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    Putin bringt dritten Unbekannten als Nachfolger ins Spiel/ Sachalin-Gouverneur verliert Amt beim Streit von Gasprom und Rosneft/ Mitsubishi und Hyundai bauen Autowerke in Russland/ Hotels in Moskau die teuersten in Europa/ Ukraine will mit neuem Öltransportkorridor Russland verdrängen

    MOSKAU, 08. August (RIA Novosti)

    "Nesawissimaja Gaseta": Putin bringt dritten Unbekannten als Nachfolger ins Spiel

    Ein halbes Jahr vor den Präsidentenwahlen in Russland ist die Geschäftsordnung des russischen Kabinetts geändert worden, mit denen die Ersten Vizepremiers mit den einfachen Vizeregierungschefs gleichgesetzt werden.

    Wie die "Nesawissimaja Gaseta" am Mittwoch feststellt, wurde damit den beiden Ersten Vizepremiers Sergej Iwanow und Dmitri Medwedew, die als die wahrscheinlichsten Nachfolger von Präsident Wladimir Putin gelten, ein Schlag versetzt. Gleichzeitig erhielt Russlands Präsident das Recht, allen Vizeregierungschefs Anweisungen am Premier vorbei zu erteilen.

    Offenbar hat der Kreml panische Angst davor, dass Putin vor Ablauf seiner Amtszeit eine "lahme Ente" wird.

    Michail Deljagin, Direktor des Instituts für Globalisierungsprobleme, stellt fest: "Damit wird Iwanow und Medwedew zu verstehen gegeben, dass sie keinesfalls die Präsidentennachfolger sind und dass es einen Dritten geben wird, der noch nicht bekannt ist, was der Präsident seinerzeit angedeutet hatte."

    Nach Ansicht des Experten sind jegliche Befürchtungen hinsichtlich einer Schwächung der Positionen Putins im Zusammenhang mit dem bevorstehenden Machtwechsel kaum berechtigt. Der Begriff "lahme Ente" könnte für Putin ohnehin nicht gelten. "Die anderen Ländern wissen genau, dass der Präsident nach Ablauf seiner Amtszeit den Posten verlassen wird", so Deljagin. "Bei uns kann er aber auch für eine dritte Amtszeit bleiben beziehungsweise einen überaus einflussreichen Posten übernehmen und damit die faktische Macht behalten. In Russland ist der Faktor der Persönlichkeit überaus wichtig, der Präsident hat aber den politischen Raum dermaßen stark ‚gesäubert', dass es niemanden mehr gibt, der fähig wäre, das Land zu verwalten."

    "Gazeta.Ru": Sachalin-Gouverneur verliert Amt beim Streit von Gasprom und Rosneft

    Der Gouverneur des Gebiets Sachalin, Iwan Malachow, ist am Dienstag - angeblich auf eigenen Wunsch - zurückgetreten.

    Wie die Internetzeitung "Gazeta.Ru" behauptet, steht der Konkurrenzkampf zwischen den Konzernen Gasprom und Rosneft um die Lagerstätten auf der russischen Pazifik-Insel hinter dieser politischen Entscheidung.

    Malachow wird von Alexander Choroschawin, Bürgermeister der Stadt Ocha auf Sachalin, abgelöst, der bereits seit den 80er Jahren als ein Freund von Sergej Bogdantschikow, Chef des staatlichen Unternehmens Rosneft, gilt.

    "Malachow ist es nicht gelungen, die stark gespaltenen Gebietseliten zusammenzuschließen", stellt der Politologe Rostislaw Turowski, Chef des Zentrums für regionale Studien, fest. Unter Malachow hatte die Kreml-Partei "Einheitliches Russland" zunächst die Parlamentswahl des Gebiets gegen den Parteienblock "Unsere Heimat - Sachalin und Kurilen" verloren, später wurde die KP-Kandidatin Swetlana Iwanowa als Staatsduma-Abgeordnete der Insel gewählt.

