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    Wer passt ins Präsidenten-Puzzle?

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    MOSKAU, 01. Dezember (Andrej Wawra, RIA Novosti). Der Föderationsrat (Oberhaus des russischen Parlaments) hat das Datum der anstehenden Präsidentenwahlen festgelegt. Sie finden am 2. März 2008 statt.

    Diese Information wurde am 28. November offiziell veröffentlicht und dieser Tag ist der offizielle Beginn der Präsidenten-Wahlkampagne. Wie der Vorsitzende der Zentralen Wahlkommission von Russland, Wladimir Tschurow, mitteilte, sollen die Kandidaten vom 12. Dezember 2007 bis zum 16. Januar 2008 registriert werden. Und in den Medien wird vom 2. bis zum 29. Februar agitiert.

    Ein guter Anlass für ein neues Ratespiel. Zumal die Machtkonfiguration nach Putin jetzt endgültig bestimmt ist: Der neue Präsident soll das Land im Duo mit dem heutigen regieren.

    Gegenwärtig gibt es im Fall Nachfolger nach wie vor keine Klarheit. Deswegen ist die Zahl der Anwärter eindeutig überhöht. Es sind eigentlich dieselben Figuren, die bereits vor einem Jahr in Betracht gezogen wurden. Dmitri Medwedew, Sergej Iwanow, Sergej Naryschkin, Boris Gryslow, Wladimir Jakunin, Valentina Matwijenko, Sergej Tschemesow und natürlich Ministerpräsident Viktor Subkow.

    Niemand ist ausgeschieden, doch auch keiner ist zum eindeutigen Favoriten geworden. Die politische Konjunktur schiebt von Zeit zu Zeit jemanden nach vorn. Doch niemand kann sich für eine lange Zeit eindeutig vorne halten.

    Wer von ihnen kann die Kursnachfolge am besten sichern? Alle diese Menschen gehören zum Präsidententeam, also schaffen das alle. Damit kommt ein anderer Faktor ins Spiel: Wer von ihnen macht sich neben Putin am besten? Sowohl auf dem Fernsehbildschirm als auch inhaltlich. Die Frage lautet also: Wer passt ins Präsidenten-Puzzle?

    Gewöhnlich gilt es als wichtig für den Kandidaten, welche Kräfte er vertritt und auf wen er sich stützt. Doch in der neuen politischen Konstruktion darf der Präsident nicht zu stark und unabhängig sein. Er ließe sich ja nicht korrigieren oder umlenken. Es ist unklug, eine Grundlage für mögliche Widersprüche und Konflikte zu schaffen. Deswegen ist dieser Faktor in unserem Fall nichts wert, weil als grundlegende Kraft diejenigen reichen, die Putin selbst vertritt und auf die er sich heute selber stützt.

    Subkow hat als Ministerpräsident den bequemsten Startposten inne. Doch der medienwirksame Start seiner Amtszeit bekam keine würdige Fortsetzung. Als er die Regierungssitzungen für die Medienvertreter sperrte, schaltete er damit ein äußerst notwendiges Informations- und Werbemittel für sich aus. Es versteht sich von selbst, dass dies nicht ohne Kenntnis und Billigung des Präsidenten geschah. Dieser will also nicht, dass das Volk den Ministerpräsidenten besser kennen- und lieben lernt.

    Vizepremier Iwanow steht zu sehr mit dem Begriff Nanotechnik in Verbindung. Und obwohl dieser zweifellos die Zukunft gehört, kann Putin einen Mann mit einem so unverständlichen Kompetenzbereich kaum als Nachfolger betrachten.

    Vizepremier Medwedew hat das Schicksal in den Sozialbereich verschlagen: Er ist der Chef für Kommunalwirtschaft, Hypotheken, Landwirtschaft, Migration, Gesundheitswesen und Bildung. Er liefert Traktoren, Computer und Tomographen in die Dörfer und erhöht die Löhne für Ärzte und Lehrer. Das alles ist höchst wichtig für das Land. Aber ist das das richtige Training für den künftigen Präsidenten?

    Vizepremier Naryschkin ist eine von der Öffentlichkeit völlig abgeschottete Figur, die von Null auf "vermarktet" werden müsste.

    Duma-Vorsitzender und Parteichef Gryslow. Zum "Geeinten Russland" hat der Präsident bereits etwas doppeldeutig gesagt, dass Russland ohnehin nichts Besseres zu bieten habe. Logisch, dass die Bewertung der Partei auch auf deren Chef ausgedehnt werden kann.

    Jakunin, Oberhaupt der russischen Eisenbahngesellschaft RZD, redet viel über Eisenbahnen und führt Heiligenreliquien in Russland ein. Unter seiner Herrschaft wären Bemühungen um die moralischen Grundlagen der Gesellschaft und ein Abebben der pragmatischen Grundlagen in Politik und Wirtschaft zu erwarten.

    Tschemesow, Chef der Staatskorporation "Russische Technologien" und bisheriger Rosoboronexport-Leiter, handelt äußerst erfolgreich mit russischen Waffen, existiert aber ebenfalls nicht im öffentlichen Bereich. Er müsste auch von Null auf zum Star aufgebaut werden.

    Matwijenko, Gouverneurin von Sankt Petersburg. Es ist attraktiv, dass Russland noch keine Frau auf dem führenden Posten erlebt hat. Sollte Matwijenko gewählt werden, würde das sehr stark mit der weltweiten Tendenz korrelieren. In Europa, Asien und Südamerika zählen Frauen seit langem zu den gesetzmäßigen Anwärtern für die höchsten Posten. Doch obwohl Matwijenko einen regelmäßigen Umgang mit dem Präsidenten pflegt, sieht sie ihn doch nicht jeden Tag. Sie steht auch nicht ständig im Rampenlicht, was für einen möglichen Nachfolger seltsam ist.

    Das heißt also, dass im Großen und Ganzen keiner in das Bild des möglichen Nachfolgers passt. Alle sind praktisch in der gleichen Lage.

    Und doch haben einige einen bestimmten Vorsprung. Wie Putin gesagt hat, muss sein Nachfolger "modern" sein. Unter anderem heißt das, für die Jugendlichen verständlich sein, die gleiche Sprache wie sie sprechen können.

    Auch bei der Duma-Wahlkampagne wurde der Akzent auf die Jugend gesetzt. Sie wird als wichtige politische Kraft betrachtet, die die Verbindung mit der Zukunft schafft und für die Vorwärtsbewegung sorgt. Doch Naryschkin, Jakunin und Tschemesow sehen in diesem Kontext unnatürlich aus, ebenso Subkow. Iwanow und Medwedew, die in diesem Sommer das Lager der Jugendbewegung Naschi ("Die Unsrigen") am Seliger See besucht haben, machen sich mit der Jugend hingegen nicht schlecht.

    In einer völlig unbestimmten Lage können einem nur Bauernregeln weiterhelfen. In der russischen Geschichte nach der Oktoberrevolution gibt es nämlich eine Regelmäßigkeit: Die politischen Führer wechseln sich streng nach dem Anzeichen ab, ob sie Haare auf dem Kopf haben oder nicht. So sieht es dann aus: Lenin (Glatze) - Stalin (Haare) - Chruschtschow (Glatze) - Breschnew (Haare) - Andropow (Glatze) - Tschernenko (Haare) - Gorbatschow (Glatze) - Jelzin (Haare) - Putin (Glatze) - ? (Haare?)

    Nach diesem Kriterium ist es klar, wer die besten Chancen hat. Genauer, wer eher mit einem Erfolg rechnen kann.

    Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.

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