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    Russlands Raumfahrt vor Veränderungen

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    MOSKAU, 16. August (Andrej Kisljakow, RIA Novosti). Wenn nicht mit der Tradition gebrochen wird, erfahren wir von den neuen Plänen zum russischen Raumfahrtprogramm in der letzten Augustwoche.

    Am 21. August wird in der Stadt Schukowski bei Moskau die traditionelle Internationale Luft- und Raumfahrtausstellung MAKS-2007 eröffnet.

    Vor zwei Jahren, bei der vorigen MAKS, bewunderten die zahlreichen Besucher das naturgetreue Modell des aussichtsreichen russischen wiederverwendbaren Transportraumschiffes "Clipper", das in der führenden einheimischen Raumfahrtkorporation (RKK) "Energija" entwickelt wurde. Wie die Leiter von Roskosmos (Russische Weltraumbehörde) behaupteten, hat mit diesem Raumschiff ein neues Kapitel in der Raumforschung begonnen.

    Ein Jahr später, schon im englischen Farnborough, stellte Roskosmos die Arbeiten an der "Clipper" faktisch ein und gab ein "Marathon-Programm" der weiteren Modernisierung des in den letzten 50 Jahren umfassend verbesserten Schiffs "Sojus" bekannt. In der Zeit zwischen den Ausstellungen wurden Versuche unternommen, die einander völlig entgegengesetzten Äußerungen über die Pläne von bemannten Mond- und Mars-Expeditionen logisch zu ordnen, was die Sache jedoch nicht klarer machte.

    Anders ausgedrückt: Die Zeit einer ausführlichen Erörterung der Zukunft unserer Raumfahrt ist gekommen. Zumal der Roskosmos-Chef Anatoli Perminow demnächst eine gute Gelegenheit für einen Bericht über Neuigkeiten bekommt: eine Tribüne, von der aus er als Profi so viel bisher Unverständliches erläutern könnte.

    Zum Beispiel könnte er bekannt geben, welches Raumfahrtprogramm Russland jetzt im Prinzip hat. Noch vor einem halben Jahr gab es hier keine Fragen. Es bestand das bestätigte Föderale Raumfahrtprogramm für den Zeitraum 2006 - 2015. Später sprach Roskosmos von der Ausarbeitung der Perspektiven bis 2040. Hier erhebt sich eine Frage. Es ist zweierlei, ob es sich nur um einige Entwürfe handelt, welche den Menschen keine großen Anstrengungen und keinen hohen materiellen Aufwand abverlangen, oder konkrete wissenschaftliche sowie Forschungs- und Entwicklungsarbeiten vorgesehen sind. In diesem letzteren Fall wird man die noch weit entfernten 30er und 40er Jahre in das recht angespannte Heute einbauen müssen.

    Aber das ist nicht alles. Vor kurzem, Anfang August, erklärte Vitali Dawydow, Stellvertreter des Roskosmos-Chefs, ganz zu Recht, laut besagtem Programm seien bis 2015 keine Mondexpeditionen geplant. Wir wollen bemerken, dass sich Roskosmos bei der Planung der Raumfahrtstrategie, ausgehend von der nüchternen Einschätzung der eigenen Möglichkeiten, beim Mondprogramm auf den Start von drei Forschungssatelliten beschränkte.

    Aber in Weiterentwicklung seines Gedankens erklärte Dawydow, das Föderale Raumfahrtprogramm solle noch präzisiert werden. "In zwei Jahren, etwa 2010, werden wir es präzisieren, dann wird es schon bis 2020 reichen." Wenn das nicht eine dritte Variante mit allen sich daraus ergebenden finanziellen und wirtschaftlichen Folgen ist, bin ich bereit, jedem Kommentar zuzuhören. Denn gemäß Dawydow wird an der Präzisierung des heutigen Raumfahrtprogramms bereits gearbeitet, was unter anderem Pläne vorsieht, in denen "bemannte Flüge nicht nur zum Mond, sondern auch noch weiter Platz gefunden haben".

    Das "Weiter" ist offenkundig der Mars. Dabei ist auch mit dem Mond nicht alles klar. Wenn das Programm neuerdings bis 2020 gilt - und wir wollen nicht vergessen, dass bis 2015 keine ernsten auf den Mond bezogenen Initiativen geplant sind -, muss eine strategische Offensive gegen unseren natürlichen Satelliten binnen nur fünf Jahren entwickelt, materiell und technisch vorbereitet und verwirklicht werden. Ich bin bereit, das zu glauben, aber sofort melden sich Zweifel. Wie der neu gewählte Präsident von RKK "Energija" Vitali Lopota zugegeben hat, verfügt die Korporation gegenwärtig über kein Geld für die Realisierung des Mondprogramms. Seiner Meinung nach würden sich die notwendigen Geldmittel finden, wenn Roskosmos das entsprechende Programm bestätigt. Eine schon an sich recht abstrakte Hoffnung. Aber selbst wenn ein solches Programm auch zustande gebracht wird - wie soll es schmerzlos in die schon bestehenden und finanzierten Pläne eingefügt werden?

    Denn heute kann man nicht einmal annähernd sagen, welche Technik nötig ist, um den Mond anzugehen. Übrigens ist die Frage nach der Entwicklung eines einheimischen Systems von Transportraumschiffen bereits so aktuell, dass sie keine rein technische Aufgabe mehr ist und die Ausmaße eines umfassenden Problems für die gesamte russische Raumfahrt angenommen hat.

    Die Situation ist in diesem Fall beinahe absurd. Wie Alexej Krasnow, Leiter der bemannten Programme von Roskosmos, Anfang August überraschend erklärt hat, genügt der anfangs erwähnte "Clipper" der Föderalen Raumfahrtbehörde nicht mehr, weil er keine Mondflüge sichere. Einverstanden, das ist eine ernst zu nehmende Neuigkeit. Übrigens wurde dem am 31. Juli abgesetzten ehemaligen Leiter von RKK "Energija" Nikolaj Sewastjanow eben ein Zuviel an "Mondsucht" in den Plänen der Korporation vorgeworfen.

    Was die "Clipper" selbst betrifft, so wurde sie auch nie als Mondschiff geplant, sondern sollte vielmehr die alternde "Sojus" auf erdnahen Bahnen ersetzen. Heute wird auch nur einer Erwähnung der "Clipper" nach Möglichkeit ausgewichen, sondern vielmehr vorgeschlagen, die altbewährte "Sojus" zur "Eroberung" des Mondes einzusetzen. Dabei bleibt die "Sojus" ohnehin mit fast hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit die einzige "Betreuerin" der ISS, nachdem die Amerikaner spätestens 2010 ihre Shuttles endgültig landen werden. Falls es unsere Raumfahrt binnen zwei Jahren schafft, ein geschlossenes Konzept der Zukunft der Raketentechnik wenigstens aufzubauen und zu begründen, wäre auch das schon eine große Leistung.

    Inzwischen aber kann die Internationale Raumstation, die bald "entamerikanisiert" wird, nur auf die Ausdauer der vor einem halben Jahrhundert gebauten Technik rechnen. Und auf die schon baldige Ausstellung MAKS-2007. Das ist auch für die ISS eine Chance.

    Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.

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