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    Russlands Hubschrauberbauer warten auf heimische Triebwerke

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    Luft- und Raumfahrtmesse MAKS-2007 (32)
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    MOSKAU, 21. August (Juri Saizew für RIA Novosti). Der dritte Tag der Internationalen Luft- und Raumfahrtmesse MAKS 2007, die an diesem Dienstag im Moskauer Vorort Schukowski begonnen hat, ist zum „Tag der russischen Hubschrauber“ erklärt worden.

    Die gesteigerte Aufmerksamkeit in dieser Sparte ist kein Zufall. Bereits Mitte August hatte der russische Präsident Wladimir Putin auf schwere Probleme des russischen Hubschrauberbaus aufmerksam gemacht.

    Nach Angaben des Industrieministeriums wurden 2006 in Russland 93 Helikopter gebaut, 13 mehr als im Jahr davor. Doch der Zuwachs von 16 Prozent war vor allem den Aufträgen aus dem Ausland zu verdanken. Die Export-Nachfrage ist weniger auf die Qualität der russischen Maschinen, sondern eher auf niedrigen Preis im Vergleich zu ausländischen Analogen zurückzuführen.

    Vor fünf Jahren wurde in Russland ein Integrationsprogramm für die heimischen Triebwerksbauer beschlossen. Es blieb jedoch im Ansatz stecken, weil strenge Verwaltung im forschungsintensiven Triebwerkbau unwirksam ist. Und trotzdem zwingt der Markt die Unternehmen der Branche zur Kooperation, um der Konkurrenz der ausländischen Giganten General Electric, Pratt & Whitney, Rolls-Royce oder Snecma standhalten zu können. Wie sich herausstellte, spielt die Eigentumsform der russischen Triebwerkshersteller bei dieser Kooperation keine Rolle.

    Ein besonders erfolgreiches Unternehmen ist die Staatsfirma Saljut, die zahlreiche Zulieferanten vereinigen und ein Konstruktionsbüro für Serienproduktion organisieren konnte. Saljut gelang es, die Personalstärke, die Anfang der 1990er Jahre auf ein Sechstel gekürzt werden musste, wiederherzustellen. Kaum weniger erfolgreich wirtschaftet die Aktiengesellschaft Saturn, die ebenfalls ein eigenes Konstruktionsbüro unterhält. Ein weiteres Beispiel für eine erfolgreiche Kooperation ist ein Joint Venture, das vom russischen Klimow-Werk und der ukrainischen Firma Motor Sitsch gegründet wurde.

    Mit der Gründung der Vereinigten Flugzeugbaukorporation wurden Integrationsprozesse in der Triebwerksparte belebt. Obwohl sich die Flugzeugbauer zu einem Monopol vereinigt haben, wünschen sie sich weiterhin eine freie Konkurrenz der Triebwerksbauer. Ihnen zufolge müssen in Russland mindestens zwei Triebwerkbauunternehmen bleiben. Das würde eine hohe Qualität garantieren und ein monopolistisches Preisdiktat verhindern.

    Diese Argumente trafen bei der russischen Regierung offenbar auf Verständnis. Es wurde beschlossen, vier statt nur zwei Triebwerkbau-Holdings ins Leben zu rufen. Eine von ihnen soll auf der Basis der Firma Saljut entstehen. Einen entsprechenden Erlass unterzeichnete bereits Präsident Wladimir Putin. Die drei weiteren Holdings sollen auf der Basis des Klimow-Werkes, des Samaraer Flugzeugbauszentrums und durch die Bündelung der Staatsanteile an den Betrieben in Perm, Rybinsk und Ufa entstehen.

    Außerdem wurde ein Erlass über die Gründung einer neuen Hubschrauberbau-Holding unterschrieben. Sie soll durch die Fusion der bereits bestehenden Holding mit den beiden Hubschrauberriesen Kumertau und Progress entstehen.

    Das größte Problem für die neue Hubschrauberbau-Holding wird der Mangel an Triebwerken sein, deren Produktion in Russland bescheiden ist. Das, obwohl die Effektivität eines modernen Hubschraubers laut Experten zu 50 Prozent vom Triebwerk abhängt.

    Das ukrainische Unternehmen Motor Sitsch produziert serienmäßig das Triebwerk WK-2500, mit dem das russische Verteidigungsministerium die Angriffshubschrauber Mi-28N (Night Hunter) und Ka-52 (Alligator) sowie die Transporthelikopter Ka und Mi ausstatten lassen will.

    WK-2500 ist mit einer Leistung von 2400 PS eine Weiterentwicklung des populären Triebwerks TW3-117WMA, mit dem die Hubschrauber Mi-17, Mi-24, Mi-28, Ka-27, Ka-32, Ka-50 und deren Modifikationen ausgestattet sind. WK-2500 unterscheidet sich von seinem Vorgänger durch das digitalisierte Lenksystem und eine neue Konstruktion der Kompressorturbine.

    Die beiden Triebwerke wurden vom russischen Klimow-Werk entwickelt. Ihre Produktion wurde jedoch in der Ukraine in die Wege geleitet. Das Klimow-Werk stellte lediglich kleine Mengen mit ukrainischen Zulieferteilen her. Seit 1996 baut Russland einen eigenen geschlossenen Zyklus für Hubschrauberproduktion auf, um sich aus der Abhängigkeit von ausländischen Zulieferanten zu lösen.

    Auf der vorjährigen internationalen Triebwerkmesse „Dwigateli-2006“ wurden Vereinbarungen getroffen, die der Produktion der WK-2500-Triebwerke im Moskauer Werk „Tschernyschew“ grünes Licht geben. Erste Triebwerke sollen dort bereits 2009 gebaut werden. Außerdem ist geplant, künftig das neuste Hubschraubertriebwerk WK-800 in Moskau zu bauen.

    Im Alleingang ist nicht einmal Klimow in der Lage, den Bedarf der Hubschrauberindustrie an Triebwerken zu decken. Deshalb empfehlt die staatliche Kommission für Rüstungsindustrie, eine Serienproduktion von WK-2500 und WK-800 im Motorenwerk Ufa in die Wege zu leiten. Der Aufbau einer eigenen Serienproduktion von WK-2500 wird Russlands Schätzungen zufolge zwischen 150 und 200 Millionen Dollar kosten.

    Unser Autor Juri Saizew ist akademischer Berater an der Akademie für Ingenieurwissenschaften.

    Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.

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