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    Russland stillt Uran-Hunger mit Lieferungen aus Australien statt Postsowjet-Staaten/ Preise für Satellitenstarts nach Raketen-Panne auf Baikonur im Sinkflug/ Umfrage: Russen für Isolationismus, aber auch für Demokratisierung/ Serbien droht mit neuem Krieg um Kosovo/ Iran, Venezuela und Aserbaidschan auf Liste von Weißrusslands Ölpartnern

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    MOSKAU, 07. September (RIA Novosti)

    „Nesawissimaja Gaseta“: Russland stillt Uran-Hunger mit Lieferungen aus Australien statt Postsowjet-Staaten

    Russland hat einen neuen Uran-Lieferanten gefunden, der für die Ukraine, Kasachstan und Usbekistan einspringen soll, schreibt die „Nesawissimaja Gaseta“ am Freitag.

    Wie die Zeitung feststellt, wollen die postsowjetischen Länder mehr Selbständigkeit beim Handel mit ihren Bodenschätzen bekommen. Russlands Regierungsabkommen mit Australien soll nun australischen Uran-Lieferungen den Weg nach Russland öffnen.

    Auf Australien entfallen 40 Prozent der globalen Uran-Vorräte, dieses Land verfügt aber nicht über die Urananreicherungstechnologien. Russland dagegen hat leistungsstarke Anreicherungsbetriebe, die allerdings an einem Mangel an Rohstoffen leiden.

    Wie die Zeitung bei der russischen Atombehörde Rosatom und beim Unternehmen Techsnabexport erfuhr, wurde jetzt in Sydney nur eine neue Variante des Regierungsabkommens unterzeichnet, in dem erstmals die Möglichkeit eines Exports von australischem Uran nach Russland vorgesehen ist. Die Lieferbedingungen sowie die mögliche Gründung eines Joint Ventures in Russland und Australien sollen erst im kommenden Jahr vereinbart werden. Nach Angaben von Techsnabexport werden die australischen Uran-Lieferungen nach Russland frühestens 2010 aufgenommen.

    Zugleich verweisen Experten auf Schwierigkeiten, die Russland auf diesem Gebiet mit seinen Nachbarn im GUS-Raum zu überwinden hat. Verhandlungen darüber sind schon seit geraumer Zeit mit der Ukraine und Usbekistan im Gange, zur Gründung von Joint Ventures ist es aber noch nicht gekommen. In Kasachstan wurden zwar mehrere Gemeinschaftsunternehmen für die Uranförderung mit einer potentiellen Gesamtleistung bis zu 6 000 Tonnen im Jahr gegründet, vorerst hat aber nur ein Joint Venture für Uran-Lieferungen an Russland aufgenommen, die 1 000 Tonnen betragen sollen.

    Russlands Gesamtbedarf wird indes auf 18 000 Tonnen Uran im Jahr geschätzt, während in Russland selbst lediglich rund 3 000 Tonnen gefördert werden. Zugleich kündigte Kasachstan an, es werde seine Uran-Lieferungen 2014 einstellen. Zugleich verhandelt Kasachstan mit dem amerikanischen Unternehmen Westinghouse, das ein Konkurrent von Rosatom ist.

    Auch die Ukraine bemüht sich um Uran-Lieferungen an Westinghouse und führt Verhandlungen über den Bau kanadischer CANDU-Reaktoren bei sich, was zu einer Verringerung des Uran-Exports nach Russland führen würde.

    „Kommersant“: Preise für Satellitenstarts nach Raketen-Panne auf Baikonur im Sinkflug

    Nach dem am Donnerstag auf dem Weltraumbahnhof Baikonur gescheiterten Start der Trägerrakete Proton-M mit dem japanischen Telekommunikationssatelliten JCSat 11 sollen die Preise für die kommerziellen Starts mit den Proton-Raketen vorübergehend um zehn bis 15 Prozent sinken.

    Die Versicherungstarife für die entsprechenden Verträge werden zugleich um drei bis vier Prozent teurer. Dennoch werden die Starts, die bereits im Wert von 1,7 Milliarden Dollar im Voraus bestellt sind, fortgesetzt, weil das weltweite Angebot dieser Dienstleistungen zu mager ist, schreibt die Tageszeitung „Kommersant“ am Freitag.

    Der jüngste Start der Proton-Rakete war in der Gesellschaft Russki strachowoi zentr (RSZ) für 300 Millionen Dollar versichert worden.

