01:31 17 Dezember 2017
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    Israels Generalprobe für Angriff gegen Iran?

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    MOSKAU, 24. Juni (Pjotr Gontscharow, RIA Novosti). Israels Angriff gegen Irans Atomanlagen ist nur eine Frage der Zeit, wenn der Mullah-Staat nicht auf die Urananreicherung verzichtet.

    Zu diesem Schluss führt ein Artikel in der "New York Times" über eine Übung der israelischen Luftwaffe, die vor kurzem im östlichen Mittelmeer stattgefunden hat. Die Übung hat viel Staub aufgewirbelt und erneute Expertenschätzungen über einen möglichen Luftangriff auf Irans nukleare Objekte nach sich gezogen. Diesmal soll ihn Israel vornehmen. Gewisse "ungenannte offizielle Personen in der US-Regierung und dem Pentagon" hätten der "New York Times", die diese Übung als erste "entdeckte", mitgeteilt, diese sei als "Probe eines potentiellen Bombenschlags" gegen iranische Nuklearobjekte zu betrachten.

    Besonders wichtig sind einige Details der zweiwöchigen Übung. Mehr als 100 F-16- und F-15-Jäger, Hubschrauber und Tankflugzeuge hatten 1500 Kilometer zurückgelegt, was exakt der Entfernung zwischen Israel und dem iranischen Urananreicherungswerk in Natans entspricht.

    Aufmerken lässt zum Beispiel auch die Tatsache, dass Israels Regierungschef Ehud Olmert vor wenigen Tagen den Chefplaner des Angriffs der israelischen Luftwaffe gegen den irakischen Reaktor "Osirak" 1981 empfing. Interessant sind ferner die jüngsten Prognosen John Boltons, ehemaliger US-Staatssekretär für Waffenkontrollen. Seiner Ansicht nach wird Israel den Angriff schon in diesem Jahr, aber nach den US-Präsidentschaftswahlen fliegen. Wollen die den Republikanern damit nicht in die Quere kommen?

    Der Teufel steckt bekanntlich im Detail. Der Fakt, dass das erneute "Durchsickern" von Informationen aus dem Pentagon und der US-Regierung von ihren eigenen, wenn auch "ungenannten" Leuten organisiert wurde, macht sie unvergleichlich wertvoller als die Voraussagen des bekannten US-Journalisten Seymour Hirsch, der von einer künftigen amerikanisch-iranischen Apokalypse spricht. Recht kennzeichnend ist jedoch auch der Kommentar besagter "Ungenannter". Ihrer Ansicht nach hat die Übung den USA und anderen Ländern zeigen sollen, dass Israel zu militärischer Gewalt bereit sei, wenn es diplomatisch nicht gelinge, Teheran zum Verzicht auf die Urananreicherung zu bewegen.

    Das trifft ins Schwarze. Besonders wenn man in dem Kommentar das Wort "USA" durch "Iran" ersetzt. Das will sagen: Israel hat tatsächlich Iran und die übrige Welt noch einmal daran erinnert, dass es bereit ist, Teheran unter allen Umständen an der Entwicklung eigener Technologien für die Urananreicherung zu hindern.

    Eine solche Position Israels ist durchaus offensichtlich und begründet. Was bleibt ihm auch sonst übrig, wenn der geistliche Führer Ayatollah Khamenei und Präsident Mahmud Ahmadinedschad immer wieder verkünden, dass die Ausradierung Israels auf der politischen Weltkarte unvermeidlich sei? Die Islamische Republik entwickelt eigene nukleare Technologien, die "beim Vorhandensein des politischen Willens" nur einen Schritt bis zur Atombombe entfernt sind. Dazu rufen sie noch die Hamas-Führer auf, mit der Waffe in der Hand für die Freiheit der Palästinenser zu kämpfen. Dies selbstverständlich im Kampf gegen Israel.

    Was fällt in letzter Zeit in der Konfrontation zwischen Israel und Iran auf? Vor allem der merklich veränderte Ton der an Iran gerichteten Erklärungen Ehud Olmerts nach seinem jüngsten US-Besuch. Gerade im Zuge dieses Besuchs erklärten Hillary Clinton und Barack Obama, sie würden ihren "treuesten Verbündeten" im Nahen Osten im Falle eines militärischen Konfliktes mit Iran unterstützen (McCain zog eine solche Unterstützung niemals in Zweifel). Die Erklärung ist wohl kaum ausschließlich auf das heiße Präsidentenwahlrennen zurückzuführen. Eine ebensolche Unterstützung holte sich Olmert auch in den Unterredungen mit Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy und Großbritanniens Premier Gordon Brown.

    Für Israel war die Frage, ob die nuklearen Objekte in Iran "zu zerbomben oder nicht zu zerbomben" seien, immer brisant. Israelische Experten verschwiegen nie, wie freudlos für sie die Aussicht erscheint, einem nuklearen Iran allein gegenüberzustehen. Das ist verständlich. Eine Atombombe im Besitz des Irans ist für Israel beinahe ein Todesurteil. Deshalb blieb die Frage danach, wer auf Iran die Bomben abwerfen soll und wird, - die USA oder Israel - in den Beziehungen zwischen Tel Aviv und Washington stets auf der Tagesordnung.

    Nach dem zitierten Artikel zu urteilen, ist ein Konsens gefunden, das Problem grundsätzlich gelöst worden. Der Artikel selbst ist gewissermaßen eine Warnung, die sowohl Iran als auch der Weltgemeinschaft gilt. Zumal die Übung und die Veröffentlichung des Beitrags zeitlich mit der Aktion zusammengefallen sind, Iran wieder einmal die Urananreicherung auszureden. Wie werden sie nun reagieren?

    Vor wenigen Tagen übergab der EU-Außenbeauftragte Javier Solana Teheran ein "Anreizpaket" mit Angeboten. Diese "stimulierenden" Vorschläge (bzw. "Zuckerbrot") wurden von den sechs internationalen Vermittlern ausgearbeitet (UN-Vetomächte plus Deutschland). Unter anderem werden Iran die Unterstützung beim Bau eines "Leichtwasserreaktors aufgrund der modernen Technologien" sowie "verbindliche" Garantien für Kernbrennstofflieferungen angeboten, von sonstigen Erleichterungen einmal abgesehen. Iran werde in der Atomenergie, Handel, Finanzwesen, Landwirtschaft und hohen Technologien Vorteile erhalten. Die "Stimuli" sollten doch recht attraktiv sein, und die Sechs-Gruppe setzt darauf besondere Hoffnungen.

    Doch Teheran bleibt sich treu. Es findet jede Forderung, die Urananreicherung einzustellen, unannehmbar. Seine jüngste Antwort: "Die Einstellung der Urananreicherung liegt für Iran jenseits des roten Strichs. Wir müssen eine solche Technologie haben."

    Paradox, aber die Erreichung eines konkreten technologischen Niveaus der Urananreicherung Irans ist auch für Israel "der rote Strich", was es mit einem Selbstmord vergleicht. Somit ist der Luftangriff vielleicht auch nicht ausgeschlossen.

    Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.