10:54 18 August 2017
SNA Radio
    Meinungen

    Russlands Uran-Offensive

    Meinungen
    Zum Kurzlink
    0 310

    MOSKAU, 19. Juli (Tatjana Sinizyna, RIA Novosti). Russland ist auf Platz vier der weltweiten Uran-Förder-Tabelle angekommen.

    Es liegt damit vor Niger, doch die Uran-Giganten Kanada, Australien und Kasachstan sind ihm nach wie vor überlegen. Den prestigeträchtigen Ranglistenplatz hat Russland den im letzten Jahr geförderten 3527 Tonnen Uran zu verdanken.

    Natürlich hegt das Land ehrgeizige Pläne, noch weiter nach vorn zu kommen. Darauf lässt die Erschließung von neuen eigenen Vorkommen, vor allem in Ostsibirien, sowie die Möglichkeit zur Zusammenarbeit mit anderen Uran-Staaten hoffen.

    Der Markt für diesen Rohstoff ist gegenwärtig sehr lebhaft, extrem optimistisch und stark monopolisiert: Drei Viertel der globalen Uranerzeugung entfallen auf fünf Länder. Da Russland auf die Atomenergie setzt, muss es sich ständig um seine Uranvorräte kümmern und diesbezüglich eine klare, pragmatische Strategie ausarbeiten.

    2006 wurde die Zusammenarbeit mit Kasachstan besiegelt. Russland gehören 49 Prozent der Aktien des 19 000 Tonnen schweren Uran-Gemeinschaftsunternehmens Saretschnoje. 2007 wurde auch Australien in diesem Bereich Partner Russlands. Das unterzeichnete Abkommen verschafft Russland jährlich Uran im Wert von einer Million US-Dollar (ausschließlich für friedliche Zwecke).

    Im letzten Jahr wurde auch die kanadische Cameco Corporation zu Russlands Partner. Aus dieser Partnerschaft sind Joint Ventures zur Erschließung von Vorkommen und Förderung von Natururan in beiden Ländern hervorgegangen. Auch in Armenien wurde aus demselben Grund ein Abkommen unterzeichnet. Die Mongolei kann ebenfalls einen wichtigen Platz in diesem Bereich einnehmen. Gemessen an seinen Vorräten könnte das Land den weltweit ersten Platz einnehmen. Jetzt liegt es nur daran, sie zu erkunden und mit der Förderung zu beginnen.

    Der russische staatliche Atomkonzern Rosatom muss gezielt auf eine ausreichende Versorgung mit Uran hinarbeiten, um die weitere Entwicklung der Atombranche zu gewährleisten. Auch die für ein globales Unternehmen vorteilhafte Preiskonjunktur heizt die expansive Stimmung an. Die Uran-Preise steigen schneller als die für Öl und Gold.

    Gibt es etwa zu wenig Uran? Nein, die Natur scheint die künftige nukleare Renaissance vorausgesehen zu haben: Nach der Einschätzung von Fachleuten enthält der Boden Milliarden Tonnen Uranerz, erheblich mehr als Silber oder Quecksilber. Vor dem Hintergrund einer globalen Energiekrise wird dieses weiche silbrig-weiße Metall zum wahren Schatz: Ein Kubikzentimeter Uran entspricht 60 000 Liter Benzin, 110 bis 160 Tonnen Kohle oder knapp 60 000 Kubikmeter Erdgas.

    Das größte Unternehmen, das 93 Prozent des russischen Urans erzeugt, ist das Aufbereitungswerk Priargunski in Krasnokamensk (Gebiet Tschita, Ostsibirien). Die erkundeten Vorräte werden auf 150 000 Tonnen geschätzt. Jährlich werden 2500 bis 3000 Tonnen in einem kostspieligen Verfahren zu Tage gebracht.

    Die restlichen sieben Prozent werden durch das Unternehmen Dalur im Gebiet Kurgan (Südwestsibirien) und Chiagda in der Republik Burjatien (Südsibirien) gefördert. Dabei wird die kostengünstigere unterirdische Abätzung angewendet. Die Unternehmen können den staatlichen Uran-Hunger decken, für den Rest reicht es aber nicht.

    Dabei sind die Kernkraftwerke, die zu Sowjetzeiten im Ausland gebaut wurden, auf russische Brennstoffe angewiesen. Dazu kommen Exportaufträge für angereichertes Uran, Anreicherungsdienstleistungen sowie Verträge für Brennstoffverarbeitung. Damit klafft zwischen den existierenden Mengen und dem Bedürfnis ein Riss von 6000 Tonnen pro Jahr.

    Das Defizit wird von „Sekundärvorräten", also Lagern von spaltbaren Materialien, ehemaligen Atomwaffen und wiederaufbereiteten Uranerz, gedeckt. Doch diese „Sekundärvorräte", die sich bei jeder Atommacht seit dem Beginn des Atomzeitalters angestaut haben, schmelzen rasend schnell dahin. Sie werden für 10 bis 15 Jahre ausreichen.

    Russland ist sich dieser Situation bewusst und baut seine Förderung aus. Dieser Prozess wurde vom Uran-Monopolisten Atomredmetsoloto eingeleitet - einem Tochterunternehmen Rosatoms. Das Unternehmen will im laufenden Jahr 3880 Tonnen fördern. Bis 2024 sollen stufenweise bis zu 20 000 Tonnen zu Tage gebracht werden.

    Insgesamt beläuft sich Russlands bislang erkundeter Uran-Vorrat auf 564 000 Tonnen. Dazu gehört das größte Vorkommen Elkon (344 000 Tonnen), das im Norden der Republik Sacha (Jakutien) am Ufer des Aldans liegt. Das Vorkommen ist milde gesagt unbequem: Es liegt in der Dauerfrostbodenzone und die Erze liegen tief.

    Doch die nukleare Renaissance macht solche Kraftakte erforderlich. Bereits 2020 sollen dort mindestens 5000 Tonnen Uran gefördert werden. Gleichzeitig soll die Fördermenge in Kasachstan erhöht werden.

    Experten äußerten die Meinung, dass russisches Uran (Natur- und Waffenuran) 2030 bis zu 45 Prozent des weltweiten Vorrats ausmachen werde.

     

    Die Meinung der Verfasserin muss nicht mit der der RIA Novosti übereinstimmen.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren