23:32 21 August 2017
SNA Radio
    Meinungen

    Noch nicht gewählt, aber schon ernannt

    Meinungen
    Zum Kurzlink
    Präsidentenkandidat Medwedew (26)
    0 6 0 0
    MOSKAU, 11. Dezember (Andrej Wawra, RIA Novosti). Das mehrmonatige Herumrätseln um die Präsidentschaftskandidaten und ihre Begutachtung sind ab Montag zu Ende.

    Dmitri Medwedew war seinerzeit der Erste, den man als einen realen Nachfolger betrachtete. Im Ergebnis ist er es heute auch wirklich.

    Seine Kandidatur ist nicht nur von der Partei der Macht, sondern auch von Gerechtes Russland, der Agrarpartei und der Partei Bürgerkraft aufgestellt worden. Das heißt, dass er nicht nur von der Partei der Macht, sondern auch von Vertretern eines breiten Spektrums politischer Kräfte vorgeschlagen wird. Auf jeden Fall auch von jenen, die die Macht als ihre Verbündeten zu betrachten bereit ist.

    Warum ist die Wahl auf ihn gefallen? Ich glaube, eine wichtige Rolle spielte der Umstand, dass er unter allen, die zusammen mit Putin kamen, sich in seinem Beruf vervollkommnet, die größte Lernfähigkeit bei der Aneignung der nicht leichten Kunst der Lenkung des Staates, die größte Fähigkeit zu Kompromissen und die Begabung gezeigt hat, sich keine Feinde zu machen, sondern Partner und Verbündete zu finden. Zugleich ist ihm auch eine gewisse Härte nicht abzusprechen. Nicht wenig Pluspunkte gewann er auch durch die aktive Arbeit des Fernsehens, obwohl der Nachfolger meiner Ansicht nach live viel überzeugender wirkt als auf dem Bildschirm.

    Ich denke, auch im Ausland wird man sich über diese Wahl freuen. Nachdem die Beziehungen zum Westen eine maximale Spannungsstufe erlangt haben, darunter auch im Ergebnis der Parlamentswahlen, sendet Russland ein deutliches Signal: Zur Wahl steht ein Mensch, der das stabile Image eines ausgewogenen Politikers hat, sich zu den demokratischen Werten bekennt und die europäische Wahl des Landes unterstützt. Ja, wir werden nach wie vor fest auf unseren nationalen Interessen bestehen, beabsichtigen jedoch keineswegs, den natürlichen Konkurrenzkampf zu beständigen unversöhnlichen Konflikten aufzubauschen. Kurzum: Medwedew wäre ein durchaus zivilisierter Präsident.

    Gesagt sei, dass sich Medwedews Konkurrenten während der Nachfolgerschau in keiner besonderen Weise hervortaten. Viktor Subkow zeichnete sich hauptsächlich dadurch aus, dass er zweitrangigen Beamten den Kopf wusch und jeden von ihnen in entfernte Regionen zu verschicken drohte. Sergej Iwanow setzte sich ein ganzes Jahr für etwas ein, was dem menschlichen Auge unzugänglich ist: Nanotechnologien. Außerdem ist bei ihm, wie sich erwies, die militaristische Ader und, als Folge, antiwestliche Orientierung ausgeprägt. Andere Kandidaten traten aus wenig bedeutenden Anlässen in Erscheinung, so dass man sie nicht einmal im Gedächtnis behielt. Unterdessen stieg Medwedew zu einer politischen Figur auf, und dies, sonderbar genug, auf dem Boden des Sozialbereichs, der schon immer für einen auf seine Zukunft bedachten Politiker als ein sicherer Weg zum Scheitern galt. Zwei Jahre lang beschäftigte er sich mit durch und durch prosaischen, aber ausschließlich wichtigen Dingen: Er kämpfte dafür, die soziale und materielle Lage von Millionen unserer Bürger zu verbessern. Und dank der Konzentration von kolossalen materiellen und Organisationsressourcen erreichte er dabei nicht wenig.

    Diese Kandidatur ist wohl den meisten Menschen am verständlichsten, außerdem kann sie am ehesten den Hauptteil der Elite konsolidieren. Zugleich hat Medwedew zweifellos seine Sympathien und Antipathien. Während der Arbeit auf hohen Posten entstanden die eigenen Neigungen und Abneigungen. Seine Nominierung wird demnach nicht alle erfreuen, die heute zur politischen Elite gehören.

    Sehr wichtig ist, wie sich das Zusammenwirken des künftigen Präsidenten mit Putin gestalten wird. Nach allem zu urteilen, sind hier keine Probleme zu erwarten. Medwedew galt schon immer als der nächste und treueste Mitstreiter des Präsidenten. Insofern wirkt also das Paar "der Präsident und der nationale Führer" am organischsten - obwohl eine solche politische Konstruktion höchst mehrdeutig und nicht traditionell ist. Allerdings gibt uns diese Konstruktion auf die Frage, was bei uns in vier Jahren sein wird, trotzdem keine Antwort.

    Es ist natürlich nicht sehr spannend, dass Medwedew um den Präsidentensessel allein kämpfen wird. In diesem Zusammenhang sei die letzte Frage gestellt: Ist in der Intrige der Präsidentschaftskampagne der Schlusspunkt gesetzt worden? Nach allem zu urteilen, ja. Schließlich kann die Partei der Macht nicht zwei Kandidaten unterstützen. Selbst wenn jemand neben ihr - Ministerien, gesellschaftliche Bewegungen oder irgendwelche hypothetischen Verbände von Gouverneuren - einen eigenen Kandidaten auch vorschlägt, kann der Kandidat der Partei der Macht die Wahlen einfach nicht verlieren.

    Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.

    Themen:
    Präsidentenkandidat Medwedew (26)
    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren