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    MiG vs. Sabre: Russen gegen Amerikaner im Korea-Krieg

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    MOSKAU, 20. Juni (RIA Novosti). Fliegerlegende Jewgeni Pepeljajew erinnert sich an seine Flugeinsätze gegen die Amerikaner.

    Es war Anfang der 50er Jahre am Himmel über Korea, als sowjetische und amerikanische Flieger zum ersten Male als Gegner aufeinander trafen.

    "Unter streng geheimen Bedingungen wurden wir nach Korea entsandt, wo damals Krieg war", berichtet Jewgeni Pepeljajew. "An den Kampfhandlungen beteiligten wir uns ab 1. April 1951. Ich befehligte das 196. Jagdbombergeschwader.

    Die Luftherrschaft gehörte damals den Amerikanern. Selbst ihre Bomber flogen tagsüber. Vor unserer Ankunft jagten die amerikanischen Flieger auf Grund des fehlenden Widerstandes nicht nur nach Autos in den Straßen, sondern selbst nach einzelnen Koreanern oder Chinesen. Zwei Monate später setzten wir ihrer Luftherrschaft ein Ende. Ihre Bomber flogen nicht mehr tagsüber. Die Amerikaner gingen dazu über, ihre Einheiten hauptsächlich mit dem neuesten Jagdbomber F-86 'Sabre' auszurüsten. Wir kämpften mit unseren MIG-15-Jägern.

    Ihren taktisch-technischen Angaben nach waren sie sich beinahe gleich, doch hatte auch jede Maschine ihre Vorteile. Dank ihrer Gipfelhöhe war die MIG-15 im Senkrechtkampf, der amerikanische Jäger aber dank einer etwas besseren Aerodynamik im horizontalen Manöver besser. Die Differenz bei der Höchstgeschwindigkeit war zwischen beiden Jagdbombern unbedeutend.

    Im Vergleich mit jedem amerikanischen Jäger jener Zeit besaß die MIG-15 eine erdrückende Überlegenheit bei der Feuerkraft. Die 'Sabre' war viel schlechter bewaffnet als die MIG, hatte aber ein viel besseres automatisches Visier.

    Die MIG-15 war dem amerikanischen Jäger in der Lebensfähigkeit überlegen. Ich weiß noch, wie Flieger meines Geschwaders von ihren Gefechtseinsätzen mit bis zu 40 Einschüssen an der Maschine zum Flugplatz zurückkehrten! Zweimal wurde auch ich angeschossen.

    Die Flieger meines Geschwaders absolvierten an die 4000 Gefechtseinsätze. Sie schossen 108 Flugzeuge des Gegners ab. Unsere Verluste betrugen zehn MIG-Maschinen. Vier meiner Flieger waren ums Leben gekommen, aber sechs konnten sich katapultieren. Demnach hatte mein 196. Fliegergeschwader in den Luftkämpfen gegen die US-Luftstreitkräfte ein Verhältnis von zehn zu eins Siegen zu seinen Gunsten.

    Gewöhnlich waren bei den Luftkämpfen mit den 'Sabres' zwölf bis fünfunddreißig Maschinen im Einsatz. Die Amerikaner strebten danach, ihre Luftherrschaft zurückzuerobern. Doch reagierten sie empfindlich auf Verluste und lösten sich oft aus dem Gefecht.

    In mein Flugbuch sind 108 Gefechtsstarts und 39 Luftkämpfe eingetragen. Insgesamt habe ich 23 Flugzeuge abgeschossen. Darunter waren zwei F-94 'Starfire', eine F-80 'Shooting Star', eine F-84 'Thunderjet', und die übrigen waren F-86 'Sabre'. All das waren Flugzeuge der Luftstreitkräfte der USA.

    Meist bleiben einem Militärflieger die Gefechte in Erinnerung, bei denen er selbst fast abgeschossen worden wäre. Der Kampf ist mit hohen Geschwindigkeiten und kolossalen Überlastungen verbunden, bei denen es einem manchmal dunkel vor den Augen wird; manche verloren dabei sogar das Bewusstsein. Vergessen Sie nicht, dass schon die Ära der Strahlflugzeuge eingetreten war. Erst nach der Landung erinnert man sich natürlich an einzelne Episoden des Luftgefechts.

    Es war an einem Morgen im Juli 1951. Acht F-94-Aufklärungsflugzeuge kehrten in einer Höhe von 8000 Metern in zwei Vierergruppen zu ihrem Flugplatz zurück. Wir starteten und gingen sofort in einer Kampfkurve auf Annäherung. Ich holte sie vier Minuten nach dem Start ein. Mit meiner Gruppe von vier Maschinen beschloss ich, die hintere F-94-Vierergruppe anzugreifen, und befahl dem Kommandeur der zweiten Staffel den Angriff auf die vordere Vierergruppe. Ich sah gut, wie meine Gechosse den Rumpf einer F-94 trafen, wie nach den Explosionen Stücke ihrer Außenhaut auseinanderwirbelten. Und eine andere F-94, die links von mir flog, ging in eine tiefe Spirale. Ich raste ihr nach. Ausgezeichnet erinnere ich mich daran, wie ich bei der Spirale aus einer Entfernung von etwas über 100 Metern aus meiner Bordwaffe auf die F-94 einen Feuerstoß abgab, der ihr das Heckleitwerk zerstückelte. Mit voller Geschwindigkeit stürzte ich in diese Hecküberreste hinein. Auf alle Fälle duckte ich mich, aber die Bruchstücke flogen über mich hinweg.

    Zur Bestätigung eines Sieges brachte man zu unserem Flugplatz Bruchstücke der abgeschossenen Maschinen. Auch das von mir abgeschnittene Heckleitwerk jener F-94 wurde gebracht.

    Ich weiß noch, wie ich am 6. Oktober 1951 eine 'Sabre' abschoss, die dann zur Notlandung auf dem Territorium der Koreanischen Demokratischen Volksrepublik gezwungen war. Ich führte ein Scheinmanöver aus, das noch zu Friedenszeiten gut eingeübt worden war, und manchmal brachte es mir Erfolg. Wir flogen aufeinander zu, und ich tat so, als hätte ich eine Kampfkurve mit einem Höhengewinn nach links vor. In Wirklichkeit kurvte ich nach rechts ein. Auf diese Weise flog die F-86 nach meiner Kampfkurve vor mir in einer Entfernung von 80 bis 100 Metern. Nach meinem Manöver lag die 'Sabre' in meinem Visier, und ich gab einen Feuerstoß ab. Gleich sah ich, wie eines meiner Geschosse sie hinter dem Kanzelglas traf. Und die Maschine sackte durch. Der Flieger konnte sie an der Küste landen. Die 'Sabre' wurde zum Flugplatz geschleppt und dann nach Moskau abtransportiert. Zusammen mit all meinen Fliegern konnten wir ihre Kanzel sowie die Ausrüstung genau besehen, die unbeschädigt geblieben war.

    Diese meine 'Sabre' tat mir gute Dienste. Die Amerikaner hatten Höhenschutzanzüge und ertrugen deshalb die Überlastungen weit leichter als wir, ermüdeten dabei weniger. Wir hatten solche Anzüge damals noch nicht, dafür hatten sich viele erbeutete angesammelt. Aber der Druckregler zum Anzug fehlte, er war ja immer im Flugzeug geblieben.

    In meine 'Sabre' war ein perfekter künstlicher Horizont eingebaut. Das entsprechende Gerät in der MIG-15 war damals schlecht. Es ermöglichte dem Flieger während des Flugs eine Seitenneigung von höchstens 40 Grad. Bei großen Anstiegs- oder Abfallwinkeln fiel es schwer, sich zu orientieren.

    Unseren Konstrukteuren gab die 'Sabre' nicht wenig Stoff zum Nachdenken. Bereits die MIG-17 hatte einen normalen künstlichen Horizont und eine gute Zieleinrichtung. Sehr lehrreich war für die Konstrukteure auch das Studium des Motors meiner 'Sabre'."

    Aufgezeichnet von Juri Plutenko

    Heute lebt der 89-jährige Held der Sowjetunion Oberst Jewgeni Pepeljajew in Moskau und ist als Autor des Bestsellers "MIGs gegen 'Sabres'" über den Luftkrieg in Korea (1950 - 1953) bekannt.

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