truppen gemäß den Istanbuler Abmachungen, die gemeinsam mit dem KSE-Adaptierungsabkommen unterzeichnet wurden, aus diesen Ländern abgezogen werden müssen. Aus diesem Grund blockieren auch die NATO-Länder das Inkrafttreten des adaptierten Vertrags.

    RIA Novosti ist für den Inhalt der Artikel aus der russischen Presse nicht verantwortlich.

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