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    Russlands Zukunft nach Medwedews Nominierung weiter unklar * Unternehmer hoffen nach Medwedews Amtsantritt auf Kontinuität * Russland und Westen über Kosovo-Status uneins * Algerien verzichtet auf Zusammenarbeit mit Gasprom * Russen stürmen auf Großbritanniens Immobilienmarkt

    MOSKAU, 11. Dezember (RIA Novosti)

    "Gazeta.Ru": Russlands Zukunft nach Medwedews Nominierung weiter unklar

    Putins Personalpolitik berechtigt nicht dazu, die Nachfolgerfrage als endgültig gelöst zu betrachten, schreibt die Internet-Zeitung "Gazeta.Ru" am gestrigen Montag.

    Der Präsident fasste jede wichtige Entscheidung über sein Team mit einem Ablenkungsmanöver. Außerdem gab es auch noch vor Putin, in der "Nachfolger"-Operation von Boris Jelzin, etliche gleichermaßen endgültige Kandidaten. Auf jeden Fall wäre die Behauptung verfrüht, das künftige Machtsystem sei festgelegt worden.

    Vorläufig hat es überhaupt keinen Sinn, zu erwägen, ob Medwedew der wirkliche Präsidentennachfolger (wie Putin nach Jelzin, der ihm seinen Kreml-Posten übergeben hatte) oder nur ein "Sitzpräsident" bei Premier Putin sein wird, der sich auf eine Parlamentsmehrheit stützt und nach wie vor die Beziehungen zwischen verschiedenen Gruppierungen regelt.

    Für Vermutungen gibt es zu wenig Eingangsdaten. Unklar ist noch immer das Wichtigste: warum Putins Wahl ausgerechnet auf Medwedew gefallen ist. Hierzu lassen sich lediglich Hypothesen aufstellen. Möglicherweise sind Putin, der die eigene Zukunft zu lange verzögert und sich in seinen Personalzusammensetzungen verstrickt hat, einfach keine positiven Varianten übrig geblieben. Einerseits nimmt der Druck der "Silowiki" (Hardliner aus dem Militär und Geheimdienst) eindeutig zu, andererseits wird der Druck des Westens immer beharrlicher.

    Es mag einem statistischen Durchschnittsverehrer Putins peinlich sein, zu denken, dass Medwedews Nominierung nicht von der Stärke, sondern von der Flexibilität des Präsidenten zeugt, was wohl am ehesten der Fall ist.

    Mit 55 Jahren beginnt das Leben erst. Ein Mensch, der acht stürmische Jahre hinter sich hat, will Garantien haben, dass es lange, glücklich und sorglos sein wird. Als "Garantieschein" eignet sich der farblose Medwedew besser als alle übrigen Kandidaten, angefangen mit dem urwüchsigen Subkow bis zu dem beeindruckend kampflustigen Iwanow (der obendrein ein gespanntes Verhältnis mit den "Silowiki" im Kreml hat).

    Ein ungeformter Nachfolger gibt Putin mehr Möglichkeiten. Er vermacht Medwedew gleichsam den Kreml und erhält dadurch noch etwas Zeit für seine endgültige Entscheidung: Er kann in Stille gehen und triumphierend bleiben. Oder auch zurückkehren. Medwedew befreit Putin von einer schweren Last: von der endgültigen Entscheidung. Das heißt, er rettet den Präsidenten davor, was dieser am meisten fürchtet, worauf er sich nicht versteht und was er nicht mag.

    "Wedomosti": Unternehmer hoffen nach Medwedews Amtsantritt auf Kontinuität

    Der Hauptvorzug Dmitri Medwedews als Putins möglicher Nachfolger besteht für die Unternehmer darin, dass sich nach seinem Antritt alles beim Alten bleiben, schreibt die Moskauer Tageszeitung "Wedomosti" am Dienstag.

    "Wir erwarten die Fortsetzung des Putin-Kurses", sagt der Hauptinhaber der Finanzgesellschaft "Sistema", Wladimir Jewtuschenkow. Alexander Ponomarenko, Vorsitzender des Aufsichtsrates und Mitinhaber von NMTP (Schwarzmeer-Handelshafen Noworossisk), fügt hinzu: "Medwedew wird Putins Initiativen weiterführen: Das wird ökonomische und politische Stabilität sein, und das ist günstig für die Geschäfte."

    Er sei kein Tschekist, was in jedem Fall gut sei, drückte ein großer russischer Investmentbanker seine Freude über die Nominierung aus. Am wichtigsten sei, fährt er fort, in die Lösung von Unternehmensfragen nicht die Sicherheitsbehörden einzubeziehen. Davon spricht auch eine Quelle in der Leitung eines staatlichen Monopolisten: Medwedews Wahl sei für das Geschäft gut, es werde keine Verfolgungen geben. Ende 2003 bezweifelte Medwedew die "juristische Effizienz" der Beschlagnahme der Yukos-Aktien und forderte die Rechtsschutzorgane zur Vorsicht auf: "Die Folgen von Handlungen, die nicht bis zu Ende durchdacht sind, werden sich auf die Wirtschaft auswirken", sagte er damals warnend. Die Nominierung Medwedews wird dem Gerede von einer "samtenen Reprivatisierung" ein Ende setzen, sagt Alexander Schochin, Vorsitzender des Russischen Unternehmer- und Industriellenverbandes.

    Für "Surgutneftegas" werde sich kaum etwas verändern, falls Medwedew Präsident werde, sagt Nikolai Sachartschenko, Vorsitzender des Aufsichtsrats der Ölgesellschaft. Sachartschenko ist der Ansicht, dass unmittelbar vor der Wahl ein ganz anderer Nachfolgeranwärter auftauchen werde.

    Mit Medwedews Amtsantritt werde die Marktkapitalisierung jener Branchen wachsen, die von Reformen und Liberalisierung abhängen: die Stromindustrie, die Gasindustrie, der Bankensektor und die Telekommunikationsbranche, so der Chef der Investitionsgesellschaft "Aton", Steven Dashevsky. Medwedew, der seit fünf Jahren Aufsichtsratsvorsitzender von Gasprom ist, habe sich lange Zeit vom Business distanziert und nichts außer Gasprom lobbyiert, setzt der Dashevsky fort. Er habe, sagt eine dem Kreml nahe stehende Quelle, gleiche Beziehungen zu allen, ohne dass er die Interessen von irgendjemanden lobbyiert hätte.

    "Iswestija": Russland und Westen über Kosovo-Status uneins

    Nach den USA hat jetzt also auch die Europäische Union ihre Haltung zum Kosovo-Status festgelegt.

    Der weitere Verlauf der Ereignisse lässt sich ohne weiteres vorhersagen: Pristina wird die "staatliche Souveränität" ausrufen und die Abtrennung von Serbien bekannt geben. Die USA, die EU und noch einige nicht zur EU gehörenden Balkanstaaten werden die Souveränität sofort anerkennen. In dem Moment wird Russland jedoch in den Vordergrund treten. Gerade von ihm hängt es ab, ob die Unabhängigkeit des Kosovo im UN-Sicherheitsrat bestätigt oder die aufmüpfige Provinz nach wie vor "individuell" anerkannt wird.

    Alle Versuche des Westens, Moskau zu beeinflussen und dazu zu bewegen, eine gemeinsame Position zu finden, sind misslungen. Die sonst recht zurückhaltenden europäischen Diplomaten können in Privatgesprächen ihren Ärger nicht verbergen: Welcher Sinn habe dieser Widerstand, wenn alles bereits entschieden und die Unabhängigkeit des Kosovo unvermeidlich ist?

    Russland lässt sich von diesen Reden nicht verwirren: Der Westen hat alles entschieden und versucht nun, die Russen von der Richtigkeit seiner Schritte zu überzeugen. Aber das könnten die Europäer nicht, es fehlt an Argumenten.

    Warum müssen wir vorbehaltlos die merkwürdige Formel akzeptieren, nach der das Kosovo ein einzigartiger Fall sei, während die Serbische Republik in Bosnien, Abchasien, Transnistrien oder Berg-Karabach es nicht sind?

    Wieso müssen wir nach dem Beispiel des Westens die Augen vor der Gefahr verschließen, die der albanische Nationalismus für die Region, ja ganz Europa darstellt? Heute ist es das Kosovo. Morgen sind vielleicht die von Albanern besiedelten Gebiete in Südserbien (Presevo, Medvedja, Bujanovac) an der Reihe. Übermorgen womöglich Mazedonien, in welchem die albanische "Befreiungsarmee" die Sache einmal bereits bis zu einem Bürgerkrieg getrieben hat. Übrigens gibt es auch in Montenegro geballte Albanersiedlungen. Wo ist die Garantie, dass sie nicht eines Tages beschließen, ihre "Souveränität" mit der Waffe in der Hand zu behaupten?

    Warum schließlich darf Serbien zerstückelt werden, das Kosovo aber keinesfalls? Warum wird die durchaus logische Variante, von der Region zumindest den an Serbien grenzenden und von Serben bevölkerten Bezirk der Stadt Mitrovica abzutrennen, nicht einmal erörtert?

    Viel zu viele Fragen ohne Antwort. Wollen Sie sich keine Gedanken darüber machen - bitte schön. Ziehen Sie es vor, sich Illusionen hinzugeben - ganz nach Belieben! Nur: Zwingen sie Russland nicht dazu, fremde Resolutionen, die es als irrtümlich und ungerecht betrachtet, abzustempeln. Bitte Russland nicht zur Mittäterschaft verleiten. Wir werden Serbien nicht abtöten helfen. Auch nicht den aggressiven Separatismus fördern.

    „Nesawissimaja Gaseta“: Algerien verzichtet auf Zusammenarbeit mit Gasprom

    Das größte algerische staatliche Energieunternehmen Sonatrach hat seine Vereinbarungen mit dem russischen Monopolisten Gasprom für ungültig erklärt, schreibt die Zeitung „Nesawissimaja Gaseta“ am Dienstag.

    Die Experten sind sicher, dass die Idee, eine „Gas-OPEC“ zu schaffen, mit der Russland versuchte, Europa Angst einzujagen, sich als unerfüllbar erwies.

    Der Vorvertrag, der von Gasprom und Sonatrach Anfang März 2006 unterzeichnet worden war, sah die Möglichkeit vor, Aktiva bei der Erkundung und Förderung auszutauschen, Joint Ventures zu schaffen, an Ausschreibungen für die Erkundung und Förderung von Öl und Gas teilzunehmen, Informationen über Projekte auszutauschen u.a.m. Das Dokument rief in der EU Beunruhigung hervor, da sie es als Schritt zur „Gas-OPEC“ wertete. Experten malten für Europa düstere Zukunftsbilder aus, in denen Gasprom und Sonatrach, die bis zu 40 Prozent des EU-Verbrauchs an Gas decken, ihre Preisbedingungen diktieren.

    Nach Meinung der Experten hatten die Seiten einfach andere Ergebnisse der Zusammenarbeit erwartet: Gasprom ließ sich von Ambitionen wie die Schaffung eines „südeuropäischen Gasrings“ und die „Gas-OPEC“ verleiten, Sonatrach wollte konkrete Ergebnisse der Zusammenarbeit auf dem Flüssiggasmarkt.

    „Eines ist unklar geblieben: Ob Moskau tatsächlich glaubte, dass es möglich sei, das Projekt zu verwirklichen, oder dass es das Projekt von Anfang an als Schauermärchen für die EU benutzte, um Druck auf die EU bezüglich des Zugangs des russischen Unternehmens zur europäischen Energiebranche auszuüben“, sagte der Leiter der Due-Diligence-Abteilung des Beratungsunternehmens „2K Audit - Geschäftsberatung“ Alexander Stock. „Es sah so aus, als ob Sonatrach die EU nicht mehr reizen wollte.“

    „Die Tatsache, dass Algerien gewagt hat, den Vorvertrag zu kündigen, zeugt davon, dass das Land sich sowohl von Gasprom als auch von der Idee eines Gaskartells öffentlich lossagen will“, sagte Stock.

    Statt dessen haben die Algerier in der vorigen Woche ein neues Abkommen mit der französischen Gaz de France abgeschlossen, in dem sie sich verpflichten, bis 2019 an dieses Unternehmen Flüssiggas zu liefern. Gleichzeitig verlegt Sonatrach gleich zwei neue Pipelines auf dem Grund des Mittelmeers, die Algerien erlauben werden, die Gaslieferungen über Pipelines nach Europa zu verdoppeln.

    „Wremja Nowostej“: Russen stürmen auf Großbritanniens Immobilienmarkt

    Eine in London in ein Luxus-Wohnhaus umgebaute ehemalige anglikanische Kirche stößt bei Moskauer Unternehmern auf großes Interesse, schreibt die Zeitung „Wremja Nowostej“ am Dienstag.

    Der Innenraum der Kirche wurde in zehn Stockwerke unterteilt. Im Haus gibt es jetzt drei Schlafzimmer und genauso viele Bade- und Gästezimmer. Das Gebäude ist mit einem Lift ausgestattet, mit dem der Besucher auf einen wunderschönen Aussichtsplatz steigen kann. Die neue Luxus-Immobilie kostet 4,5 Millionen Pfund (mehr als neun Millionen Dollar).

    „Das gehört zu den wenigen Angeboten auf dem Markt, für das sich russische Kunden interessieren“, sagte Wassili Mjadlez, Generaldirektor einer Immobilienagentur, die sich mit Käufern aus GUS-Ländern befasst.

    Während Millionen Briten, denen Wohnungskredite das Rückgrat zu brechen drohen, mit Besorgnis in die Zukunft schauen, reiben sich Ausländer die Hände. Die Zeit wird günstig für diejenigen, die mit vollgestopften Geldbeuteln nach London kommen und Immobilien mit Bargeld bezahlen. Vor allem für die reichen Russen, deren Zustrom zu Albions Ufern nicht endet.

    Nach Angaben von führenden britischen Immobilienagenturen haben im laufenden Jahr mehr als 1000 russische Staatsbürger Immobilien der Luxusklasse erworben. Dazu gibt es noch die Immobilien, die weniger als 750 000 Pfund (weniger als 1,5 Millionen Dollar) kosten. Diese haben auch oft einen Inhaber russischer Herkunft.

    Pete Crawford von der Immobilienagentur Re/Max erwartet, dass in den folgenden zwei Jahren ein Rekord an russischen Käufern sich einstellt: „Die Unbestimmtheit der neuen Figur im Kreml und die sinkenden Preise für britische Immobilien sind ein ausgezeichneter Nährboden für Geschäfte mit den Russen.“

    RIA Novosti ist für den Inhalt der Artikel aus der russischen Presse nicht verantwortlich.

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