    Die Hauptursache des Rücktritts waren aber offenbar nicht die politischen Niederlagen, sondern der Kampf zwischen Gasprom und Rosneft um die potentiell wichtige Region. "Bei der Aufteilung der Vorkommen hat Malachow Gasprom unterstützt, wobei Rosneft diese Region als strategisch überaus wichtig für sich betrachtet", sagte Turowski.

    "Man kann sagen, dass Rosneft einen taktischen Sieg über Gasprom errungen hat", betont Turowski. "Nun wird das Ölunternehmen Vorteile beim Streit um die Vorkommen Sachalin-3 und Sachalin-4 bekommen." Außerdem verwies er darauf, dass der Gouverneur die der Gebietsadministration gehörende Sachaliner Ölgesellschaft kontrolliert, die sich ebenfalls am Abbau der Lagerstätten beteiligt. Nun wird sie faktisch unter den Einfluss von Rosneft geraten."

    "Business & Financial Markets": Mitsubishi und Hyundai bauen Autowerke in Russland

    Die Autobauer Mitsubishi und Hyundai haben sich zum Bau eigener Betriebe in Russland entschlossen.

    Nach Ansicht von Marktexperten werden diese Konzerne die letzten sein, die ihre Produktionsstätten vor Russlands Beitritt zur Welthandelsorganisation (WTO) eröffnen können, schreibt die Wirtschaftszeitung "Business & Financial Markets" in ihrer jüngsten Ausgabe.

    Russlands Wirtschaftsministerium will die Abkommen mit Mitsubishi und Hyundai spätestens am 15. September unterzeichnen. Wie Dmitri Lewtschenkow, Vizedirektor der Abteilung für Investitionspolitik im Wirtschaftsministerium, betonte, werden solche Abkommen nach Russlands WTO-Beitritt nicht mehr möglich sein. Die Bedingungen solcher Abkommen gestatten nämlich den Import von Autoteilen zu Vorzugstarifen.

    Während das Mitsubishi-Autowerk voraussichtlich bei Sankt Petersburg entstehen wird, hat sich Hyundai bei seiner Ortswahl noch nicht entschieden.

    Im russischen Autowerk TagAZ in Taganrog werden zwar bereits Hyundai-Autos montiert, die Kapazität des Betriebs ist allerdings begrenzt: Derzeit setzt Hyundai wesentlich mehr Autos in Russland ab als TagAZ herstellen kann. Der Bau des neuen Autowerks wird zwei bis drei Jahre in Anspruch nehmen, während der Absatz weiter steigt, meinen Marktexperten. Nach ihrer Ansicht sollten beide Unternehmen Produktionskapazitäten mit einer Jahresleistung von mindestens 100 000 Autos planen.

    "Wedomosti": Hotels in Moskau die teuersten in Europa

    Moskau hat die höchsten Hotelpreise in Europa. Experten führen dieses Phänomen auf die wachsende Nachfrage und einem äußerst begrenzten Angebot zurück, schreibt die Tageszeitung "Wedomosti" am Mittwoch.

    Die Unternehmensberatung Deloitte Touch prüfte die Preise in 7 200 Hotels in Europa und stellte fest, dass eine Hotelübernachtung in Moskau im Durchschnitt 263 Euro kostet. Auf Platz zwei liegt mit großem Abstand London mit 185 Euro. Die Plätze drei und vier teilen Athen und Barcelona mit jeweils 149 Euro. Am erschwinglichsten sind die Hotels in Warschau mit 91 Euro.

    "In Moskau kommt es nicht selten vor, dass ein Hotelzimmer für kein Geld der Welt zu haben ist", sagte Wladimir Iljitschow, Direktor für regionale Entwicklung der Firma Accor Group. "In London ist es praktisch nicht möglich."

