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    Umrüstung in Exportausführung

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    MOSKAU, 05. Dezember (Andrej Kisljakow, RIA Novosti). Russland ohne speziell zum Neujahr vorbereitete Rechenschaftsberichte über weitere Siege ist einfach nicht Russland.

    Alles ist genau durchgerechnet: was alles gebaut, geerntet, erhandelt, wie viele Male etwas abgeschossen wurde. Verbindet man aber den Handel mit dem Schießen, so zeichnet sich ein weiterer Rekord ab. Wie ist es, stehen die Milliarden aus dem Export von Panzern, Schiffen und Flugzeugen im Verhältnis zum realen Programm der Neuausrüstung der einheimischen Streitkräfte mit solchen Panzern, Schiffen und Flugzeugen? Selbstverständlich. Allerdings im umgekehrten Verhältnis.

    Umfangmäßig nimmt der Export von Technik und Waffen von Jahr zu Jahr zu. "Im vorigen Jahr wurde die Rekordhöhe von 5,3 Milliarden US-Dollar erreicht. In diesem Jahr planen wir, diesen Rekord zu schlagen und den Lieferumfang auf 5,5 Milliarden Dollar zu bringen. Ich bin überzeugt: Wir werden den Plan erfüllen, am ehesten sogar übererfüllen", teilte in den letzten Novembertagen Sergej Tschemesow, Generaldirektor des Föderalen staatlichen Unternehmens "Rosoboronexport", mit. Kraft eines sonderbaren Zusammentreffens von Umständen wurde er noch am selben Tag gemäß einem Präsidentenerlass von seinem Stellvertreter und KGB-FSB-Veteranen Anatoli Issaikin abgelöst.

    Doch kam Sergej Tschemesow wohl kaum wegen der Unzufriedenheit des Präsidenten mit der Exporttätigkeit des Unternehmens um seinen Posten. Glaubt man den Worten des jetzt ehemaligen Generaldirektors, so teilt Russland heute im Export von Waffen und Kampftechnik faktisch den ersten Platz mit den Amerikanern. "Nach den jüngsten Schätzungen der internationalen unabhängigen Expertenorganisation SIPRI sind wir ihnen sogar etwas voraus: Der Anteil Russlands auf dem Weltmarkt des Waffenexports macht 31 Prozent, jener der USA 30 Prozent aus", sagte Tschemesow.

    Anders ausgedrückt haben wir die Amerikaner nun doch überholt, und das in dem Allerheiligsten: den Vernichtungsmitteln. Ist das denn nicht das Hauptkriterium des heutigen Wohlergehens des Staates? Schon möglich. Doch in diesem Fall werden die Stärke und insbesondere die Waffenstärke nicht dadurch bestimmt, wieviel und wem du von dieser Ware verkauft hast, sondern dadurch, über welche modernen Arten von Waffen und Kampftechnik du selbst verfügst.

    Man vergisst die Siegesberichte sofort, wenn man das Ausstattungsniveau unserer Armee mit modernen Waffen betrachtet. Hier seien nur zwei Beispiele genannt.

    Vorläufig basiert die Stoßkraft der Landstreitkräfte noch auf der Panzertechnik. Selbst nach den optimistischsten Schätzungen verfügt das russische Heer über höchstens 200 moderne Panzer T-90, deren Produktion, 1992 angebahnt, vier Jahre später aus wirtschaftlichen Gründen gestoppt und erst 2004 wieder aufgenommen wurde. Bemerkenswert: Laut zahlreichen Mitteilungen ist mit wirklich modernen Panzern, das heißt solchen mit Infrarotsensoren der zweiten Generation als Nachtzielgerät, einem verbesserten dynamischen Schutz und einem mächtigen Diesel (zumindest 1000 PS), nur ein Bataillon (31 Panzer) ausgerüstet, und auch das gehört zur Tamaner motorisierten Schützendivision (so genannte "Parkett"-Division).

    Laut Angaben von 2002 gehörten zur Bewaffnung unserer ewigen Konkurrenten 7644 Hauptkampfpanzer M-1 "Abrams" aller Modifikationen. Es sei darauf hingewiesen, dass alle M-1-Panzer nicht nur mit Infrarotgeräten, sondern auch mit dem digitalen automatischen Feuerleitsystem ausgestattet sind. Außerdem schließt der Kraftblock des "Amerikaners" eine uns bisher nicht verfügbare automatische Transmission und einen Diesel von 1500 PS ein.

    Die unparteiischen Statistiken besagen, dass die Streitkräfte Indiens heute über 300 T-90 Panzer in der Bewaffnung haben. Davon sind 186 aus Russland geliefert und 140 in Indien in Lizenz montiert worden. Außerdem wird Indien laut einem 2001 geschlossenen Vertrag weitere 1000 Panzer dieses Typs herstellen.

    Im März 2006 berichteten viele Massenmedien über den Verkauf von 180 T-90SA-Panzern an Algerien. Im selben Jahr wurden Verträge mit Libyen (Umfang der Käufe unbekannt) und Marokko geschlossen, außerdem ging ein zusätzlicher Auftrag aus Indien über 330 Panzer ein. Es erscheinen Mitteilungen über die Unterzeichnung von Verträgen mit Iran und Syrien.

    So sieht diese Arithmetik aus. Ungefähr ebenso steht es um den operativ-taktischen Präzisionsraketen-Komplex der Landstreitkräfte "Iskander", der mit einem System zur Verringerung des "Stealth"-Effekts und mit modernen Mitteln zur Überwindung der Luft- und der Raketenabwehrsysteme ausgerüstet ist.

    Heute zählen unsere Truppen nur eine Abteilung (12 Startrampen) dieser Raketen in Nordkaukasien. Aber ihre Serienproduktion stößt vorläufig auf Schwierigkeiten, und die Termine der Neuausrüstung wurden bereits mehrmals aufgeschoben.

    Es kann ja auch nicht anders sein. Wie Juri Koptew, Leiter des Departements Verteidigungsindustriekomplex im Industrie- und Energieministerium, im Januar vorigen Jahres berichtete, sind über 80 Prozent der Grundfonds der russischen Verteidigungsbetriebe völlig amortisiert, das heißt verschlissen. Es käme zur rechten Zeit, wenn zum Beispiel Hugo Chavez diese Fonds als Gegenleistung für unsere Kalaschnikows ein wenig speisen helfen würde. Doch allem Anschein nach fließt das Exportgeld, falls es überhaupt gezahlt wird, in eine andere Tasche und umgeht die bescheidene Sparbüchse der Verteidigungsindustrie.

    Übrigens steht den "Iskander"-Raketen überhaupt ein einzigartiges Schicksal bevor. Die einheimischen Soldaten und Offiziere brauchen sich nicht damit abzugeben. Geplant ist, diese Komplexe von einem Orientierungswert von je 25 Millionen Dollar eventuell nach Weißrussland zu exportieren - als Antwort auf die amerikanischen Pläne, einen ABM-Raum in Europa zu schaffen. Die Idee ist in jeder Hinsicht gut. Aber in welcher Beziehung das zum Programm der Neuausrüstung der russischen Streitkräfte steht, weiß wahrscheinlich Weißrusslands Präsident Lukaschenko.

    Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.

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