    „Der Versicherungsmarkt für die Weltraumstarts ist recht stabil und groß“, stellt Alexander Chomjakow, Direktor der Abteilung für Versicherungen in der Luft- und Raumfahrt der Gesellschaft AVICOS, fest. „Deshalb ist ein Anstieg der Versicherungstarife nach der Panne nur um drei bis vier Prozent möglich. Wenn also ein Weltraumstart 70 Millionen Dollar kostet, werden die Versicherungssummen von elf auf 14 Millionen Dollar steigen.“

    Maxim Pjaduschkin, Redakteur der Zeitschrift „Russia/CIS Observer“, sagt einen Rückgang der Start-Tarife um zehn bis 15 Prozent voraus. Zugleich verweist er darauf, dass der Preis für einen Proton-M-Start im vergangenen Jahr von 50 auf 70 Millionen Dollar angehoben wurde.

    Wie Igor Lissow, Kommentator der Zeitschrift „Nowosti Kosmonawtiki“ (Nachrichten über die Weltraumfahrt), feststellt, werden derzeit neben den Starts mit der russischen Proton-M-Rakete Varianten mit der ukrainisch-russischen Zenit-3SL- und der europäischen Ariane-Rakete angeboten. Nach seiner Ansicht würden aber nur wenige ihre Verträge über die Starts mit der Proton-M-Rakete auflösen.

    Die Starts mit der Proton-M-Rakete werden vom Joint Venture International Launch Services Inc. (ILS) angeboten, das vom US-Unternehmen Space Transport Inc. sowie den russischen Unternehmen „Chrunitschew“ und „Energija“ gegründet wurde.

    „Wedomosti“: Umfrage: Russen für Isolationismus, aber auch für Demokratisierung

    Russlands Bürger setzen sich für eine Fortsetzung der Isolationismus-Politik und eine weitere Rückverstaatlichung der Wirtschaft ein, zugleich äußern sie sich gegen die Festigung der Machtvertikale und wünschen sich eine Demokratisierung.

    Dies ergab eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts WZIOM, auf die sich die Tageszeitung „Wedomosti“ am Freitag beruft.

    Danach gefragt, welche Korrekturen des jetzigen Kurses von Präsident Wladimir Putin erwünscht wären, äußerten die meisten, sie wünschen eine weitere Verstärkung der unter Putin eingeleiteten Trends in der Innen- und der Außenpolitik. 51 Prozent sind der Auffassung, dass Russland seine Eigenständigkeit weiter festigen soll. 56 Prozent plädieren für eine Verstärkung der Rolle des Staates in der Wirtschaft. 49 Prozent wollen einen Schutz vor der Einwanderungswelle.

    Für die Festigung der Machtvertikale sprachen sich 26 Prozent aus, während 30 Prozent Demokratisierung, freie Wahlen und unabhängige Medien unterstützten. Weitere 27 Prozent schlugen vor, nichts zu ändern, während 18 Prozent keine Antwort darauf geben konnten.

    Wie WZIOM-Generaldirektor Valeri Fjodorow feststellte, vertraut das Volk dem Präsidenten dermaßen stark, dass sein größter Wunsch in Bezug auf den Kurs ist, diesen zu vertiefen und zu erweitern. Die widersprüchlichen Aussagen hinsichtlich der Machtvertikale erklärte er dadurch, dass die meisten kein Interesse an diesem Problem haben.

    Eine andere Erklärung bestehe in einem gewissen Durcheinander, das in Bezug auf den Begriff Demokratisierung herrscht, betonte Fjodorow. Für die meisten russischen Bürger ist nämlich die jetzige Macht demokratischer als während der Präsidentschaft Boris Jelzins.

    Alexej Graschdankin, Experte des Lewada-Zentrums, registrierte ebenfalls kontroverse Meinungen über die Machtvertikale. Nach seiner Ansicht wurde die Machtvertikale von der Gesellschaft niemals positiv bewertet. Auch der Austausch der unabhängigen Institute durch die Institute der souveränen Demokratie löste keinen Enthusiasmus aus.

    Der Politologe Dmitri Oreschkin stellt fest, dass die 30 Prozent der Unzufriedenen in zwei bis drei Jahren auf 50 Prozent wachsen könnten. Die Menschen sehen, dass die Machtvertikale nicht gerade effektiv sei, meint er. Zunächst haben besser gebildete und urbane Menschen, die die Vorteile von Konkurrenz und Pluralismus sehen, das Problem der Machtvertikale erkannt. Diese Tendenz wird nach seiner Ansicht zu einer Umgestaltung des politischen Systems Russlands führen.

