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    Kampf der Geheimdienste: CIA kritisiert Buch über Niederlagen gegen die Sowjets

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    WASHINGTON, 08. AUGUST, (RIA Novosti). Der US-Geheimdienst CIA hat sich einer harschen Kritik an dem Buch des amerikanischen Reporters der New York Times und Putlitz-Preisträger, Tim Weiner, nicht enthalten können.

    Der Autor listet ausführlich die Pannen der US-Geheimdienste auf und kommt zu dem Schluss, die CIA habe in der Schlacht gegen die sowjetische Aufklärung den Kürzeren gezogen.

    "Das Buch ‚Legacy of Ashes' (Das Erbe der Niederlagen) von Tim Weiner, welches vor kurzem herausgegeben worden ist, malt ein ziemlich düsteres Bild von der Vergangenheit der CIA. Gestützt auf ziemlich umfangreiche Zitate, die aus dem Zusammenhang herausgerissen worden sind, und begeistert von allem Negativen, bemerkt Weiner nicht, dass er die Erfolge der Verwaltung auf ein Minimum reduziert oder entstellt", heißt es in einer Erklärung der CIA-Pressestelle, die am Dienstagabend in Washington veröffentlicht worden ist.

    Im Vorwort kommt Weiner zu der Feststellung, das Buch "berichtet davon, wie das mächtigste Land in der Geschichte der westlichen Zivilisation es nicht vermocht hat, einen erstklassigen Spionagedienst zu schaffen". Er schlussfolgert, "die Fehlschläge schaffen eine Bedrohung für die nationale Sicherheit der USA".

    Die Schlachten zwischen der CIA und den sowjetischen Geheimdiensten schildernd, schreibt Weiner unter anderem, "im Kalten Krieg war die Gewinnung sowjetischter Interna durch die Werbung von Spionen die wichtigste Aufgabe der CIA. Sie hat nicht einen einzigen Spion platziert, der es vermocht hätte, tiefe Einblicke in die Arbeit des Kremls zu bekommen."

    "Die Zahl der Spione in der Sowjetunion, die über wichtige Informationen verfügten, samt und sonders Freiwillige und nicht geworbene Spione, kann man an den Fingern der beiden Hände aufzählen. Sie alle kamen ums Leben, nachdem sie von Moskau erwischt und hingerichtet worden sind. Und fast alle sind von Offizieren der Abteilung Sowjetunion in der CIA, die für die andere Seite spionierten, verraten worden", schreibt Weiner.

    In ihrer Presseerklärung macht die CIA ihrem Befremden Luft, dass Weiner nur am Rande auf die Geschichte von Pjotr Popow, ihrem "ersten Spitzenspion", eingeht.

    "Weiner berichtet korrekt über die sowjetischen Quellen, die aufgrund des Verrats von Aldrich Ames ermordet worden sind. Doch nirgends werden das Können und die Erfahrungen erwähnt, der es bedurfte, um diese Quellen zu werben und die Geheimdienstinformationen zu beschaffen, die sie den USA übergeben haben", rechtfertigt sich der Nachrichtendienst.

    Die CIA führt eine lange Liste von Fehlern und Entstellungen auf, welche sie in Weiners Buch entdeckt haben will. Sie liefert außerdem Beispiele einer erfolgreichen Tätigkeit der CIA aus Vergangenheit und Gegenwart, darunter im Zusammenhang mit dem Kampf gegen die Weiterverbreitung von Kernwaffen und gegen den Terrorismus.

    "Tim Weiner hatte die Chance, die Geschichte eines komplizierten und wichtigen Themas ausgewogen zu behandeln, doch er hat es nicht getan. Seine Vorurteile haben die Oberhand über die Kompetenz des Forschers gewonnen. Die wahre Geschichte der CIA kann man aus "Das Erbe der Niederlagen" nicht erfahren", resümiert die CIA in ihrer Presseerklärung.

    Im Vorwort seines Buches weist Weiner daraufhin, dass er sich auf mehr als 50 000 Dokumente gestützt habe, vor allem aus den Archiven der CIA, des Weißen Hauses und des US-Außenministeriums. Mehr als 2 000 Offiziere der amerikanischen Nachrichtendienste, Soldaten und Diplomaten habe er befragt. In mehr als 300 Interviews aus der Zeit seit 1987 seien Offiziere und Veteranen der CIA zu Wort gekommen, darunter auch zehn CIA-Direktoren.

    Auf über 700 Seiten schildert Weiner verschiedene Aspekte aus der Tätigkeit der CIA, welche, wie er überzeugt ist, zu Fehlschlägen und Niederlagen geführt haben. Seine Hauptschlussfolgerung besteht indes darin, dass die amerikanischen Präsidenten die Hauptschuld an dem Fiasko der CIA haben.

    "Um ihr institutionelles Überleben in Washington zu sichern, braucht die CIA ganz unmittelbar das Ohr des Präsidenten. Doch die Verwaltung hat sehr schnell begriffen, dass es gefährlich ist, dem Präsident das zu sagen, was er nicht hören will. Die Analytiker haben gelernt, im Trott mitzumarschieren", schlussfolgert Weiner. Sich in Anpassung an die Präsidenten übend, habe die CIA letztendlich die Absichten und Potenziale der Gegner falsch interpretiert. "Sie hat die Kraft des Kommunismus überschätzt und die Bedrohung durch den Terrorismus falsch eingeschätzt."