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    Lukoil-Mitarbeiter in Libyen droht langer Gefängnisaufenthalt * Jungpolitiker in Postsowjet-Staaten westlich orientiert * Russen lehnen Führerstatus für Putin ab * Moskau und Kiew finden Kompromiss bei Gaspreis * Abramowitschs Comeback in Russland

    MOSKAU, 05. Dezember (RIA Novosti)

    "Nowyje Iswestija": Lukoil-Mitarbeiter in Libyen droht langer Gefängnisaufenthalt

    Am gestrigen Dienstag wurde die Festnahme eines verantwortlichen Mitarbeiters von Lukoil Overseas bekannt.

    Alexander Zygankow, der das Lukoil-Büro in Libyen leitet, figuriert vorläufig als Zeuge in einem Wirtschaftsspionagefall. Laut Experten kann der Prozess in Libyen jahrelang dauern, falls die russischen Behörden keine entschlossenen Maßnahmen treffen, schreibt die „Nowyje Iswestija" am Mittwoch.

    Nach einigen Angaben hängen die Durchsuchungen im libyschen Büro der Lukoil Overseas (Tochter des russischen Erdölgiganten) und die Festnahme seines Leiters damit zusammen, dass für den 9. Dezember eine Ausschreibung über zwölf Gasvorkommen in Libyen angesetzt ist. Zusammen mit Lukoil beteiligen sich an der Ausschreibung auch Gasprom und weitere 33 internationale Gesellschaften.

    Als Folge des Strebens von Europa, seine Abhängigkeit von den Lieferungen aus Russland zu reduzieren, ist die Nachfrage nach libyschem Naturgas zur Zeit recht hoch.

    Libysche Beamte haben den Verdacht, dass die Mitarbeiter der Ölfirma durch Bestechung von den Inhalten der Angebote der Konkurrenten erfahren haben.

    In Libyen ist das nicht die erste Ausschreibung um die Erschließung von Naturressourcen durch Großunternehmen. "An solchen Ausschreibungen beteiligen sich stets viele Gesellschaften", sagt Professor Anatoli Jegorow vom Moskauer Institut für Orientalistik. "Möglicherweise war das ein Versuch der libyschen Beamten, auf diese Weise Lukoil aus dem Kampf auszuschalten."

    Experten sagen voraus, dass Zygankow im libyschen Gefängnis für lange Zeit sitzen bleiben könnte. "Ihren Gesetzen zufolge können selbst Zeugen lange festgehalten werden. Aus einem Zeugen kann er leicht in einen Verdächtigen oder gar Angeklagten umgewandelt werden", sagt Professor Jegorow. "So schnell wird er wohl kaum entlassen werden. Die einzige Chance ist: Unsere Vertreter hauen mit der Faust auf den Tisch, dann könnte etwas daraus werden. Die Gesetze sind in Libyen streng, wegen Spionage kann der Tod drohen. Alle Gefängnisse Libyens sind unterirdisch, und die Bedingungen sind nicht gerade die besten. In der Praxis liefern die Libyer ausländische Häftlinge gewöhnlich nicht aus - sie ziehen es vor, die Prozesse selbst zu führen. Denn die Beziehungen zwischen unserem Land und Libyen sind recht kühl. Auch werden dort Ausländer für Feinde gehalten."

    Die russischen Behörden zeigten sich im Ausland wohl nur einmal aktiv, als 2004 zwei Aufklärungsoffiziere aus einem Gefängnis in Katar geholt werden mussten. Sie waren wegen des Mordes an Selimchan Jandarbijew, Anführer der tschetschenischen Separatisten, zum Tode verurteilt worden. Zu jener Zeit flog Igor Iwanow, damals Sekretär des Sicherheitsrates, mehrmals nach Doha, um Katar umzustimmen.

    "Kommersant": Jungpolitiker in Postsowjet-Staaten westlich orientiert

    Zum Vorsitzenden des ukrainischen Parlaments ist der 33-jährige Arseni Jazenjuk gewählt worden: ein weiteres Zeichen des Elitenwechsels im postsowjetischen Raum.

    Das schreibt Alexej Makarkin, Vizegeneraldirektor des Zentrums für Politische Technologien in der Zeitung „Kommersant“ am Mittwoch.

    Übrigens war Jazenjuk auch schon Wirtschafts- und Außenminister. Die alte sowjetische Bürokratie räumt ihre Positionen und macht jungen Politikern Platz.

    Das Durchschnittsalter der ersten fünf bedeutenden Figuren im präsidententreuen Block "Unsere Ukraine - Selbstverteidigung des Volkes" beträgt 40 Jahre. Noch höher ist der Anteil der jungen Generation in der georgischen Regierung. Viele junge Politiker gehören den regierenden Eliten auch in den baltischen Staaten an. Die Einwohner der moldawischen Hauptstadt haben in diesem Jahr einen 29-jährigen Bürgermeister gewählt.

