01:03 25 November 2017
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    Kampf um Power Machines: russische Oligarchen statt Siemens

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    MOSKAU, 06. September (Oleg Mitjajew, RIA Novosti). Nicht Siemens, sondern ein russischer Milliardär wird künftig beim Petersburger Turbinenhersteller Power Machines das Sagen haben.

    Am 31. August kündigte der staatliche Stromkonzern RAO UES an, seinen 25-prozentigen Anteil an Power Machines an einen heimischen Investor verkaufen zu wollen, der durch eine Ausschreibung bestimmt werden soll. Das Kartellamt in Moskau erlaubte am selben Tag zwei russischen Milliardären die Übernahme von Power Machines: dem Aluminium-Multi Oleg Deripaska und dem Stahlmagnaten Alexej Mordaschow.

    Zuvor hatte auch der Mischkonzern Interros, dem 30,4 Prozent an Power Machines gehören, seinen Anteil zum Verkauf angeboten. Wer RAO UES und Interros beide Aktienpakete abkauft, der wird Power Machines und somit 37 Prozent des russischen Turbinenmarktes unter seine Kontrolle bringen.

    Zuvor hatte Interros bekannt gegeben, einen Käufer für sein Aktienpaket bereits gefunden zu haben. Branchenexperten neigten zu der Meinung, dass es sich um Mordaschow handelt, der Power Machines in seinen Besitz bringen wird. Doch die jüngsten Entscheidungen von RAO UES und der Kartellbehörde machten Mordaschow einen Strich durch die Rechnung und lösten einen Kampf zweier Oligarchen um Power Machines aus.

    Wer von den beiden die Oberhand gewinnt, ist schwer zu sagen. Eines ist klar: Den Sieg wird derjenige davon tragen, der das bessere Entwicklungsprogramm für Power Machines vorlegt. Mit Blick auf die umfassende Modernisierung der russischen Energiewirtschaft ist Power Machines von RAO UES für viele Jahre mit Milliardenaufträgen ausgestattet. Andererseits hat das Unternehmen einen großen Investitionsbedarf. Deshalb möchte der Staat die Investitionslast einem der beiden Milliardäre aufladen, die ernsthafte Absichten im Energiesektor haben: Deripaska, der laut Forbes-Magazin mit einem Vermögen von 16,7 Milliarden Dollar der zweitreichste Russe ist, oder Mordaschow, der auf der Forbes-Rangliste mit 12,1 Milliarden Dollar auf Platz neun rangiert.

    Der anfängliche Vorsprung von Mordaschow, der als potentieller Käufer des Interros gehörenden Anteils galt, ist bereits gleich Null. Deripaska hat offenbar mehr finanzielle Möglichkeiten. Davon zeugt etwa der Umstand, dass er sich in letzter Zeit immer neue Beteiligungen kauft. Deripaskas Firma Basic Element heimst alles ein, worauf sie auf dem Markt stößt: Automobilwerke, Papierfabriken, Baufirmen, Fluggesellschaften und Agrar-Holdinigs. Aus der Fusion des Deripaska gehörenden Aluminiumherstellers RUSAL mit SUAL von Viktor Wechselberg und mit dem Schweizer Rohstoffhändler Glencore ging in diesem Jahr UC Rusal, der größte Aluminium- und Tonerdeproduzent der Welt, hervor, der mehrheitlich Deripaska gehört.

    Mordaschow hatte in letzter Zeit offenbar weniger Erfolg. Im Kampf um die Fusion seines Stahlproduzenten Severstal mit dem europäischen Stahlkocher Arcelor unterlag Mordaschow dem Inder Lakshmi Mittal. Mit Severstal-Avto verkaufte Mordaschow sein Automobilgeschäft.

    Unabhängig davon, wer den Kampf um Power Machines gewinnt, wird es ein russischer Investor sein. Der deutsche Technologiekonzern Siemens, dem 25 Prozent an Power Machines gehören, hatte 2004 versucht, eine Mehrheit am Turbinenhersteller zu erwerben. Der Einstieg wurde jedoch von den russischen Behörden gestoppt. In der jetzigen Situation werden die Deutschen wahrscheinlich ihren Anteil an denjenigen der beiden Oligarchen verkaufen, der die Aktienpakete von Interros und RAO UES übernimmt.

    Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.