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    Westen über Arktis-Expedition Russlands verärgert/ Warum hat Georgien die Spuren der "russischen Aggression" so schnell vernichtet?/ Kosovo vor Aufgliederung?/ Arktis-Expedition hat Russland mehr geschadet als genutzt / Wozu braucht Russland irakisches Erdöl?

    MOSKAU, 10. August (RIA Novosti)

    "Gazeta.Ru": Westen über Arktis-Expedition Russlands verärgert

    Selbst der eingefleischteste russische Patriot würde heute nicht darauf bestehen, dass Russland nach der jüngsten Expedition nun über die legitimen Rechte auf den Nordpol und dessen Bodenschätze verfügt, schreibt die Internetzeitung "Gazeta.Ru".

    Woher kam aber die allgemeine Aufregung? Die Ursache dieser Reaktion liegt in der Verärgerung, die Russland hervorruft und die nun immer weniger vertuscht wird.

    Nach Ansicht des Westens hat der Aufschwung in Russland und etwa in China eine unterschiedliche Natur. Das planmäßige Voranschreiten der VR China zur wirtschaftlichen und geopolitischen Macht ruft zwar bei niemandem in der Industriewelt Freude hervor, eher Besorgnis und sogar Furcht, doch kann niemand Peking vorwerfen, seine Erfolge wären zufällig bzw. es hätte diese auf Kosten anderer erzielt.

    Russland wird anders aufgenommen. Die Quelle des russischen Aufstiegs ist die beispiellose Rohstoffkonjunktur, die keinesfalls ein Verdienst des Kremls ist. Für die öffentliche Meinung im Westen erscheint Russland wie eine Mischung aus einem Neureichen aus der Gründerzeit und einem Schmarotzer, der von einer dicken Erbschaft lebt.

    In der Arktis-Expedition kam alles zusammen, was den Westen verärgert. Der Kreml verwandelte eine Forschungsexpedition in eine PR-Aktion mit einem nationalistischen Beigeschmack, mit dem auch das Ansehen des Regimes im Inland gefestigt wurde.

    Außerdem hat Russland gezeigt, dass es über eine beachtliche materielle Ressource verfügt. Unter den Staaten der Arktis-Region gibt es zwar keine Armen, nicht alle können aber eine kostspielige Expedition zustande bringen.

    Außerdem hat Moskau gezeigt, dass es trotz all der Krisenjahre über ein technologisches Potential verfügt, das wiederum nicht alle haben. Mit anderen Worten: Man muss immer mehr Rücksicht auf Russland nehmen, will das aber immer weniger tun.

    Das neue Jahrhundert wird voraussichtlich von einer harten Konkurrenz um die Ressourcen geprägt. Zugeständnisse sind von niemandem zu erwarten. Zugleich verweisen Experten darauf, dass ähnliche Stimmungen vor einem halben Jahrhundert zu verzeichnen waren, als es um den Südpol ging.

    Sieben Länder hatten ihren Anspruch auf die Antarktis erhoben. Die Forschungsexpeditionen wurden von ungefähr gleichen politischen Gesten begleitet wie auch die neueste Aktion Russlands. Später aber gelang es den Seiten, sich über einen einheitlichen Rechtsmodus zu einigen. Eine ähnliche Entwicklung ist nun auch in der Arktis möglich.

    "Wremja Nowostej": Warum hat Georgien die Spuren der "russischen Aggression" so schnell verhnichtet?

    Tiflis besteht auf einer "russischen Spur" beim Raketenvorfall letzten Montag und wird dabei von westlichen Partnern unterstützt.

    Georgien ist darum bemüht, dass dieser Vorfall möglichst schwere negative diplomatische Folgen für Moskau hat, schreibt die Tageszeitung "Wremja Nowostej" am Freitag.

    Für die Ermittlungen sind aber Indizien notwendig, diese wurden jedoch von der georgischen Seite eilig vernichtet. Die von der nicht identifizierten Maschine abgeworfene Rakete wurde bereits am Dienstag gesprengt.

    Marat Kulachmetow, Chef der Gemischten Friedenskräfte im Raum des georgisch-ossetischen Konflikts, verwies darauf, dass die Friedenskräfte über die Absicht, die Rakete zu vernichten, nicht informiert worden waren. "Ich weiß nicht, worin die Notwendigkeit dafür bestand."