    In ihrer absoluten Mehrheit zeichnen sich die jungen postsowjetischen Politiker dadurch aus, dass sie sich am Westen orientieren. Die einen erhielten dort eine Hochschulbildung, andere absolvierten dort ihr Praktikum, wieder andere stehen in einem ständigen Dialog mit ihren westlichen Kollegen durch Teilnahme an verschiedenen internationalen Veranstaltungen - von bescheidenen "Rund-Tisch-Gesprächen" bis zu großen Konferenzen. Die meisten von ihnen sprechen fließend Englisch und bekennen sich zu den westlichen politischen und kulturellen Standards.

    Der Elitenwechsel im postsowjetischen Raum ist für die heutige russische Regierung kein Vorteil, weil die neuen Protagonisten keine Nostalgiegefühle nach der UdSSR empfinden und mit dem heutigen Russland wenig Gemeinsamkeiten haben. Die Erdölmacht, die an ihrer Staatsgrenze liegt, ist für sie eine nun einmal nicht wegzudenkende Gegebenheit.

    Zugleich hat Russland jetzt keine Möglichkeiten, zu dieser Politikergeneration eine ernsthafte Alternative zu formen. Das liegt bei weitem nicht nur daran, dass der Westen viel früher mit den kommenden Politikern in den GUS- und den baltischen Ländern zu arbeiten begann. Nicht minder wichtig ist auch die nicht sehr hohe Attraktivität des heutigen Russland mit seinen voraussagbaren Wahlergebnissen, seiner antiwestlichen Rhetorik und dem Einfluss des Staates auf die Medien, die der politischen Jugend der postsowjetischen Staaten zu groß ist.

    „Wedomosti“: Russen lehnen Führerstatus für Putin ab

    Trotz des traumhaften Ratings für Präsident Wladimir Putin sind bei weitem nicht alle Bürger bereit, ihn als nationalen Führer zu betrachten, schreibt Moskauer Zeitung "Wedomosti" in ihrer Mittwochausgabe.

    Die einen verstehen den Begriff nicht ganz, andere befürchten einen Personenkult. Nach Angaben des "Lewada-Zentrums" billigen nur 17 Prozent der Russen die Idee, Putin zum nationalen Führer auszurufen, 30 Prozent sind dagegen, weil sie meinen, dass das zu sehr an einen Personenkult erinnere. 27 Prozent sind bereit, in Putin den nationalen Führer zu sehen, aber nur wenn dieser Status durch das ganze Volk gebilligt oder in der Verfassung mit exakten Vollmachten festgeschrieben wird. Allerdings hörten nur 39 Prozent der Befragten von den Plänen, Putin zum nationalen Führer auszurufen, während 60 Prozent nichts davon wissen.

    Die Befragung wurde am 23.-26. November in 46 Regionen des Landes durchgeführt. Befragt wurden 1600 Personen. Dabei billigten 84 Prozent der Respondenten Befragten die Tätigkeit von Präsident Putin.

    52 Prozent der durch das Meinungsforschungszentrum WZIOM befragten Russen konnten nicht formulieren, was der Begriff "nationaler Führer" konkret bedeutet.

    Die Idee, Putin den Status des nationalen Führers zuzuerkennen, hat in den letzten Monaten weite Verbreitung gefunden. Die Initiative hatten Anhänger des Präsidenten gestartet, die sich in der Bewegung "Für Putin" und der Partei "Geeintes Russland" vereinigt haben.

    Der WZIOM-Generaldirektor Valeri Fjodorow stellt fest, dass der Begriff "nationaler Führer" sehr jung sei und überwiegend im Kreise der Eliten erörtert werde, zudem gebe es zu einem solchen Status keine historischen Analogien. Deshalb hätten es die Befragten schwer, die Idee einzuschätzen. Die misstrauische Einstellung dazu verbindet Fjodorow auch mit den Stimmungen der Intelligenz, welche die Macht a priori negativ aufnehme.

    Alexej Graschdankin, stellvertretender Direktor des "Lewada-Zentrums", sieht in der Ablehnung, den neuen Status von Putin zu legitimieren, eine Entstehung der demokratischen Kultur der Russen. Anzeichen einer Restauration der sowjetischen Traditionen lösen Gereiztheit aus, sagt der Soziologe.

    Russlands Presse: Moskau und Kiew finden Kompromiss bei Gaspreis

    Wider Erwarten haben sich Russland und die Ukraine recht schnell über einen Gaspreis geeinigt, schreibt die russische Presse am Mittwoch.

    Es sieht stark danach aus, dass die Eile bei den Verhandlungen über die mittelfristigen Preise (worauf Gasprom bestand) mit den politischen Ereignissen in Kiew zusammenhängt, wo die "orange Koalition" dabei ist, eine neue Regierung zu bilden. Die unterzeichneten Verträge für 2008 können eine gute Basis für die Gestaltung der Beziehungen zwischen Russland und der neuen Regierung bilden.

