15:49 25 Juni 2017
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    UNO schlägt Hunger-Alarm: Globale Lebensmittelpolitik muss dringend revidiert werden

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    MOSKAU, 26. Mai (Andrej Fedjaschin, RIA Novosti). 400 Experten des UNO-Programms „Internationale Bewertung der Agrarwissenschaft und Technologie für Nachhaltigkeit“ (IAASTD) haben im Laufe von drei Jahren an einem Bericht gearbeitet.

    Der Weltagrarbericht ist heute im Zuge der neuesten Entwicklung besonders aktuell geworden. Die wichtigste Schlussfolgerung des Dokuments, in dem es um Lebensmittelmangel, Biotreibstoff, Klimawandel, Agrarflächen, Düngemittel und Hungersnot geht, ist gleichermaßen einfach und tragisch. Nach Ansicht der IAASTD-Experten müssen viele der insgesamt 30 OECD-Mitgliedsländer, von denen die meisten zu den bedeutendsten Agrarmächten der Welt gehören, den Lebensmittelhandel und die Agrarsubventionen neu organisieren.

    Die EU ist für ihre Agrarsubventionen besonders bekannt: jährlich werden aus dem EU-Etat rund 40 Milliarden Euro für diese Zwecke ausgegeben. Aber auch die USA stehen hier den Europäern nicht nach: Der US-Kongress bewilligt rund 73,5 Milliarden Dollar im Jahr für die gleichen Ziele. „Business as usual läuft nicht mehr“, betonte IAASTD-Sekretariatsdirektor Robert Watson. „Dies würde lediglich die Kluft zwischen Arm und Reich weiter vertiefen. Sollten wir den ‚business-as-usual’-Weg weiter gehen, würden wir zu einer Welt kommen, in der kaum jemand würde leben wollen.“

    Laut den Verfassern müssen die bisherigen Schemen in der internationalen Agrar-Produktion und im Handel radikal umgebaut werden. Als Folge der neuesten Entwicklung haben die internationalen Disproportionen bereits horrende Dimensionen erreicht. So machen die Ausgaben für die Lebensmittel 60 bis 80 Prozent der Verbraucherausgaben in den Entwicklungsländern aus. In Europa und den USA liegt dieser Anteil bei zehn bis 20 Prozent. Zugleich ist die Produktivität in der europäischen und der amerikanischen Landwirtschaft zehnmal höher als in der afrikanischen und mindestens dreimal höher als in Asien. Heute zählt die Welt mehr als 850 Millionen Menschen, die an Hunger bzw. Unterernährung leiden. Laut UN-Prognosen wird diese Zahl nun jährlich um vier Millionen wachsen - selbstverständlich nicht in Europa oder den USA.

    Organisationen wie Greenpeace und Consumer International bewerteten den IAASTD-Bericht als eine „ernüchternde Studie des Scheiterns der industriemäßigen Farmerwirtschaft“. Es ist allerdings fraglich, ob das Dokument auf die Länder mit hochproduktiver Agrarindustrie wirklich ernüchternd wirken wird. Die neuesten Ernteprognosen der UN-Welternährungsorganisation FAO sind eher beruhigend: in diesem Jahr werden 3,8 Prozent mehr Getreide eingebracht, bei Weizen soll der Zuwachs sogar bei 8,7 Prozent liegen.

    Dies ist allerdings nur eine kurzfristige Prognose. Am 29. Mai wollen FAO und OECD eine turnusmäßige gemeinsame langfristige Agrar-Prognose für die nächsten zehn Jahre veröffentlichen. Die Hauptthesen des Dokuments sind bereits jetzt bekannt: Die Lebensmittelpreise sollen sich zwar stabilisieren, allerdings auf einem neuen Niveau. Auf den Stand vor der Krise würden sie niemals mehr zurückgehen. In den nächsten zehn Jahren sollen die Nennpreise bei den Getreide- und Ölkulturen um 35 bis 65 Prozent höher sein als in den vorangegangen zehn Jahren.

    Allein im Mai wurden international rund ein Dutzend Berichte zum Lebensmittelproblem veröffentlicht. Hungerrevolten und Pogrome haben sie allerdings nicht verhindert. Wegen Lebensmittelmangel kam es jetzt in den Vorstädten von Johannesburg und Kapstadt zu Pogromen von Lagern der Flüchtlinge aus Zimbabwe, Mozambique, Malawi und Somalia.

    Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.

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