    Im Verteidigungsministerium der nicht anerkannten Republik Südossetien wird die Meinung vertreten, dass "sowohl das Flugzeug als auch die Rakete der georgischen Armee gehört haben". "Deshalb wurde die Rakete so schnell vernichtet. Wäre sie von einem russischen Flugzeug gewesen, hätte man sie auf keinen Fall vernichtet. Sie wäre das Wertvollste im ‚Museum der sowjetischen Besatzung' in Tiflis."

    Armeegeneral Juri Balujewski, Chef des russischen Generalstabs, bewertete die Anschuldigungen Georgiens an Russland als eine "Provokation". Tiflis "befürchtet, dass die eventuelle Entscheidung über die Gewährung der Unabhängigkeit an die Provinz Kosovo den endgültigen Verlust Südossetiens und Abchasiens für Georgien nach sich ziehen könnte."

    Auch ein Teil der georgischen Opposition zweifelt an einer russischen Beteiligung an diesem Vorfall, stellt die "Wremja Nowostej" fest.

    "RBC Daily": Kosovo vor Aufgliederung?

    Vertreter Russlands, der EU und der USA haben den Beginn einer neuen Etappe der Verhandlungen über den Kosovo-Status erörtert. Die vorangegangenen Verhandlungen mussten abgebrochen werden, als der UN-Sicherheitsrat den Plan für die Unabhängigkeitsgewährung an die Provinz Kosovo ablehnen musste, gegen den sich Russland ausgesprochen hatte.

    Laut vorliegenden Angaben hat die amerikanische Seite neue Vorschläge unterbreitet, deren Wesen in einer Aufgliederung der Provinz in einen serbischen und einen albanischen Teil vorsieht, schreibt die Wirtschaftszeitung "RBC Daily" am Freitag.

    Indes hat Belgrad eindeutig zu verstehen gegeben, es wäre bereit, dem Kosovo eine denkbar breite Autonomie, allerdings im Bestand Serbiens, anzubieten. Die Kosovo-Regierung in Pristina, speziell der Premier Agim Cecu, erklären genauso eindeutig, dass "ein Verbleib des Kosovo im Bestand Serbiens nicht einmal auf der Tagesordnung steht".

    "Eine vollständige bzw. teilweise Abtrennung des Bezirks Kosovska Mitrovica, wo es nach den ethnischen Säuberungen durch die Albaner immer noch eine serbische Bevölkerung gibt, ist eine Variante, die auf der Oberfläche liegt", stellt Andrej Schemjakin, stellvertretender Direktor des Instituts für Slawistik und Balkanistik der Russischen Wissenschaftsakademie, fest.

    Die Serben machen aber nicht einmal in diesem Bezirk eine Mehrheit aus. "Das Wichtigste aber: Die Variante der Aufgliederung stellt die Albaner nicht zufrieden. Sie wollen die ganze Provinz haben."

    Wie die Zeitung aus russischen diplomatischen Kreisen erfuhr, will Russland darauf bestehen, dass das Kosovo-Problem auf der Grundlage der Respektierung der Souveränität und der territorialen Integrität der von der UNO anerkannten Staaten geregelt wird.

    "Es liegt nicht an Russlands Beziehungen zu Serbien und nicht an den imperialen Ambitionen Moskaus", betonte der russische Diplomat. "Der Präzedenzfall des Kosovo gilt für alle. Morgen kann anstelle von Serbien ein jeder andere Staat dran sein. Moskau wird das nicht zulassen", erklärte ein russischer Diplomat in einem "RBC-Daily"-Gespräch.

    "Nesawissimaja Gaseta": Arktis-Expedition hat Russland mehr geschadet als genutzt

    Hinsichtlich einer Anerkennung der russischen Besitzrechte auf die Arktis-Bodenschätze hat die jüngste Polarexpedition mehr geschadet als genutzt.

    Diese Meinung äußert Leopold Lobkowski, Vizedirektor des Ozeanologie-Instituts der Russischen Akademie der Wissenschaften, am Freitag in der "Nesawissimaja Gaseta".

    "Um der internationalen Öffentlichkeit zu beweisen, dass die Kruste der unter Wasser liegenden Lomonossow-Gebirgskette eine kontinentale Natur hat, was für Russland ein Argument für den Besitzanspruch wäre, muss man eine Vorstellung von der tiefen Struktur haben, und zwar aus einer Tiefe von fünf bis sieben, besser sogar zehn Kilometer", stellt der Experte fest. "Die Grundproben von der Oberfläche beweisen dagegen nichts."

