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    Gabala-Radar als Prüfstein für die USA

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    MOSKAU, 07. September (Nikita Petrow für RIA Novosti). Am 15. September beginnen in Baku dreiseitige Konsultationen von Diplomaten aus den USA, Russland und Aserbaidschan über eine mögliche Nutzung der Radaranlage „Darjal“ im aserbaidschanischen Gabala zur Überwachung des iranischen Staatsgebiets.

    Über dieses Problem beraten auch US-Präsident George Bush und sein russischer Amtskollege Wladimir Putin am Rande des APEC-Forums in Sydney (Australien).

    Laut US-Angaben baut Iran ballistische Raketen, die nicht nur die amerikanischen Verbündeten in Europa gefährden, sondern auch bis in die USA reichen können. Zum Schutz gegen diese Raketen will Washington in den kommenden Jahren ein Radar in Tschechien und zehn Abfangraketen in Polen stationieren. Moskau wendet sich strikt dagegen.

    Der Kreml und seine Generale sind davon überzeugt, dass der US-Raketenschild in Europa nicht zum Schutz gegen nicht existierende iranische Interkontinentalraketen dient, sondern dem Ziel, das atomare Abschreckungspotential Russlands zu beeinträchtigen. Um seine Interessen zu schützen, kündigte Moskau „angemessene Gegenmaßnahmen“ an, die von der Kündigung des Abrüstungsvertrages über die Mittel- und Kurzstreckenraketen bis hin zur Stationierung von operativ-taktischen Waffensystemen „Iskander-M“ an der polnischen Grenze reichen.

    Der Streit um den wahren Zweck der US-Raketenabwehr in Europa dauert seit Monaten an, und zwar auf höchster Ebene. Um die Besorgnis der USA über iranische Raketen zu beruhigen, schlug der russische Präsident Wladimir Putin George W. Bush eine gemeinsame Nutzung der Radarstation in Gabala vor, die als Teil des russischen Raketenwarnsystems nicht nur Iran, sondern auch ganz Südeurasien in einer Tiefe von 6 000 Kilometer überwacht. Im Gegenzug sollten die USA auf den Bau ihrer Raketenabwehrbasis bei Warschau verzichten oder diesen zumindest aussetzen, bis Iran nicht mythische, sondern reelle Raketen in seinen Besitz bringt, die bis nach Europa reichen. Wenn Iran solche Raketen testet, wird es laut Moskau nicht schwer sein, einen Raketenschild zu errichten.

    Mit seiner Reaktion auf den russischen Vorschlag zur gemeinsamen Nutzung der Radaranlage Gabala wird Washington verdeutlichen, ob sein Raketenschild zum Schutz gegen Teheran oder zur Eindämmung Russlands dient.

    Bei amerikanischen Politikern und Militärs löste der russische Vorschlag zwiespältige Gefühle aus. Einerseits wäre es unvernünftig, auf Gabala zu verzichten. Denn diese Radaranlage kann zusätzliche Aufklärungsdaten über Kriegsvorbereitungen in Iran liefern, auch wenn ihre technischen Kapazitäten dem US-Bedarf nicht entsprechen. Andererseits wollen die Amerikaner auf die Ausdehnung ihres Raketenabwehrsystems auf Tschechien und Polen nicht verzichten. Bevor sie eine endgültige Entscheidung treffen, wollen die USA Pentagon-Experten nach Aserbaidschan schicken, die das Radar in Gabala untersuchen und dessen Modernisierungsbedarf ermitteln sollen.

    Es sei gesagt, dass die Amerikaner die Radaranlage in Gabala ohne Russland nicht betreiben könnten. Die gesamte Ausrüstung der Anlage, ihre Sende- und Empfangsantennen, Computersysteme, Wasserversorgung und Wasserkläranlagen wurden in Russland gebaut und sind ohne russisches Personal nicht betriebsfähig. Ein Ersatz der russischen Ausrüstungen durch amerikanische wäre unmöglich. Für die USA wäre es einfacher, die Station zu zerstören und eine neue zu bauen. Wenn Washington auf das russische Angebot eingeht, können beide Staaten das Radar modernisieren und einen gemeinsamen Wachdienst organisieren sowie die Radardaten gemeinsam auswerten.

    Eine Einbindung der Amerikaner in die Nutzung der Radaranlage in Gabala würde sowohl Russland als auch Aserbaidschan Vorteile bringen. Aserbaidschan wird dadurch Partner beider größter Militärmächte der Welt, ohne Eifersucht bei ihnen zu erregen, und bekommt sowohl von Moskau als auch von Washington politische und wirtschaftliche Präferenzen. Für Moskau wäre eine Einwilligung Washingtons ein großer politischer und strategischer Erfolg, sofern die Amerikaner auf die Aufstellung der Raketenabwehr in Polen und Tschechien verzichten würden.

    Das um so mehr, als die Radarstation in Gabala ab 2012 für Russland jede Bedeutung verlieren wird. Sie wird durch die neue Frühwarn-Station „Woronesch-M“ ersetzt, die demnächst im südrussischen Armawir in Dienst gestellt werden soll. Dadurch erspart sich Russland die jährliche Miete für Gabala in Höhe von fünf Millionen Dollar und löst sich aus der Abhängigkeit von launischen aserbaidschanischen Politikern.

    Von der gemeinsamen Nutzung der Radaranlagen Gabala und Woronesch verspricht sich Moskau zudem die Schaffung eines gemeinsamen Informationssystems im Bereich der Raketenabwehr. Ein gemeinsames Zentrum für den Austausch von Daten über Raketenstarts soll neue Möglichkeiten für die Zusammenarbeit mit den USA eröffnen.

    Vom Ausgang der Raketenabwehr-Konsultationen in Aserbaidschan wird nicht nur die Sicherheit Russlands und der USA abhängen. Es ist nicht auszuschließen, dass die Frage der Raketenabwehr für die Zeit der anstehenden Wahlen in Russland und den USA in der Luft hängen bleibt.

    Die Wahlen in den USA können zu einer Korrektur der amerikanischen Politik führen. Der von den Demokraten dominierte Kongress verkürzte bereits wesentlich die Ausgaben für die Installierung des Raketenschildes in Europa. Es ist nicht auszuschließen, dass die Idee der europäischen Raketenabwehr langsam der Vergessenheit anheimfällt, wie dies einst mit Ronald Reagans Strategic Defense Initiative der Fall war.

     Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.

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