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    Vakuumbombe als Zukunftswaffe

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    MOSKAU, 14. September (Andrej Kisljakow, RIA Novosti). Kurz vor dem 6. Jahrestag der Anschläge vom 11. September in den USA hat Russland die stärkste Vakuumbombe der Welt getestet.

    Bei Anton Tschechow hieß es: Wenn an der Wand ein Gewehr hängt, muss es über kurz oder lang auch schießen.

    Im 20. Jahrhundert hat sich weltweit so viel Munition angehäuft, dass sie endlich mal explodieren muss. Auch Menschen nehmen jede Gelegenheit wahr, um Waffen einzusetzen. Allein in den 1990er Jahren gab es 34 kleine und große Kriege, darunter den Golf-Krieg, zwei Tschetschenien-Kriege und den Feldzug gegen Jugoslawien. Nicht zu vergessen sind die Terroristen, gegen die jetzt die ganze Welt geschlossen kämpft.

    Ohne Waffen kann man also nicht auskommen. Groß angelegte Schlachten fallen allmählich der Vergessenheit anheim. Zukünftige Kriege werden lokale Blitzkriege ohne klare Frontlinien sein. Eine große Bedeutung wird dabei der Aufklärung und der Zielzuweisung zukommen. Was die Bewaffnung angeht, so wird man es nicht mehr mit riesigen Panzerkorps und Tausenden Geschützen zu tun haben, sondern mit vereinzelten Feinden und Präzisionswaffen.

    Atomwaffen werden nach wie vor eine Abschreckungsrolle spielen. Strategische Aufgaben werden konventioneller Munition überlassen, die nach ihrer Wirksamkeit jedoch mit Atomladungen vergleichbar sind.

    An der Vervollkommnung der konventionellen Waffen wird sowohl in Amerika als auch in Russland gearbeitet. Vor ein paar Jahren hatten die USA angekündigt, ihre U-Boot-gestützte ballistische Rakete Trident-2 mit einem nicht-nuklearen Sprengkopf auszustatten. Aus politischen Gründen musste das Pentagon jedoch auf diesen Plan verzichten und konzentrierte sich auf den Bau einer Durchschlagsbombe, die befestigte unterirdische Anlagen bekämpfen kann.

    Russland setzt unterdessen auf die Weiterentwicklung der so genannten Vakuummunition, die bereits seit langem bekannt ist.

    Die Amerikaner warfen Vakuumbomben bereits in den 1960er Jahren in Vietnam ab. Die russische Armee beschoss mit Vakuumgeschossen die Stellungen der afghanischen Rebellen in den 1970er und setzte sie gegen tschetschenische Separatisten in den 1990er Jahren ein.

    Bei der Vakuumbombe handelt es sich um eine thermobarische Waffe, bei deren Sprengung ein Vakuum entsteht. Sie besteht aus einem oder mehreren Behältern mit einer explosiven Substanz und explodiert entweder beim Aufprall auf das Ziel oder einige Meter von der Erdoberfläche entfernt. Durch die erste Sprengung kommt der Brennstoff frei und vermischt sich mit dem Luftsauerstoff, wodurch eine rund 20 Meter breite und drei Meter hohe Wolke entsteht, die ca. 100 bis 140 Millisekunden später durch die zweite Sprengung entzündet wird.

    Die dadurch entstehende Druckwelle verbreitet sich mit einer Überschallgeschwindigkeit von drei km/sec und führt zu einem Überdruck von bis zu 30 kg/cm2. Dabei tritt eine Vakuumwirkung ein, ein typischer Wolkenpilz entsteht.

    Als die Amerikaner während ihrer Operation „Wüstensturm“ eine Vakuumbombe über dem Irak abgeworfen hatten, berichteten die Medien zuerst von einer Atomexplosion.

    Die Fähigkeit des Gemisches aus Sprengstoff und Luft, Hartziele zu zerstören, ist relativ schwach. Dafür ist diese Munition gegen Menschen und Weichziele sehr effektiv. Selbst wenn die Sprengstoffwolke wegen Regen oder Sturm nicht explodiert, dringt sie in alle Hohlräume ein und vergiftet alles Lebende. Selbst wenn ein Mensch die Hitzewirkung überlebt, stirbt er durch die Druck- und Vakuumwirkung. Kontusion und Blindheit, Trommelfellrupturen, Brandverletzung der Atemwege und der Lungen, innere Blutungen und Verletzung der Innenorgane sind laut Medizinern typisch für die Menschen, die den Einsatz einer Vakuumbombe überlebt haben.

    Die Vakuumwirkung kann jedoch die Zerstörungskraft von Atomwaffen verstärken. Wenn in der Überdruckzone, die nach der Sprengung des ersten Gefechtskopfes entsteht, ein zweites Geschoss explodiert, ist die dadurch entstehende Druckwelle mehrfach stärker als bei einer traditionellen Anwendung von Atomwaffen mit entsprechender Sprengkraft.

    Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.