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    Modell für Russlands nächsten Staatschef: Breschnew oder Zar Peter der Große?

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    MOSKAU, 07. September (RIA Novosti). Bei der Suche nach einem Nachfolger wird Wladimir Putin weniger eine Person, sondern vielmehr ein Präsidentschaftsmodell wählen müssen.

    Diese Meinung vertritt Jekaterina Malofejewa, Wirtschaftsexpertin der Investmentgesellschaft Renaissance Capital. Die Tageszeitung „Wedomosti“ geht am Donnerstag auf ihre Analyse zu diesem Thema ein.

    Wird die Hauptaufgabe des Nachfolgers in der Aufrechterhaltung des Status quo bestehen, so wird das „Breschnew-Modell“ dazu passen. Wird aber eine aktive Wirtschaftspolitik gefragt sein, muss ein „Modell des Zaren Peter der Große“ her.

    Eine Besonderheit des in den vier Jahren in Russland geschaffenen politischen Systems besteht in der Machtkonzentration im Kreml, konstatiert die Expertin in ihrem am Mittwoch veröffentlichten Bericht „Russlands Wahl: Eine Anleitung für Investoren“. Insofern ist eine Variante aus der Analyse auszuschließen, bei der ein Kandidat, der vom Kreml nicht unterstützt wird, 2008 zum Präsidenten wird. Nach ihrer Ansicht beschränkt sich die Liste der Kandidaten nicht auf die beiden Ersten Vizepremiers Sergej Iwanow und Dmitri Medwedew.

    Malofejewa ergänzte diese Liste durch den Präsidentenbeauftragten im Föderationsbezirk Süd, Dmitri Kosak, den Regierungschef Michail Fradkow, die Sankt Petersburger Gouverneurin Valentina Matwijenko, den Vizepremier Sergej Naryschkin, den Leiter der Kreml-Administration, Sergej Sobjanin, und den Chef der staatlichen Eisenbahngesellschaft RZD, Wladimir Jakunin.

    In jedem Fall wird eine der Hauptaufgaben des Nachfolgers darin bestehen, den Status quo unter den wichtigsten politischen und Wirtschaftsgruppen aufrechtzuerhalten sowie die dem Kreml nahe stehenden Unternehmen, die sich während der Präsidentschaft Putins bereichert haben, zu schützen. Wird aber Putin politisch aktiv bleiben, so wird der Nachfolger einen Teil der Machtbefugnisse vom Kreml an eine Struktur delegieren, die Putin leiten wird.

    Egal, wen Putin wählen wird: Seinem Typ nach wird der Nachfolger entweder zum „Breschnew-Modell“ oder zu „Zar-Peter-Modell“ tendieren, so Malofejewa.

    Leonid Breschnew, der den abgesetzten Nikita Chrustschow abgelöst hatte, wurde gerade die Aufgabe gestellt, den Status quo zu bewahren, führt die Expertin weiter aus. Ein solcher Präsident kann keine „harten Maßnahmen“ treffen - er soll sich auch überaus angemessen verhalten, wenn Putin 2012 wieder ins Präsidentenamt zurück will. Für diese Rolle passen in erster Linie Fradkow, Matwijenko und Naryschkin: Sie sind an keine politischen und wirtschaftlichen Eliten gebunden und könnten vom einflussreichen Establishment einhellig unterstützt werden.

    Das „Peter-Modell“ setzt dagegen voraus, dass der Staatschef die vom Vorgänger aufgebaute Machtvertikale für eine eigene Entwicklungskonzeption für das Land verwenden wird. Für diese Variante favorisiert die Expertin Kosak und Jakunin.

    Malofejewa positioniert zwar Iwanow und Medewedew nicht in den „Breschnew - Peter“-Modellen, sie stellt aber fest, dass die Unterstützung der Wählerschaft für Iwanow stärker ist, weil er stärker an Putin erinnert.

    Der Nachfolger wird eher nach dem „Breschnew-Modell“ arbeiten müssen, meint Dmitri Badowski, Vizegeneraldirektor des Instituts für soziale Systeme. Das „Peter-Modell“ würde Putin nicht passen, weil es ein Monopolrecht für die Beschlussfassung voraussetzt, wie er selbst es heute besitzt. Die Unterbrechung bis Putins Rückkehr 2012 könnte aber durch unpopuläre, aber nützliche Reformen gefüllt werden, die heute nicht durchgeführt werden, um Putins Image nicht zu schaden, so Badowski.

    Der Politologe Dmitri Trenin aus dem Carnegie-Zentrum ist der Auffassung, dass die unweigerliche Machtteilung in den kommenden zwei Jahren zur Entstehung mehrerer Machtzentren führen wird. Die Macht des Nachfolgers wird nicht unbeschränkt sein.

    Nach Ansicht des Politologen Alexander Rahr steht Putin selbst dem „Peter-Modell“ näher, während seine Umgebung das „Breschnew-Modell“ vorziehen würde. Nach denjenigen, die das Land aufrütteln, kommen diejenigen, die Ruhe haben wollen. Deshalb ist der Appetit von Putins Umgebung, die einen neuen „Breschnew“ an die Spitze des „Großunternehmens Russland“ setzen möchten, so groß. Wahrscheinlicher ist aber (Rahr schätzt diese Wahrscheinlichkeit auf 80 Prozent) das „Peter-Modell“. Zu dieser Rolle ist Sergej Iwanow überaus geeignet, der zu einer Art „Putin-Klon“ wird.

    Jerome Booth, Chefanalyst des Unternehmens Ashmore Investment Management, das über Aktiva in Höhe von 17 Milliarden Dollar auf den Entwicklungsmärkten verfügt, bewertet allerdings den Unterschied zwischen beiden Modellen als illusorisch. „Russland hat eine starke Bürokratie mit ihrer eigenen Vorstellung davon, was der Staat in der Wirtschaft machen kann und was nicht“, stellt er fest. „Die Variante ‚Peter der Große’ wird zwar nicht greifen, man kann sie aber versuchen. Die ‚Breschnew’-Variante ist wahrscheinlicher. Auf die Umsetzung von Ideen kommt es an: Es gibt eben einen Unterschied zwischen der Erklärung ‚Wir sind für die Entwicklung von High-Tech’ und einer Mobilisierung von Experten auf diesem Gebiet im Interesse der Gründung neuer Unternehmen.“

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