15:30 17 August 2017
SNA Radio
    Meinungen

    Strategische Rakete Bulawa-M geht in Serienproduktion

    Meinungen
    Zum Kurzlink
    0 110 0 0
    MOSKAU, 08. August (Viktor Jusbaschew für RIA Novosti). Bei der Entwicklung der seegestützten strategischen Kernwaffen Russlands hat eine neue Etappe begonnen: Flottenadmiral Wladimir Massorin, Chef der Seekriegsflotte, kündigte die Serienproduktion der seegestützten strategischen Rakete Bulawa-M an.

    Die neue Rakete - SS-NX-30 nach der westlichen Klassifizierung - ist für die strategischen U-Boote des Projektes 955 der Borej-Klasse bestimmt. Drei U-Boote dieser Serie - „Juri Dolgoruki“, „Wladimir Monomach“ und „Alexander Newski“ - entstehen derzeit im Schiffbauwerk Sewmasch in der Stadt Sewerodwinsk, Gebiet Archangelsk.

    Die „Juri Dolgoruki“, die mit 12 Bulawa-M-Raketen ausgerüstet wird, lief bereits im April in Anwesenheit hoher Gäste, darunter des für die Rüstungsindustrie zuständigen Ersten Vizepremiers Sergej Iwanow, vom Stapel.

    Der Entwicklungsweg der Rakete für die Atom-U-Boote des Projektes 955 war allerdings alles andere als Glatt. Für die „Juri Dolgoruki“ und ihre „Geschwister“ war zunächst die Rakete D-19M Bark bestimmt, an der im „Makejew“-Raketenkonstruktionsbüro Miassy gearbeitet wurde. Die dortigen Konstrukteure konnten aber die vorgeschriebenen Abmessungen für die Rakete nicht eingehalten (deshalb musste auch das Atom-U-Boot selbst umgebaut werden). Bei den Tests dieser Rakete wurden auch andere Mängel festgestellt. Als die Rakete schließlich 1998 zu 80 Prozent fertig war, musste das Projekt geschlossen werden.

    Danach ging der Auftrag an das Moskauer Institut für Wärmetechnik, das den bodengestützten Raketenkomplex RS-12M2 Topol-M (bzw. SS-27) entwickelt hatte. Die seegestützte Rakete des Instituts bekam die Bezeichnung Bulawa-M.

    Aber auch dieses Projekt verlief nicht reibungslos. Von den sechs Teststarts endeten vier mit einem völligen Fiasko. Der jüngste Start Ende Juli war zwar nach den Worten des Chefs der Seekriegsflotte erfolgreich, aber auch er verlief laut Äußerungen einiger Experten nicht gerade glanzvoll: Einer der drei Gefechtsköpfe der Rakete hat das Ziel-Testgelände nicht erreicht.

    Wie Anatoli Perminow, Leiter der Russischen Weltraumbehörde, sagte, werden mindestens 12 bis 14 Tests erforderlich sein, bevor die Rakete in den Dienst gestellt wird. Er verwies dabei auf ähnliche amerikanische Erfahrungen: Bei der Entwicklung der Trident-2-Rakete musste sie zur Erprobung 19 Mal von einer Bodenstartrampe und neun Mal von einem Atom-U-Boot abgeschossen werden.

    In diesem Jahr wird es noch zwei Bulawa-Tests geben, teilte Admiral Massorin mit, bis sie 2008 abgeschlossen werden sollen. Bei einem der Tests soll die maximale Flugweite ermittelt werden.

    Nach Angaben der westlichen Presse ist die dreistufige Festtreibstoffrakete Bulawa mit 30 Tonnen eine der leichtesten ihrer Klasse. Ihre Reichweite beträgt 8 000 Kilometer. Die Rakete kann vier bis zehn Gefechtsköpfe tragen.

    Voraussichtlich wird die Bulawa-Rakete gerade in der Variante mit zehn Gefechtsköpfen in den Dienst gestellt. Während die „Juri Dolgoruki“ zwölf Raketen dieser Klasse tragen kann, sollen die „Wladimir Monomach“ und die „Alexander Newski“ bereits jeweils 16 Raketen an Bord haben. Damit werden die drei neuen Atom-U-Boote insgesamt 44 Bulawa-Raketen mit 440 nuklearen Gefechtsköpfen tragen. Dies wäre ein ausreichender Beitrag zur nuklearen strategischen Abschreckung, wie sie in der Militärdoktrin Russlands vorgesehen ist.

    Die Tests der Bulawa-Rakete, einschließlich aller Angaben über die Flugparameter und die Produktionsteilnehmer, sind ein sorgfältig gehütetes Staatsgeheimnis - allerdings nicht für die USA, die gemäß dem Start-1-Vertrag all diese Daten aus erster Hand bekommen. Damit soll all das wohl vor den einheimischen Militärs und Konstrukteuren sowie vor den Bürgern geheimgehalten werden, die dieses Projekt au ihren Steuern bezahlen und die von diesen Raketen auch geschützt werden sollen. Warum das?

    Eine der Ursachen besteht darin, dass die Projekte Bulawa, „Juri Dolgoruki“ u. a. zu Geiseln der politischen Ambitionen einzelner ranghoher russischer Beamter geworden sind. Ihr Versprechen, das mit den modernsten Raketen ausgerüstete Atom-U-Boot bis Ende 2008 in den Dienst zu stellen, hören sowohl die russischen Wähler als auch die westlichen Politiker schon seit geraumer Zeit. Die eventuelle Unfähigkeit, das Wort zu halten, könnte für einen Anwärter auf die höchsten Posten im Lande zu einem Gesichtsverlust führen. Das ist auch der Grund, warum die noch nicht völlig sicher fliegende Rakete nun in die Serienproduktion gehen soll.

    Einige Äußerungen von Admiral Massorin lassen allerdings darauf hoffen, dass es nicht zur Serienproduktion einer „rohen“ Rakete kommen wird. Aufgenommen wird nur die Herstellung der Baugruppen und Teile, die sich bereits als zuverlässig bewährt haben. Nach dem Abschluss der Tests der Bulawa-M-Rakete werden diese Teile im Maschinenbauwerk Wotkinsk wie Lego-Steinchen zu der mächtigen Waffe zusammengebaut und an Bord der „Dolgoruki“, der „Monomach“, der „Newski“ und der „Donskoi“ stationiert.

    Das vorerst Letzte der geplanten U-Boot-Projekte, das schwere strategische Atom-U-Boot des Projektes 941 der Akula-Klasse (Typhoon nach der westlichen Klassifikation) soll nach dem Abschluss der Tests ebenfalls mit Bulawa-M-Raketen ausgerüstet werden. Im Unterschied zum Projekt 955 wird die Akula bereits 20 Raketen tragen können. Damit wird das russische nukleare Abschreckungspotential gleich um 200 Gefechtsköpfe vergrößert.

    Dies geschieht aber nur dann, wenn die Bulawa-Rakete nicht zum Opfer des politischen Wettrennens wird.

    Der Autor Viktor Jusbaschew ist unabhängiger militärpolitischer Kommentator.

    Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren