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    Russland-Indonesien: Zu neuen Horizonten der Zusammenarbeit - Ein Artikel von Wladimir Putin für Indonesiens Massenmedien

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    Im Vorfeld meines offiziellen Besuches in Indonesien möchte ich meine Gedanken über die Gegenwart und die Zukunft der Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern äußern.

     

    MOSKAU, 05. September (RIA Novosti). Im Vorfeld meines offiziellen Besuches in Indonesien möchte ich meine Gedanken über die Gegenwart und die Zukunft der Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern äußern.

    Ich möchte darauf eingehen, was die Grundlage unserer bereits mehr als ein halbes Jahrhundert währenden Zusammenarbeit bildet, wie auch darauf, wie ich die Perspektiven des bilateralen Zusammenwirkens zu Beginn des neuen Jahrtausends sehe.

    Russland und Indonesien sind nicht nur zwei flächen- und bevölkerungsmäßig große Staaten. Es sind zwei urwüchsige und alte Zivilisationen sowie zwei überaus große Kulturkonglomerate. Jakarta und Moskau sind Hauptstädte von multinationalen Ländern, in denen seit vielen Jahrhunderten Menschen zusammen leben und arbeiten, die zu unterschiedlichen Ethnien und Konfessionen gehören. Unsere beiden Staaten haben komplizierte historische Entwicklungswege zurückgelegt. Hinter ihrer gegenwärtigen dynamischen Entwicklung und ihren Erfolgen in der internationalen Arena stehen eine große kreative Arbeit und beharrliche Bemühungen unserer Völker.

    Heute auf die Geschichte der russisch-indonesischen Beziehungen zurückblickend, erinnern wir uns vor allem an die besonders ruhmreichen Seiten. Unser Land war unter den ersten, die Indonesiens Unabhängigkeit anerkannt haben, es hat Solidarität mit dem indonesischen Volk bei dessen Freiheitskampf gezeigt. Wir sind stolz darauf, dass mit Unterstützung sowjetischer Fachleute das Hüttenwerk Krakatau, ein Netz von Fernstraßen auf Kalimantan, der Forschungsreaktor in Jokyakarta, das Spital „Freundschaft“ und das Stadion Bung Karno in Jakarta gebaut wurden.

    Russland, das diese Traditionen der freundschaftlichen gegenseitigen Hilfe sorgfältig bewahrte, hat Indonesien in den Tagen der ernsthaften Prüfungen, die mit der Überwindung der Folgen der großen Naturkatastrophen im Dezember 2004 verbunden waren, seine Hand zur Hilfe gereicht. Ich freue mich darüber, dass unsere indonesischen Freunde - Vertreter der älteren Generation wie auch die Jugend - das wissen und auch nicht vergessen.

    Ich muss auch betonen, dass die Beziehungen zwischen Russland und Indonesien in letzter Zeit eine neue positive Dynamik bekommen und zu einer bedeutenden Ausrichtung in der internationalen Agenda unserer beiden Länder werden.

    Souverän entwickelt sich der politische Dialog zwischen Moskau und Jakarta. Ein wichtiges Ereignis dabei war der offizielle Russland-Besuch des Präsidenten der Republik Indonesien, Susilo Bambang Yudhoyono , der Ende vergangenen Jahres stattfand. Mit seinen gewichtigen Ergebnissen hat er bestätigt, dass die russisch-indonesische Zusammenarbeit, die sich gemäß der 2003 unterzeichneten Erklärung über die Grundlagen der freundschaftlichen und partnerschaftlichen Beziehungen zwischen beiden Ländern im 21. Jahrhundert entwickelt, gute Perspektiven hat. Vom Interesse beider Seiten an einer Vertiefung der Zusammenarbeit zeugt auch die Intensivierung der interparlamentarischen Beziehungen und die gewachsene Intensivität des Zusammenwirkens zwischen verschiedenen Ministerien und Ämtern.

    Heute wünschen wir uns aber nicht bloß weitere entgegenkommende Schritte. Wir sind bereit, eine neue Etappe in den Beziehungen mit Indonesien einzuleiten. Ich denke, dass dafür ein solides Fundament geschaffen wurde, es gibt auch von der Zeit geprüfte Erfahrungen und gewichtige Voraussetzungen.

    Wir haben Verständnis für die aktive und unabhängige Außenpolitik Jakartas und dessen Streben, eine konstruktive Rolle bei globalen und regionalen Angelegenheiten zu spielen. Ein Zeugnis für die Anerkennung des Ansehens von Indonesien in der internationalen Arena war die Wahl dieses Landes zu einem nichtständigen Mitglied des UN-Sicherheitsrates für 2007/2008. Dank der gegenseitigen Nähe unserer Positionen zu den zentralen Problemen der Gegenwart arbeiten die Vertreter Russlands und Indonesiens in der Organisation der Vereinten Nationen eng zusammen.

