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    Russlands prompte Antwort auf ausländische Raketenabwehrsysteme (Teil 1)

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    MOSKAU, 14. Juni (Andrej Kisljakow, RIA Novosti). Es besteht wohl kein Grund, an der Effektivität des US-Raketenabwehrsystems (ABM) zu zweifeln, jedenfalls an den Basen, die in Europa stationiert werden sollen.

    Andererseits ist es den Amerikanern wohl gelungen, mit recht beschränkten Mitteln eine Modernisierung der strategischen Offensivwaffen Russlands anzuspornen. Unter anderem soll die Rakete Topol-M statt des bisher einfachen nun mit Mehrfachgefechtsköpfen ausgestattet werden. Über die Tests der Rakete, die die Bezeichnung RS-24 bekommen hat und auf Basis der Topol-Rakete entwickelt wurde, ist ab Mitte Mai in den Medien ausführlich berichtet worden.

    Dabei bestand, offen gesagt, kein Grund für die Hast - weder in politischer, noch in militärtechnischer Hinsicht. Die neue interkontinentale ballistische Rakete mit den Mehrfachgefechtsköpfen kann erst in zwei Jahren, nach Ablauf des Start-1-Vertrags, in den Dienst gestellt werden.

    Außerdem wurde ein durchaus realistisches Programm zur Dienstzeitverlängerung der alten Raketen des Typs RS-20 (Satan) und RS-18 (Stiletto) um mehrere Jahrzehnte beschlossen und finanziert.

    Zugleich beweist die Entwicklungsgeschichte der strategischen Rüstungen überzeugend die Fähigkeit der russischen Forscher und der Industrie, ein vollwertiges Raketenabwehrsystem als Antwort auf die amerikanischen Pläne zu entwickeln. Der erste Abfang des Gefechtskopfes einer ballistischen Rakete hatte die Sowjetunion vor rund 50 Jahren vorgenommen.

    Bereits Anfang 1953 richtete der Generalstab den Vorschlag an Josef Stalin, ein Raketenabwehrsystem in der UdSSR zu entwickeln. Diese Pläne wurden allerdings erst im Sommer 1956 in Angriff genommen: Im Raum des Balchasch-Sees in Kasachstan begann der Bau eines Versuchsgeländes für das Raketenabwehrsystem, zu dessen Chefkonstrukteur Grigori Kissunko wurde.

    Vor den Ingenieuren stand eine prinzipiell neue Aufgabe: Die Gefechtsköpfe zu erkennen und diese von den Raketenstufen beziehungsweise deren Teilen zu unterscheiden.

    Wie die Ende der 50er Jahre in Kasachstan sowie auf der Halbinsel Kamtschatka, auf die die Gefechtsköpfe stürzten, vorgenommenen Experimente gezeigt haben, können die ballistischen Raketen sowie deren Gefechtsköpfe von den Radaranlagen RE-1 und RE-2 registriert werden.

    Danach wurde das experimentelle Raketenabwehrsystem „A“ in der kasachischen Steppe getestet. Der gesamte Komplex wirkte überaus solide: Fünf Radaranlagen, eine Startanlage mit den Abfangraketen vom Typ B-1000, die EDV-Anlage M-40 und zahlreiche Richtfunkstrecken.

    Damals folgte die UdSSR noch den stalinschen Methoden einer forcierten Aufrüstung. Der Erfolg der Tests dieses Raketenabwehrsystems im März 1961 konnte noch niemand vorausahnen, als die KPdSU bereits im April 1958 die Aufgabe formulierte, bis 1964 das umfassende Raketenabwehrsystem A-35 zum Schutz der Moskauer Industrieregion in den Dienst zu stellen.

    Im Falle einer erfolgreichen Erprobung des A-35-Systems konnte natürlich das Top-Management mit entsprechenden Prämien rechnen, was unter den Bedingungen des damaligen „sozialistischen“ totalen Warenmangels keinesfalls zu unterschätzen war. Deshalb bekam Kissunko zahlreiche Rivalen, die ihn von der Stelle des Chefkonstrukteurs des Raketenabwehrsystems zu verdrängen versuchten. So hatte der Konstrukteur Wladimir Tschelomej, der zuvor mit der Entwicklung von Flügelraketen auf der Basis der erbeuteten deutschen V-Raketen ein völliges Fiasko erlitten hatte, ein Programm des Satellitenbekämpfungssystems und eine eigene Variante des landesweiten Raketenabwehrsystems Taran in seinem Repertoire. Seinem Projekt wurde allerdings das von Kissunko vorgezogen.

    Die Flugtests des A-35-Systems hatten noch gar nicht begonnen, als im Kreml beschlossen wurde, ein regionales Raketenabwehrsystem des Typs Aurora und die zweite Staffel des Raketenabwehrsystems um Moskau in Angriff zu nehmen. Das Verschleudern von Geldmitteln wirkte sich zwangsläufig auf das Resultat aus. Mit den Flugtests der Abfangrakete A-350 für Moskau wurde erst im Sommer 1970 begonnen. Ein Jahr später wurde der erste A-35-Raketenabwehrkomplex testweise in den Dienst gestellt. Gegen Ende der 70er Jahre wurde im Kreml beschlossen, auf einen weiteren Ausbau des A-35-Systems zu verzichten und sich auf die Verbesserung einzelner Elemente zu konzentrieren. Im Sommer 1971 wurde das Moskauer Raketenabwehrsystem im reduzierten Umfang mit dem Gefechtskomplex Jenissej ins diensthabende System eingegliedert.

    Besonders erfreut waren aber die Sowjetführer dadurch nicht. Dafür gab es auch bestimmte Gründe.

    (Fortsetzung folgt)

    Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.

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