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    Neuer Ölkonzern in Russland entsteht durch Fusion

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    MOSKAU, 21. Januar (Oleg Mitjajew, RIA Novosti). Das russische Ölunternehmen Allianz und die West Siberian Resources (WSR) haben am 15. Januar ihre Fusion bekannt gegeben.

    Im Ergebnis wird in Russland ein weiterer Ölkonzern mit der gesamten Wertschöpfungskette entstehen, der die Förderung der Rohstoffe, seine Verarbeitung und den Verkauf zusammenbringen wird. Seine anfängliche Marktkapitalisierung beträgt 2,5 Milliarden Dollar. Dank dem Synergie-Effekt als Folge der Fusion werden sich dem Unternehmen beeindruckende Wachstumsmöglichkeiten bieten.

    In Übereinstimmung mit dem Geschäft, das im März endgültig abgeschlossen sein soll, wird die unter der Kontrolle der Familie der russischen Unternehmer Baschajew stehende Erdölgesellschaft Allianz in eine 100-prozentige WSR-Tochter umgewandelt. Zugleich geht dank der Zusatzemission der WSR-Aktien das 60-prozentige Kontrollpaket an die heutigen Eigner der Allianz über. Den jetzigen WSR-Aktionären verbleiben somit 40 Prozent. Die Experten halten die Zahlen des Geschäfts für gerecht. Sie gehen davon aus, dass die derzeitige Marktkapitalisierung der WSR rund eine Milliarde Dollar beträgt, während die Allianz auf 1,5 Milliarden Dollar geschätzt wird.

    Nach der Fusion wird die WSR den Status einer öffentlichen Gesellschaft behalten und weiterhin an der Stockholmer Börse notiert sein. Außerdem bleiben die heutigen Hauptfiguren der WSR auf ihren Posten, während die Allianz-Vertreter im neuen WSR-Aufsichtsrat nur ein Drittel der Plätze bekommen werden.

    Der wirtschaftliche Sinn der Transaktion besteht darin, dass die Allianz und die WSR sich sehr gut ergänzen. Die WSR verfügt über große Förderaktiva in den Öl- und Gasprovinzen Timan-Petschora und Wolga-Ural sowie im Gebiet Tomsk (im vorigen Jahr förderte die WSR 1,5 Millionen Tonnen Erdöl und plant, die Gewinnung bis 2011 auf 4 Millionen Tonnen zu erhöhen). Aber sie hat so gut wie keine eigene Verarbeitungsfabrik, wenn man von der kleinen Ölraffinerie in Alexandrowskoje (Gebiet Tomsk) absieht.

    Die Allianz bietet ein direkt entgegengesetztes Bild: Sie besitzt eine Raffinerie in Chabarowsk (Verarbeitungsmenge: 3,2 Millionen Tonnen Erdöl im Jahr, bis 2011 sollen es 4,5 Millionen Tonnen sein) und 260 Tankstellen in Russlands Fernen Osten. Aber die ganze Ölförderung der Allianz beschränkt sich auf ein einziges kleineres Unternehmen in Tatarstan.

    Das neu geschaffene Ölunternehmen wird die Erdöl fördernden Kapazitäten der heutigen WSR mit den Verarbeitungsstätten und dem Verkaufsnetz der Allianz zusammenbringen und auf diese Weise den häufig zitierten Synergie-Effekt erzielen. Anders ausgedrückt wird es die Fusion erlauben, die Kosten zu senken und die Marktpositionen zu verstärken, was die übliche Praxis in der Welt bestätigt. Für Russland ist das besonders aktuell, weil die überhöhten Zölle für den Export die Rentabilität der Ölverarbeitung innerhalb des Landes steigern. Wobei der Gewinn selbstverständlich noch höher sein wird, wenn man Benzin aus eigenem Rohstoff produziert.

    Während die ersten und größten russischen Ölunternehmen mit kompletter Wertschöpfungskette "von oben" gegründet wurden, nämlich durch die Privatisierung der staatlichen Betriebe, bahnt sich jetzt der Prozess der Gründung solcher Gesellschaften auf der marktwirtschaftlichen Basis (durch Fusionen und Übernahmen) an. So entstand im Herbst nach der Übernahme der Moskauer Öl- und Gasgesellschaft (MNGK) durch die in Großbritannien eingetragene Sibir Energy eine Gesellschaft mit komplettem Portfolio, deren Aktien sofort um fast 30 Prozent stiegen. Ein solcher Effekt kann auch nach der Vereinigung von WSR mit Allianz beobachtet werden; die Gesamtaktiva beider Unternehmen werden bisher auf 2,5 Milliarden Dollar geschätzt.

    Übrigens wird die neue russische Ölgesellschaft ein kompliziertes Problem lösen müssen. Im Moment ist der Umfang der Verarbeitung in der Raffinerie Chabarowsk (die zur "Allianz" gehört) ungefähr doppelt so groß wie die Gesamtförderung der WSR. Zudem wird der wichtigste Zuwachs von den WSR-Vorkommen in der Provinz Timan-Petschora in Westsibirien erwartet. Der Öltransport von dort nach Chabarowsk sieht eher problematisch aus. Deshalb ist es nicht ausgeschlossen, dass das Fusionsunternehmen neue Vorkommen in Ostsibirien erwerben wird. Das könnte unter anderem dadurch begründet sein, dass die Inbetriebnahme der Ölpipeline Ostsibirien - Pazifik bevorsteht, die möglicherweise eine Abzweigung zur Raffinerie Chabarowsk bekommen wird.

    Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.

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