    „Kommersant“: Serbien droht mit Krieg um das Kosovo

    Der Staatssekretär des serbischen Ministeriums für Kosovo und Metochien, Dusan Prorokovic, hat in einem „New York Times“-Interview gewarnt, dass eine einseitige Anerkennung der Unabhängigkeit des Kosovo durch den Westen Serbien den Anlass geben wird, seine Truppen in diese Region wieder zu schicken.

    Das schreibt die Tageszeitung „Kommersant“ am Freitag.

    Nach seinen Worten wäre eine Truppenentsendung in die Provinz Kosovo nur ein Teil der von Belgrad konzipierten Liste von insgesamt 16 Gegenmaßnahmen. So würde Serbien im Falle einer Ausrufung der Unabhängigkeit „ein Handelsembargo gegen die Provinz Kosovo beschließen und die Grenzen sperren“.

    Die Drohungen, die nun aus Belgrad zu vernehmen sind, werden nicht nur Serbiens Beziehungen mit dem Westen erschweren - sie bringen auch Russland in eine heikle Situation. Wie die Zeitung vom russischen Außenministerium erfuhr, wird Moskau den Serben kaum eine neue Schlacht um das Kosovo erlauben, die zu einer Destabilisierung auf dem Balkan führen würde.

    Andere serbische Offizielle waren bemüht, die Äußerungen von Dusan Prorokovic zu mildern. So betonte Jelica Kurjak, die interimistische Geschäftsträgerin Serbiens in Russland, Belgrad schließe eine Gewaltanwendung im Falle einer Anerkennung des Kosovo durch den Westen aus. „Serbien hat nicht vor, mit irgendjemand einen Krieg zu führen“, sagte sie.

    Diese Widersprüchlichkeit in den Äußerungen ist unter anderem mit den unterschiedlichen Standpunkten von Serbiens Präsident Boris Tadic und Premier Vojislav Kostunica zu erklären. Während beide gegen eine Unabhängigkeit des Kosovo sind, wäre Tadic zu ernsthaften Kompromissen bereit, wobei Premier Kostunica versucht, mit militantem Nationalismus um das Kosovo zu kämpfen. Dusan Prorokovic ist eben aktiver Anhänger des Premiers.

    Davon, welcher Kurs die Oberhand gewinnen wird, wird nicht nur der Charakter der Regelung des Kosovo-Problems abhängen. Dies wird sich auch auf die Zukunft von Serbien selbst auswirken, schreibt die Zeitung.

    „Nesawissimaja Gaseta“: Weißrussland findet in Iran neuen Ölpartner

    Weißrussland hat jetzt einen ersten Schritt zur Ölförderung außerhalb des Landes unternommen. Diese Möglichkeit wurde ihm von Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad angeboten.

    Letzten Mittwoch unterzeichneten Weißrussland und Iran einen Vertrag über den Abbau des iranischen Ölvorkommens Dschofeir, schreibt die „Nesawissimaja Gaseta“ am Freitag.

    Irans Botschafter in Weißrussland, Abdolhamid Fekri, verwies darauf, dass dieses Abkommen innerhalb kürzester Zeit zur Unterzeichnung vorbereitet worden war. Die Projekte für die gemeinsame Ölförderung waren erst beim Minsk-Besuch des iranischen Staatschefs im Mai behandelt worden.

    Damit hat Weißrussland auch einen ersten Schritt zur Energieunabhängigkeit von Russland unternommen. Dieses Problem war für Minsk Ende vergangenen Jahres aktuell geworden, als Russland von der Umstellung auf marktwirtschaftliche Beziehungen mit Weißrussland zu sprechen begann.

    Darüber hinaus wurde mit Aserbaidschan eine Beteiligung an der Erschließung von Ölvorkommen und von Öllieferungen aus dem Kaspi-Raum an weißrussische Ölraffinerien vereinbart. Außerdem wurde im vergangenen Monat ein weißrussisch-venezolanisches Joint Venture gegründet, das sich ebenfalls mit der Ölförderung befassen wird. Erwogen werden auch Öllieferungen aus Libyen.

    Zugleich sprechen Weißrusslands Offizielle ungern über ihre Öl-Pläne. Bei seiner jüngsten Pressekonferenz gab Wladimir Wolkow, Vizechef des Konzerns Belneftechim, zu, dass alternative Öllieferungen nach Weißrussland geprüft werden. „Wir müssen dazu bereit sein“, betonte er. Gleichzeitig stellte er fest, dass die Öllieferungen aus Russland vorerst preiswerter sind.

    RIA Novosti ist für den Inhalt der Artikel aus der russischen Presse nicht verantwortlich.

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