    Während die Anzahl von Ausländern, die geschäftlich nach Moskau reisen, mit jedem Jahr zunimmt, geht die Zahl der für sie geeigneten Hotels sogar zurück. "Der Abriss des Hotels ‚Rossija' mit 3 000 Zimmern war ein schwerer Schlag", so Iljitschow. "Dies war zwar kein 4- oder 5-Sterne-Standard, das Hotel war aber sehr gefragt."

    Nach Angaben des Grenzschutzes belief sich die Zahl der in Russland eingereisten ausländischen Touristen auf 2,4 Millionen gegenüber 2,3 Millionen im Jahr zuvor.

    Wie Marina Smirnowa, Vizeleiterin der Consulting-Abteliung von Colliers International, feststellt, werden in Moskau viel mehr Büroräume gebaut, weil sich diese wesentlich schneller rentieren als Hotels.

    Ein Schritt zur Lösung des Problems war das Ende vergangenen Jahres von der Moskauer Stadtregierung beschlossene Verbot, Bürogebäude im historischen Stadtkern zu bauen, meint Smirnowa. Iljitschow teilt diese Meinung, räumt aber zugleich ein, dass eine Verbesserung erst in vier bis fünf Jahren zu erwarten ist.

    "Nesawissimaja Gaseta": Ukraine will mit neuem Öltransportkorridor Russland verdrängen

    Die ukrainische Regierung will nicht auf ihre ambitionierten Pläne verzichten, das Land in einen großen Transitkorridor zu verwandeln, mit dem Russlands Dominanz auf dem Energiemarkt in Osteuropa zerstört werden soll.

    Wie die Tageszeitung "Nesawissimaja Gaseta" am Mittwoch schreibt, hat das Kabinett von Viktor Janukowitsch das Energie- und das Außenministerium beauftragt, mit dem Irak und der Türkei über die Einrichtung eines Transportkorridors für Öl zu verhandeln, über den irakisches Öl in die Pipeline Odessa-Brody gelangen soll.

    Die erste Route soll vom irakischen Kirkuk über Trabzon in der Türkei zum ukrainischen Hafenterminal Piwdenny verlaufen. Dort beginnt die Ölpipeline Odessa - Brody, die mangelhaft ausgelastet ist.

    "Ein solches Projekt wäre sowohl für die Ukraine als auch für die Türkei vom Vorteil, inwieweit wäre es aber für die Exporteure vorteilhaft?" fragt Natalja Miltschakowa, Abteilungsleiterin des Aktienhandelshauses Otkrytije. "Ich denke nicht, dass die Entstehung eines neuen Transportkorridors in Russland mit Optimismus aufgenommen wird."

    Bemerkenswert ist, dass die Verhandlungen mit Irak und der Türkei über die Pläne, die für Russland nachteilig wären, ausgerechnet vom Kabinett Janukowitschs initiiert wurden, das als prorussisch gilt.

    Nach Ansicht von Wladimir Leskow, Energieexperte der russischen Consultinggesellschaft 2K Audit (Delowyje Konsultazii), steht hinter diesen Plänen nichts Ernsthaftes. "Der Irak fördert heute rund zwei Millionen Barrel Öl pro Tag, von denen 1,6 Millionen Barrel exportiert werden", sagt er. "Vorwiegend ist diese Menge für Europa und die USA bestimmt, wozu Supertankschiffe und nicht Ölpipelines verwendet werden."

    "Außerdem ist es nicht einfach, sich mit den irakischen Behörden zu einigen: Ein Gesetz über die ausländische Beteiligung an den irakischen Öl- und Gasprojekten ist noch nicht angenommen worden", so Leskow. "Insofern ist es noch weit bis zu einer Steigerung der Ölförderung."

    Die Idee eines Transportkorridors aus dem Irak über die Türkei sei allerdings nicht völlig auszuschließen, fügt er hinzu.

    RIA Novosti ist für den Inhalt der Artikel aus der russischen Presse nicht verantwortlich.

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