15:55 18 Dezember 2017
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    Türkei als Wortführer im Kaukasus

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    MOSKAU, 18. August (Pjotr Gontscharow, RIA Novosti). Die Türkei versucht sich ohne jede Zurückhaltung in der Rolle einer regionalen Macht im Kaukasus.

    Der aus Anlass des Südossetien-Konflikts dringende Moskau-Besuch des türkischen Premiers Recep Erdogan endete mit durchaus greifbaren Ergebnissen.

    Von Moskau reiste Erdogan nach Tiflis weiter und hatte dabei bereits eine fertige Initiative zur Bildung eines Friedenspakts zur Aufrechterhaltung des Friedens im Kaukasus mit. Nach seinen Worten wurde die Initiative sowohl von Moskau als auch von Tiflis unterstützt. Diese Woche reist Erdogan nach Aserbaidschan. Es gibt keinen Grund, daran zu zweifeln, dass diese Initiative auch in Baku Verständnis finden wird.

    Hinzu kommen die Tendenzen zu einer Normalisierung der Beziehungen zwischen Ankara und Armenien. Damit fehlt nur noch Iran, das in der Kaukasus-Region beim besten Willen nicht ignoriert werden kann.

    Auch in Bezug auf die Konflikte mit Iran vertritt Ankara heute keinesfalls eine passive Position, diese unterscheidet sich dazu noch sowohl von den Positionen der europäischen Staaten als auch von der Position der USA. Diese Haltung Ankaras berücksichtigt zwar den Standpunkt des Weißen Hauses, ist aber der russischen Position recht ähnlich. Der Istanbul-Besuch des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad am 14. und 15. August war wohl eine weitere Bestätigung dafür.

    In der gesamten Geschichte der iranisch-türkischen Beziehungen waren diese zwischen 1925 und 1979 besonders stabil. Nach der islamischen Revolution 1979, die die Pahlavi-Dynastie stürzte, haben sich die Beziehungen jedoch verschlechtert, nicht zuletzt wegen der Doktrin des Gründers der Islamischen Republik Iran, Ayatollah Khomeini, die einen Export der islamischen Revolution in die moslemischen Länder vorsah.

    Anzeichen einer Stabilisierung der Beziehungen traten während der Amtszeit des iranischen Reformer-Präsidenten Mohammad Chatami 1997 bis 2004 an den Tag. Zeitlich fiel diese Zeit mit der Machtübernahme der Islamischen Gerechtigkeitspartei in der Türkei zusammen.

    Hinzu kommt, dass die Interessen beider Staaten in einigen wichtigen Fragen praktisch identisch sind. So vertreten Iran und die Türkei bei der Lösung des Kurdenproblems praktisch die gleiche Position; die jede Form einer Staatlichkeit für die Kurden ausschließt.

    Heute treten aber die Wirtschaftsinteressen beider Staaten in den Beziehungen zwischen Teheran und Ankara immer deutlicher in den Vordergrund.

    Besonders zukunftsreich erscheint hier die Gasbranche. Iran besitzt die zweitgrößten Gasvorräte der Welt hinter Russland, während die geographische Lage der Türkei überaus günstige Bedingungen für den Gastransport nach Europa bietet. Zusätzlich wird dieses gegenseitige Interesse dadurch angespornt, dass das seinerzeit so hoch gepriesene Gasprojekt Nabucco jetzt eindeutig auf der Stelle tritt.

    Vor etwas mehr als einem Jahr wurde ein Absichtsmemorandum über den Transport von iranischem und türkischem Gas durch Iran und die Türkei nach Europa unterzeichnet. Beide Länder vereinbarten damals die Gründung eines Joint Ventures für den Gastransport. Ein schiefer Blick der USA auf die türkischen Geschäfte mit Iran genügte aber, dass Ankara eine abwartende Position bezog.

    Ahmadinedschads Verhandlungen in der Türkei gingen zwar mit der Unterzeichnung mehrerer Dokumente zu Ende, in der Frage des Gaspipeline-Baus konnten aber die Seiten keine Einigung erzielen: Ankara schaute wieder zurück auf das Weiße Haus, das wiederum keinen Segen dafür gab.

    Einige türkische Experten nehmen allerdings Ankaras Bemühungen, mit dem iranischen Gaswirtschaft zu kooperieren, skeptisch auf. Nach ihrer Meinung werden alle türkischen Investitionen in den iranischen Öl- und Gassektor vom Weißen Haus blockiert, solange für Iran die US-Sanktionen gelten.

    Als ein tadelloses Nato-Mitgliedsland mit einem guten Ruf im Nahen Osten und ein langjähriger EU-Beitrittskandidat ist aber die Türkei in der Vorstellung sowohl Europas als auch der USA für eine Spitzenrolle in der von Ankara initiierten Organisation „Friedenspakt“ im Kaukasus durchaus geeignet. Ankaras ewiges Zurückschauen auf die USA wird aber im Kaukasus selbst nicht von allen begrüßt.

    Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.

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