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    Serbien droht mit neuem Krieg

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    MOSKAU, 11. September (Jelena Schesternina, RIA Novosti). Serbien beginnt eine Offensive gegen die Kosovo-Albaner. Von der Diplomatie geht die Regierung in Belgrad zu konkreten Drohungen über.

    Wenn das Kosovo einseitig seine Unabhängigkeit ausrufen würde, werde Serbien die Grenzen sperren, eine Handelsblockade verhängen und Truppen in die südliche Provinz schicken, um die territoriale Integrität wiederherzustellen.

    Diese Erklärung, die einen Skandal zwischen Belgrad und Pristina sowie zwischen Russland und dem Westen provozieren kann, gab der für das Kosovo zuständige serbische Staatssekretär, Dusan Prorokovic, in einem Interview für heimische Medien ab, das später in „The New York Times“ nachgedruckt wurde.

    Belgrad hat Prorokovics Äußerung schnell dementiert. Zuerst stellte die Geschäftsträgerin der serbischen Botschaft in Moskau, Jelica Kurjak, richtig, Serbien beabsichtige keinen Krieg, was sowohl der Präsident als auch der Premier von Serbien mehrmals betont hätten. Danach bestätigte das auch der serbische Außenminister Vuk Jeremic.

    Dass Serbien das Kosovo nicht angreifen wird, ist ohnehin klar: Für die Sicherheit sorgt dort das 16 000-köpfige Friedenskontingent Kfor, an dem 35 Staaten beteiligt sind. Serbiens Drohungen lassen sich leicht erklären. Belgrad hat keine Hebel mehr, um Pristina, das die Frage seiner Unabhängigkeit seit langem als erledigt betrachtet, unter Druck zu setzen. Wenn einer in die Ecke getrieben ist, bleibt ihm nichts übrig, als Drohungen auszustoßen.

    Dennoch hat Prorokovic offenbar den Bogen überspannt. Mit solchen Offenbarungen verdient er kaum Lob von Präsident Boris Tadic, der unter diesen Bedingungen sein Gesicht wahren muss. Das gelingt ihm aber nicht sehr gut. Seine Kompromissvorschläge (weitgehende Autonomierechte für das Kosovo, einschließlich des Rechts auf IWF-Mitgliedschaft und auf Zugang zu Krediten der Weltbank) wurden abgelehnt. Die Albaner, die mehr als 90 Prozent der Kosovo-Bevölkerung bilden, akzeptieren keine Alternativen. Sie wollen Unabhängigkeit und zwar möglichst schnell.

    In diesem Sommer schien es, dass das Kosovo seine Unabhängigkeit von Serbien noch vor den anstehenden Parlamentswahlen im November ausrufen wird: Kosovo-Politiker wollten sich in den Augen ihrer Wähler profilieren, von denen 90 Prozent für die Unabhängigkeit eintreten. Dazu ermuntert sie auch die starke Unterstützung aus dem Ausland: US-Präsident George Bush und seine Außenministerin Condoleezza Rice machten deutlich, dass sie keine Alternative zur Unabhängigkeit des Kosovo sehen.

    Doch die Ausrufung der Unabhängigkeit verschiebt sich. Alle warten nämlich auf den Kosovo-Bericht der zuständigen Kontaktgruppe, der am 10. Dezember dem UN-Generalsekretär vorgelegt werden soll. Bis dahin ist mit keinerlei Durchbruch bei den Verhandlungen zu rechnen. Pristina kündigte bereits an, dass das Kosovo ab 10. Dezember als ein unabhängiger Staat agieren werde. Den neuen Staat würden noch in der ersten Woche nach der Unabhängigkeitserklärung schätzungsweise 60 Staaten anerkennen, sagte ein Mitglied der UN-Mission für das Kosovo. Unter ihnen sind offenbar die USA, Großbritannien, Frankreich, Albanien, die Baltischen Staaten sowie die Schweiz und islamische Staaten. Dagegen sind Griechenland, Zypern, Spanien, Bulgarien, Ungarn und nicht zuletzt Russland.

    Serbien drohte seinerseits, es werde mit allen Staaten, die die Kosovo-Albaner unterstützen, die diplomatischen Beziehungen abbrechen. Dass Serbien seine Drohung wahr macht, ist unwahrscheinlich. Ebenso unwahrscheinlich ist seine angedrohte militärische Invasion in die Region. Ein Bruch mit dem Westen gehört nicht zu den Plänen Belgrads, das in die EU strebt.

    Es ist erstaunlich, aber Belgrads „Peitschenpolitik“ hat mehr Wirkung auf den Westen, als Versöhnungsvorschläge. US-Medien prognostizieren eine Apokalypse im Kosovo, sollte es unabhängig werden. „Der UN-Plan kann zu einem Alptraum führen. Sobald das Kosovo seine Unabhängigkeit von Serbien ausruft, erklären sich die nördlichen, von Serben besiedelten Gebiete vom Kosovo unabhängig. Die dortige serbische Polizei tauscht ihre Kosovo-Uniform gegen die serbische ein. Daraufhin greifen albanische Kämpfer sowohl die nördlichen Gebiete als auch die anderen serbischen Enklaven im Kosovo an. Internationale Sicherheitskräfte werden - wie einst im Jahre 2004 - nicht in der Lage sein, die Gewalt zu stoppen“, warnt „The Wall Street Journal“.

    Bis Mitte Dezember werden aus Belgrad noch viele Drohungen zu hören sein. Die Voraussetzungen dafür sind gegeben.

    Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.

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