    Nach Ansicht des Wissenschaftlers hat die jüngste Expedition nichts Neues gebracht, was man der UNO-Seerechtskonvention hätte vorweisen können. "Grundproben hatten wir ohnehin schon", so Lobkowski. "Vor einigen Jahren wurde auf derselben Lomonossow-Kette eine 400 Meter tiefe Bohrung niedergebracht. Allerdings schrieb man damals nichts darüber."

    Zugleich könnte der Rummel um Russlands Versuche, mehr als eine Million Quadratkilometer Meeresgrund, der reich an Öl und Gas ist, für sich zu beanspruchen, den russischen Positionen schaden.

    Um die Ansprüche wissenschaftlich zu untermauern, werden kostspielige Technik und Technologien erforderlich sein, die Russland vorerst nicht hat. Die russischen Wissenschaftler hoffen nun darauf, dass die Regierung endlich die für die weiteren Forschungen, den Bau von Eisbrechern und Bohranlagen usw. erforderlichen Mittel endlich bereitstellt. Nicht klar ist aber, inwieweit diese Hoffnungen begründet sind.

    Dafür verfügen Kanada, Dänemark, Norwegen und die USA bereits über die notwendige Technik und die entsprechenden Geldmittel.

    Der Blick von Anatoli Kolodkin, Vizepräsident des Internationalen Seekomitees und Richter des Internationalen UNO-Seerechtstribunals, auf das Problem ist allerdings etwas optimistischer. Nach seiner Ansicht ist eine jede Reaktion auf die russische Argumentation in der UNO für die Russische Föderation von Vorteil. "Bei einer positiven Entscheidung wird unser Land das Recht bekommen, die Schelferkundung zu führen und mit dem Abbau zu beginnen", so der Experte.

    "Sollte aber die Entscheidung negativ ausfallen, würde ich der Regierung dennoch empfehlen, mit der Erkundung zu beginnen: Eine Ausnahme lässt sich ja doch immer finden."

    "Gaseta": Wozu braucht Russland irakisches Erdöl?

    Die irakische Regierung wird die meisten der größten Ölvorkommen ihres Landes nationalisieren.

    Iraks Ölminister Hussein al-Shahristani hat während seines jüngsten offiziellen Moskau-Besuchs erklärt, dass alle 27 Lagerstätten, die heute im Irak abgebaut werden, bis Ende September von der Nationalen Ölgesellschaft übernommen werden. Das gleiche Schicksal erwartet auch all die großen Vorkommen, auf denen die Arbeit nach dem US-Einmarsch gestoppt wurde.

    Wie die Tageszeitung "Gaseta" am Freitag schreibt, verlieren aber die russischen Ölunternehmen und in erster Linie Lukoil nicht ihre Hoffnung auf ein Stück vom irakischen Öl-Kuchen. Wozu haben sie das aber nötig?

    Valeri Jasew, Vorsitzender des Staatsduma-Ausschusses für Energiewirtschaft, Verkehrs- und Fernmeldewesen: Wir brauchen das irakische Erdöl genauso wie das zentralasiatische Erdgas.

    Grigori Sergijenko, Exekutivdirektor des Russischen Brennstoff-Verbandes: Erdöl hat man immer nötig, insbesondere angesichts der erhöhten Nachfrage auf den Weltmärkten. Die Nachfrage wird unabhängig vom Ort der Ölförderung bestehen.

    Wir werden das irakische Öl kaum importieren, während die Export-Infrastruktur im Irak vielleicht sogar bequemer ist als in Russland. Deshalb ist es wichtig, die Regionen abzustecken, die Vorteile und Profite in Zukunft sichern. Erdöl wird immer teurer und die Förderbedingungen werden zwangsläufig immer schlechter. Derjenige, der geringere Unkosten haben wird, wird auch Marktvorteile haben.

    Sergej Grigorjew, Vizepräsident des Staatsunternehmens Transneft: Wozu haben die Amerikaner das irakische Erdöl nötig? Es geht ja ums Geschäft. Insofern ist es wohl gar nicht schlecht, wenn russische Unternehmen auf den Weltmarkt kommen. Natürlich geht es jetzt um eine Vorarbeit für die Zukunft, denn ein friedliches Leben wird dort irgendwann auch einziehen.

    RIA Novosti ist für den Inhalt der Artikel aus der russischen Presse nicht verantwortlich.

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