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    Wie ernst sind die US-Bombendrohungen gegen Iran gemeint?

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    MOSKAU, 15. September (Pjotr Gontscharow, RIA Novosti). In den zurückliegenden drei Wochen haben die USA bereits zweimal Bombendrohungen gegen Iran geäußert.

    Zunächst hat Präsident George Bush Ende August in seiner Rede vor Mitgliedern der Veteranenorganisation „Amerikanische Legion“ erklärt, dass die Entwicklung von Kernwaffen durch Iran die Gefahr eines „Nuklear-Holocausts“ für die Nahostregion in sich berge. Diese Bedrohung sei kein lokales, sondern ein globales Problem, und die USA würden, soweit es noch nicht zu spät sei, versuchen, diese Gefahr abzuwenden. Die Bereitschaft der USA, eine Militäroperation gegen Iran zu unternehmen, hat der US-Präsident bisher noch nicht in einer derart direkten Form bekundet.

    Danach „verriet“ Alexis Debat, US-Experte für nationale Sicherheit aus dem Richard-Nixon-Center, in der Londoner „Sunday Times“ einen angeblichen Plan des Pentagon, massive Bombenschläge gegen 1200 Ziele in Iran vorzunehmen. Das Ziel des Plans bestehe darin, die iranische Armee innerhalb von drei Tagen völlig handlungsunfähig zu machen.

    Ein solcher Plan dürfte wirklich existieren. Erstens: Weil ein solches Szenario der Militäroperation in militärischer Hinsicht der optimalste von den bisher veröffentlichten ist. Und zweitens: Dies wäre im Stil der USA, über die bevorstehenden Handlungen zunächst ausführlich zu berichten - um den Gegner zu demoralisieren und zugleich die Zivilbevölkerung darauf vorzubereiten, um die Zahl der Opfer nach Möglichkeit zu verringern.

    Was steht hinter diesen sich häufenden Drohungen gegen Iran?

    Die eindeutige Verhärtung der Iran-Politik der jetzigen US-Administration ist wohl kaum ausschließlich auf das iranische Nuklearprogramm zurückzuführen. Natürlich verlangt der Aufbau einer eigenen Nuklearindustrie, die unter Umständen auch Kernwaffen herstellen könnte, in der Kombination mit dem Raketenprogramm, das die Schaffung des stärksten Raketenarsenals der Region zum Ziel hat, eine denkbar ernste Aufmerksamkeit. Es gibt aber auch andere Faktoren.

    Das Weiße Haus ist weiterhin in erster Linie über die Politik Teherans in der Region verärgert. Ein Zeugnis dafür ist der Aufruf des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad an Washington, die US-Truppen aus dem Irak abzuziehen. Iran habe für diesen Fall „genug Kräfte, um das dadurch entstandene Vakuum aufzufüllen“, versicherte Irans Staatschef. In ihrer Stellungnahme zu dieser Äußerung betonte US-Außenamtschefin Condoleezza Rice, dass es heute „gerade um dieses Problem geht“.

    Nicht nur Washington - auch die Außenminister der arabischen Länder haben bei ihrem jüngsten Treffen im Rahmen der Arabischen Liga in Kairo ihre große Besorgnis über diese Äußerung des iranischen Präsidenten zum Ausdruck gebracht. Darin sahen die Vertreter der arabischen Länder eine Einmischung in die inneren Angelegenheiten des Iraks.

    Natürlich hat Ahmadinedschad gewusst, wo der wunde Punkt der jetzigen amerikanischen Nahostpolitik ist. Das Regime in Teheran mit seinen regionalen Ambitionen, die sich auf ein beachtliches Wirtschafts-, Militär- und Rohstoffpotential stützen, ist wirklich ein ernsthaftes Problem für das Weiße Haus. Vorerst kann aber Washington allem Anschein nach keine konkrete Politik in Bezug auf Iran für den Fall eines Truppenabzugs aus dem Irak konzipieren. Dies wäre auch eine Erklärung für die Veröffentlichung der „geheimen“ Pentagon-Pläne, die Drohung mit Bombenschlägen usw.

    Nach Ansicht einiger politischer EU-Emissäre, die als Experten für die amerikanische Nahostpolitik agieren, ist eine Militäroperation der USA gegen Iran durchaus real, sollte Teheran Washington keine andere Wahl lassen. Eine Situation, bei der die USA ihre Nahostverbündeten Iran ausliefern würden, das dazu noch kurz vor der Herstellung einer Atombombe steht, ist kaum vorstellbar.

    In seinem jüngsten „Spiegel“-Interview erklärte Mohammed el-Baradei, Generaldirektor der Internationalen Atomenergiebehörde IAEO, spätestens im Dezember könnte festgestellt werden, ob Iran seine Versprechungen in Bezug auf sein Nuklearprogramm einhält oder nicht. Sollte die Antwort negativ ausfallen, so würde das bedeuten, dass Teheran eine wichtige, vielleicht auch die letzte Chance verpasst habe, sagte der IAEO-Chef.

    Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.

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