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    Indiens Marine mit neuem „Chakra“

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    MOSKAU, 10. Juli (Ilja Kramnik, RIA Novosti). Die Übergabe des gepachteten Atom-U-Bootes des Projektes 971 an Indiens Marine gehört zu den wichtigsten Neuigkeiten der Kooperation zwischen Moskau und Neu Delhi.

    Das Abkommen, dessen Maßstäbe noch auf eine Einschätzung warten, kann das Gleichgewicht der Kräfte in der Region sehr stark beeinflussen.

    Das U-Boot wurde auf der Werft in der russischen Stadt Komsomolsk-am-Amur gebaut.

    Es ist schwer, Russlands Rolle bei der Schaffung der indischen Unterwasserflotte zu überschätzen. Sowjetische beziehungsweise russische U-Boote bilden seit den 70er Jahren deren Grundlage.

    Von den 16 U-Booten, die gegenwärtig zur indischen Marine gehören, wurden zwölf in der Sowjetunion beziehungsweise in Rusland gebaut, davon zwei des Projektes 641 und zehn des Projektes 877EKM (Nato-Bezeichnung: Foxtrot und Kilo). Die restlichen vier sind Diesel-U-Boote des deutschen Projekts 209, die in Indien nach Lizenz gebaut wurden.

    Mit so einer Unterwasserflotte sowie ziemlich mächtigen Überwasser- und Luftstreitkräften besitzt Indien die Übermacht bei den Seestreitkräften aller Nachbarstaaten und hat die anliegenden Meere sicher unter Kontrolle.

    Doch die Führung des Landes hat mit Hinblick auf die Größe des Einsatzgebiets der indischen Flotte immer über die Schaffung von Streitkräften nachgedacht, die auch in großer Entfernung von ihren Stützpunkten agieren können. Die Überwasserkräfte müssen für solche Aufgaben über große Kampfschiffe, darunter Flugzeugträger, verfügen. Für die Unterwasserkräfte sind Atom-U-Boote ein Muss.

    Das erste Atom-U-Boot kam im Januar 1988 in den Gebrauch der indischen Flotte. Es war die sowjetische K-43, ein 1967 gebautes Nullschiff des Projektes 670 (NATO-Bezeichnung: Charlie). Das mit Torpedos und Seezielraketen bewaffnete Boot wurde Indien in Pacht gegeben, bekam den Namen Chakra und wurde bis März 1991 von der indischen Marine genutzt.

    Die indische Seite hatte vorgeschlagen, die Pachtzeit zu verlängern, doch politischer Druck der USA ließ die Sowjetführung zu einer Absage bewegen. Die Chakra hat die indische Flotte stark beeinflusst: Viele Oberoffiziere der Marine, darunter mehrere Admirale, stammen aus ihrer Crew.

    Die Bedienung des Bootes hat Indien zu wichtigen taktischen und technischen Informationen verholfen, die für die Entwicklung eines nationalen Atom-U-Boot-Projekts notwendig waren.

    Dieses Projekt wird unter der Abkürzung ATV seit fast 30 Jahren entwickelt. Es wird berichtet, dass auch russische Fachleute daran teilnehmen. Der Bau des ersten indischen Atom-U-Bootes fing laut diversen Informationen Mitte der 2000-er Jahre an und soll bis 2010 abgeschlossen werden.

    Insgesamt plane Indien im nächsten Jahrzehnt, drei bis sechs raketen- und torpedobewaffnete Atom-U-Boote mit fünf bis sechs Tonnen Wasserverdrängung zu errichten.

    Doch selbst wenn das Nullschiff des ATV-Projekts bis 2010 fertig ist, wird die indische Flotte noch drei bis vier Jahre benötigen, um die superneue Kampfeinheit zu testen und zu beherrschen. Deswegen stellt die indische Führung erneut die Frage über den Kauf eines russischen Atom-U-Bootes.

    Dieses Mal war das Mehrzweck-Atom-U-Boot, Projekt 971 Schtschuka-B, im Westen bekannt als Akula, das in Komsomolsk-am-Amur zu Ende gebaut wird, Gegenstand der Verhandlungen. Wie das vorige U-Boot der indischen Flotte bekam es den Namen Chakra. Am 11. Juni fingen die Fabriktests an. Es soll voraussichtlich im Hebst 2009 an den Auftraggeber übergeben werden.

    Der Vertrag über die Verpachtung des Atom-U-Bootes wurde 2004 während des Indien-Besuchs des damaligen russischen Verteidigungsministers Sergej Iwanow unterzeichnet. Der Preis für zehn Jahre Pacht betrug 650 Millionen US-Dollar.

    Für die indischen Matrosen wurde ein besonderes Trainingszentrum in der nordwestrussischen Stadt Sosnowy Bor errichtet, in dem drei Crews ausgebildet wurden. Das Zentrum soll auch weiterhin für die Ausbildung der Besatzungen für in Indien gebaute U-Boote genutzt werden.

    Dieser Deal bringt Indien eine sehr gute Kampfeinheit, die die ohnehin ziemlich hohen Möglichkeiten der indischen Flotte erheblich verstärkt. Nach Meinung von Experten, auch von westlichen, verursachen die Boote des Projekts 971 äußerst wenig Lärm, was sie äußerst gut tarnbar macht.

    Es gilt, dass sie in dieser Hinsicht den amerikanischen U-Booten des Typs Improved Los Angeles entsprechen oder sie nach Meinung einiger Fachleuten sogar übertreffen, was sie den Atom-U-Booten des Typs Sea Wolf oder Virginia ebenbürtig macht.

    Außer der hohen Tarnfähigkeit zeichnen sich die U-Boote des Projekts 971 durch hohe Schlagkraft aus. Die Bewaffnung des Bootes besteht aus vier 650-mm-Torpedorohren mit einem Munitionslager aus zwölf Torpedos und vier 533-mm-Torpedorohren mit einem Munitionslager aus 28 Torpedos. Die Torpedos können durch Unterwasserminen, Marschflugkörper, Raketentorpedos und diverse Unterwasserapparate ersetzt werden.

    Die genauen Titel der Bewaffnung, die mit dem U-Boot übergeben werden, sind unbekannt. Die größte Frage in diesem Zusammenhang ist, ob Indien „Schkwal“-Raketentorpedos und Marschflugkörper mit großer Reichweite bekommt. Einigen Informationen zufolge ist das Boot mit einem „Club“-Raketensystem ausgerüstet.

    Über die möglichen Pluspunkte für Russland, die die Übergabe des Bootes an Indien bringt, gibt es keine einheitliche Meinung. Doch es sieht so aus, als gäbe es mehr Vor- als Nachteile. Nach der aktuellen Situation zu urteilen ist Indien für Russland ein strategischer Partner, und die Positionen der beiden Länder zu den meisten internationalen Problemen stimmen miteinander überein.

    Indiens nächster Nachbar und langjähriger Rivale Pakistan ist ein Verbündeter der USA, die seine Militärstärke seit langer Zeit aufrechterhalten.

    Die ständige Präsenz eines Atom-U-Bootes unter indischer Flagge in der Region wird sowohl die Verstärkung der pakistanischen Marine mit US-Waffen als auch der US-Kräfte im Indischen Ozean fordern, was diese Kräfte teilweise aus anderen Regionen weglockt. Das Auftauchen von in Indien gebauter Atom-U-Boote, das in den nächsten Jahren erwartet wird, wird diesen Prozess noch verstärken.

    Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.

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