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    Kein Billiggas mehr aus Russland

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    MOSKAU, 03. September (Michail Chmeljow, RIA Novosti). Der russische Gaslieferant Gasprom kündigt eine neue Erhöhung der Gaspreise für die GUS-Staaten und das Baltikum an.

    Gasprom versucht seit drei Jahren, eine marktgerechte Preisbildungsformel für die Nachbarstaaten durchzusetzen. Doch jedes Mal kommen die Verhandlungen nur schwer voran.

    Russlands Streben nach Pragmatismus in den Wirtschaftsbeziehungen stößt bei den ehemaligen Sowjetrepubliken auf Ablehnung. Heute, da die Energiepreise Rekorde brechen, will Russland sein Erdgas nicht einmal seinen engsten Freunden zu einem Spottpreis verkaufen.

    Gasprom startet demnächst mit Lettland und Estland Verhandlungen über eine Preiserhöhung. Im Oktober kommen die Ukraine und Weißrussland dran. Den litauischen Gasversorgern schlug Gasprom bereits vor, statt bisher 190 US-Dollar ab Jahreswechsel 280 US-Dollar je tausend Kubikmeter Gas zu zahlen. Ebenso hoch soll der neue Gaspreis für Estland und Lettland ausfallen. Weißrussland wird 2008 wahrscheinlich zwischen 125 und 150 US-Dollar je tausend Kubikmeter und somit 25 bis 50 Prozent mehr für russisches Erdgas zahlen müssen. Der Preis für die Ukraine kann von gegenwärtig 130 auf 180 US-Dollar je tausend Kubikmeter zunehmen.

    Russlands Nachbarn zahlen gegenwärtig 40 bis 70 Prozent des europäischen Durchschnittspreises. Diese Preise werden nicht vom Gasmonopolisten Gasprom, sondern vom Markt vorgegeben. Der Preis für die europäischen Staaten wird nach der so genannten europäischen Formel errechnet, die allein von den Ölnotierungen und von der Preisentwicklung an der Rotterdamer Börse abhängt. Von Land zu Land unterscheidet sich der Gaspreis unwesentlich je nach der Höhe der Transportkosten und den konkreten Vereinbarungen mit den lokalen Zwischenhändlern und Versorgern. Der durchschnittliche Preis für russisches Erdgas beträgt in Europa 280 bis 320 US-Dollar je tausend Kubikmeter. Dabei ist Gasprom nicht der einzige Lieferant. Alle anderen Produzenten verkaufen ihr Gas zu einem ungefähr gleichen Preis.

    Im postsowjetischen Raum wird das russische Erdgas weit unter dem Wert verkauft. Anfang der 2000er Jahre, als die europäischen Verbraucher 200 bis 250 US-Dollar je tausend Kubikmeter zahlten, schwankte der Gaspreis für das Baltikum und die GUS zwischen 55 und 100 Dollar. Der Gashandel mit den postsowjetischen Staaten war für Gasprom lange Zeit ein Verlustgeschäft, während Russland die Wirtschaften dieser Staaten innerhalb von 13 Jahren nach dem Zerfall der Sowjetunion subventionierte.

    Ende 2005 kündigte Russland einen schrittweisen Übergang zu marktgerechten Erdgaspreisen für die postsowjetischen Staaten an, als klar wurde, dass die Unterstützung der Nachbarstaaten mit billigen Energieträgern nicht das gewünschte Ergebnis bringt. Mit der Politik der niedrigen Preise konnte Russland weder neue Freunde gewinnen noch alte Verbündete fester an sich binden. Wozu soll man auch weiter Erdgas zu einem Spottpreis verkaufen, wenn Westeuropa bereit ist, das Doppelte oder sogar das Dreifache zu zahlen?

    Im GUS-Raum ist der Übergang zu Marktpreisen von Konflikten überschattet. Der Verzicht auf das Billiggas fällt den Importstaaten sehr schwer. Um die Verdoppelung des Gaspreises (von 55 auf 100 Dollar je tausend Kubikmeter) für die Ukraine durchzusetzen, musste Russland im Januar 2006 sogar den Gashahn zudrehen, was zur Unterbrechung der Gaslieferungen nach Europa führte. Weißrussland konnte eine solche Entwicklung verhindern, indem es in letzter Minute des ausgehenden Jahres 2006 in einen höheren Preis einwilligte. Die Ukraine und Weißrussland sind mit einem Importvolumen von 56 bzw. 21 Milliarden Kubikmeter die größten Abnehmer des russischen Erdgases. Mit anderen Staaten konnte Russland mit weniger Problemen einen neuen Gaspreis vereinbaren. Mit den neuen EU-Staaten Litauen, Lettland und Estland einigte sich Russland 2005 auf eine dreijährige Übergangszeit, innerhalb der der Gaspreis den europäischen Stand erreichen soll. Gegenwärtig zahlen diese Staaten 190 bis 200 US-Dollar je tausend Kubikmeter. Auch die anderen Importeure akzeptierten den neuen Preis, wenn auch ungern. Armenien zahlt heute 110 Dollar je tausend Kubikmeter, Moldawien 170 Dollar, Georgien 235 Dollar.

    Als Russland die Preiserhöhung für Energieträger begann, wurde ihm vorgeworfen, die Nachbarstaaten wirtschaftlich unter Druck zu setzen. Und das, obwohl die westeuropäischen Staaten seit Jahren für das Erdgas nach einem höheren Tarif zahlen. Die Gaspreise in Europa und in der übrigen Welt sind an Ölnotierungen gebunden. Der hohe Erdölpreis auf dem Weltmarkt lässt auch den Gaspreis nach oben klettern. Zudem will Russland seinen Nachbarstaaten nicht mehr mit Subventionen beistehen. Im postsowjetischen Raum gibt es heute mehr Rivalität als Gemeinsamkeit. Die Sowjetunion ist bereits der Vergessenheit anheimgefallen. Nun muss auch das billige russische Erdgas vergessen werden.

    Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.