    Im kommenden Jahr wird Gas ab der Grenze 179,5 Dollar je 1000 Kubikmeter für die Ukraine kosten. Zugleich stimmte Gasprom in den höheren Transitpreis für sein Gas durch die Ukraine um zehn Prozent auf 1,7 Dollar pro 1000 Kubikmeter je 100 Kilometer zu. Freilich wird gleichzeitig der Transporttarif für die Gasprom-Pipelines angehoben, durch die Gas aus Zentralasien für den Ukraine gepumpt wird (ebenfalls auf 1,7 Dollar). Laut Quellen sollten die entsprechenden Zusätze zu den laufenden Verträgen am heutigen Mittwoch unterzeichnet werden.

    Alexander Turtschinow, stellvertretender Vorsitzender des Blocks von Julia Timoschenko, hatte bereits gestern die Vereinbarungen mit Russland über den Gaspreis einen "nationalen Verrat" an der Ukraine genannt. Er erinnerte daran, dass sowohl Ministerpräsident Viktor Janukowitsch als auch Energieminister Juri Boiko versprachen, den Gaspreis nicht über 160 Dollar kommen zu lassen.

    "Selbst bei einem Preis von 179,5 Dollar verliert Gasprom nichts", sagt Alexander Rasuwajew, Chef-Marktanalyst der Sobinbank. "Denn Russland wird Gas bei Turkmenien zu 130 Dollar kaufen und beinahe um 40 Dollar teurer verkaufen."

    Allerdings erhebt sich erneut die Frage nach den Anteilen von russischem und turkmenischem Gas in der Mischung, die an die Ukraine geliefert wird. Der turkmenische Preis ist um 30 Prozent, der russische viel weniger gestiegen. Deshalb ist es nicht ausgeschlossen, dass Gasprom jetzt den Anteil von seinem eigenen Gas senken wird, um nicht beim Verkauf der Mischgases an Gewinn zu verlieren, und faktisch als Zwischenhändler agiert, der an die Ukraine nur Gas aus Turkmenien liefert, während russisches Gas direkt nach Europa gehen soll.

    Quellen: Internet-Zeitung "Gazeta.Ru" vom 4. Dezember und "Wremja Nowostej" vom 5. Dezember.

    "Iswestija": Abramowitschs Comeback in Russland

    Die Investitionsgesellschaft Millhouse will für 400 Millionen Dollar zwei zusätzliche Aktienemissionen des britisch-kanadischen Goldförderers Highland Gold Mining kaufen.

    Das berichtet die Moskauer Tageszeitung „Iswestija" vom Mittwoch.

    Auf diese Weise bekommt das Unternehmen, das die Aktiva des Gouverneurs des Autonomen Bezirks der Tschuktschen, Roman Abramowitsch, verwaltet, 40 Prozent der Aktien des viertgrößten Goldgewinners in Russland.

    Abramowitsch sammelt erneut Aktiva. Dabei verkaufte er erst vor zwei Jahren endgültig alles, darunter auch die Goldminen, die jetzt im Besitz von Highland sind.

    Alles begann 2001 mit dem Verkauf der Aktien des russischen TV-Senders "Erster Kanal" (damals ORT). 2002 wurden der Goldförderer "Mnogowerschinnoje" und die Vorkommen "Darassun" und "Nowoschirokoje" verkauft, und zwar an Highland Mining, deren Mitinhaber Abramowitsch nun werden will. 2003 wurden die Aktienpakete von Sibneft und Aeroflot verkauft. In der Zeit kaufte Oleg Deripaska Abramowitschs Anteile an Rusal und an mehreren Energieunternehmen. Gekrönt wurde die Aktion 2005 durch den endgültigen Verkauf von Sibneft an Gasprom für 13 Milliarden Dollar.

    Geschäfte in Russland schienen Abramowitsch nicht mehr zu interessieren. Das einzige, was ihn noch mit der Heimat verband, war das Gouverneursamt und der Sponsorenvertrag mit dem Fußballclub ZSKA Moskau. Abramowitsch versuchte, diese beiden Verpflichtungen loszuwerden, doch ohne Erfolg. Nun hat sich alles binnen zwei Jahren verändert. Abramowitsch ist wieder auf die russischen Märkte zurückgekehrt. Anfangs interessierte er sich für die Hüttenindustrie. Jetzt gilt seine Aufmerksamkeit auch den Goldförderern.

    Highland rechnet ihrerseits damit, an der Ausschreibung um das größte Goldvorkommen in Russland, Suchoi Log, teilzunehmen. Doch nach den neuen russischen Gesetzen ist der Zugang ausländischer Investoren zu den strategischen Branchen streng begrenzt. Deshalb braucht die Gesellschaft einen Großpartner mit russischen Wurzeln.

    RIA Novosti ist für den Inhalt der Artikel aus der russischen Presse nicht verantwortlich.

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