    In der gegenwärtigen Etappe, wo die internationalen Beziehungen eine komplizierte und wichtige Periode der Transformierung durchmachen und wo entschieden wird, wie die zukünftige Weltordnung sein soll, setzen sich Russland und Indonesien konsequent für die Festigung der kollektiven Grundlagen und für die Dominanz des Völkerrechts ein. Wir haben gemeinsame Standpunkte hinsichtlich der zentralen Rolle der UNO, die eine einmalige Legitimität besitzt. Wir teilen die Prinzipien der Respektierung der Souveränität und der territorialen Integrität der Staaten sowie der Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten. Das Wichtigste aber: Wir sind bereit, die Zusammenarbeit mit allen interessierten Partnern im Interesse der Herstellung einer gerechten Weltordnung auszubauen, die die Stabilität und Sicherheit auf globaler wie regionaler Ebene zuverlässig gewährleistet.

    Im Dezember vergangenen Jahres hat Präsident S. B. Yudhoyono die Sankt Petersburger Hauptmoschee besucht, die größte in Russland und eine der größten in Europa. Für uns ist das nicht ein Symbol schlechthin. Wir setzen uns für die gegenseitige Achtung in allem ein, was die Beziehungen im Kultur- und Zivilisationsbereich betrifft. Der Dialog mit Indonesien als einem der führenden Staaten der islamischen Welt und dem Land mit der größten moslemischen Bevölkerung ist für Russland von besonderem Interesse. Wir sind bereit, gemeinsam nach Wegen zur Herstellung der interkonfessionellen Verständigung zu suchen, die unter den heutigen Bedingungen so notwendig ist, unter anderem im Rahmen der Organisation Islamische Konferenz, in der unser Land mit Unterstützung Indonesiens zu einem Beobachterstaat geworden ist.

    Wichtig ist, dass der Dialog zwischen Politikern, der dieses Ziel verfolgt, von Kontakten zwischen Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, Jugendlichen und einfachen Menschen in beiden Ländern gefestigt wird. In diesem Kontext muss das Potential der bilateralen humanitären Zusammenarbeit und des Austauschs in den Bereichen Bildung und Kultur, das bei weitem noch nicht erschöpft ist, weiter verstärkt werden.

    Wir betrachten Indonesien als einen der wichtigsten und zukunftsreichsten Partner Russlands im asiatisch-pazifischen Raum und als einen überaus wichtigen „Wachstumspunkt“ der Weltwirtschaft.

    In den letzten Jahren hat sich der Warenumsatz zwischen unseren beiden Ländern faktisch verdoppelt. Das ist zweifellos ein gutes Zeichen. Der jetzige Handelsumfang von wertmäßig 600 Millionen Dollar entspricht aber wohl kaum dem Potential beider Länder, deren Gesamtbevölkerung bei rund 400 Millionen liegt. Durchaus erreichbar erscheint für die nächsten Jahre die Eine-Milliarde-Dollar-Marke im bilateralen Handel.

    Dazu sollen die Vervollkommnung der vertragsrechtlichen Grundlage des Zusammenwirkens, die Diversifizierung der Wirtschaftsbeziehungen und deren Ausdehnung auf die wissenschaftsintensiven und hochtechnologischen Branchen wie auch die Entwicklung der wissenschaftlich-technischen Kooperation beitragen. Unter den besonders zukunftsträchtigen Ausrichtungen sehen wir Energiewirtschaft, Weltraumtechnologien, Telekommunikation, Flugzeugindustrie und zivile Atomwirtschaft.

    Wir brauchen einen ernsthaften Durchbruch bei der Zusammenarbeit im Investitionsbereich und in der Interbankenkooperation. Daran arbeiten sowohl die Regierungen als auch Großunternehmen beider Länder. Eine gute Möglichkeit, den gesamten Komplex von Fragen des wirtschaftlichen Zusammenwirkens unter einem praktischen Gesichtspunkt zu erörtern, wird das Geschäftsforum bieten, das im Zusammenhang mit dem bevorstehenden Besuch stattfinden wird. Die Durchführung dieses Forums bestätigt ein weiteres Mal das wachsende gegenseitige Interesse der Geschäftskreise Russlands und Indonesiens.

    Mit jedem Jahr reisen immer mehr russische Bürger nach Indonesien, um die erstaunliche und vielfältige Welt der indonesischen Natur und Kultur für sich zu entdecken. 2006 belief sich die Zahl der russischen Touristen in Indonesien auf mehr als 20 000, und das ist noch längst nicht die Höchstgrenze. Wir erwarten indonesische Gäste auch in unserem Land.

    Ich rechne damit, dass der bevorstehende Besuch der zunehmenden Bewegung unserer Länder auf einander zu einen neuen Impuls verleihen und zur Herstellung einer dauerhaften und zukunftsorientierten Partnerschaft auf der Grundlage des gegenseitigen Vertrauens und der Freundschaft beitragen wird. Ich bin sicher, dass wir alles haben, was dafür notwendig ist. Bis bald in Jakarta!

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