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    Kaukasischer Blitzkrieg - nur durch die Kraft der Waffe…

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    MOSKAU, 27. August (Michail Logvinov für RIA Novosti). Wer trägt Schuld am Krieg im Kaukasus?

    Bekannt gewordene Erkenntnisse westlicher Geheimdienste strafen den georgischen Präsidenten Michail Saakaschwili Lügen.

    Nur durch die Kraft der Waffe

    «Ein und für alle Mal müssen wir begreifen, dass wir die verlorenen Territorien niemals zurückgewinnen werden, weder durch das zur Formalität gewordene Gebet noch durch die Hoffnung auf die Liga der Nationen, sondern einzig und allein nur durch die Kraft der Waffe. Adolf Hitler, 1932.»

    Mit diesem Zitat ließ der Fernsehsender des georgischen Militärs SakarTVelo einen Werbespot betiteln, in dem man georgische Jugendliche bei ihrem Einzug in die Armee durch die Tore einer Kaserne marschieren sah.

    Der militante Nationalismus der Regierung von Saakaschwili ließ nicht das erste Mal den Konflikt um Südossetien eskalieren. Ob eine militärische Kampagne gegen Schmuggel wie im Mai 2004 oder die Beschießung von Zchinwali im August desselben Jahres, die der gern an seiner Krawatte kauende Präsident damals als eine „gelungene Operation“ qualifizierte, oder die wiederholte Beschießung von Zchinwali im November 2005 trotz der Einigung auf eine Demilitarisierung - all das zeugt vom Ausbleiben einer ernsthaften politischen Strategie der Regierung zur Wahrung der territorialen Integrität Georgiens.

    In seiner postsowjetischen Geschichte setzt Georgien ganz unmissverständlich auf die militärische Karte beim Umgang mit seinen abtrünnigen Republiken. Die militärische Lösung des innenpolitischen Problems des jungen Demokraten Saakaschwili, der Wahlen manipulieren und Oppositionelle verschwinden sowie die Kundgebungen der Opposition niederknüppeln lässt, ist das Politikfeld der georgischen Regierung nach der Rosenrevolution. Dies erklärt, warum bis heute keine ernsthaften Erfolge bei der Implementierung des 2004 entwickelten Drei-Punkte-Plans zu verbuchen sind.

    Sogar das gewaltlose „adscharische Szenario“ beruhte auf einer massiven Gewaltandrohung und dem Auffahren schweren Geschützes an die innerstaatliche Grenze. Nach der „Reintegration“ (ein bezeichnender Name!) Adschariens schränkte Tiflis seine Autonomie ein - diese Zukunft erwartete auch Südossetien und Abchasien, wenn kein Krieg ausgebrochen wäre. Eigentlich passt der neue Krieg zum Profil der Saakaschwili-Regierung. Dennoch hatte er im Westen mehrere Lesarten.

    Die vielen Lügen des Kaukasuskriegs

    Die Version von Michail Saakaschwili ist bekannt: „Es waren die Russen, die anfingen, sie sind in der Nacht auf Freitag einmarschiert, nur deshalb stießen georgische Streitkräfte nach Südossetien vor, um den Russen den Nachschub abzuschneiden". Und weiter: "Russland hat die Eröffnung der Olympischen Spiele dazu genutzt, um sozusagen in ihrem Windschatten einzumarschieren“, ließ der georgische Präsident erfahren.

    „Wir wollten die russischen Truppen vor den georgischen Dörfern stoppen. Als unsere Panzer nach Zchinwali einrückten, haben die Russen die Stadt bombardiert. Sie - und nicht wir - haben Zchinwali in Trümmern gelegt“, sagte der georgische Präsident im Interview mit dem deutschen Nachrichtenmagazin Der Spiegel (Nr. 34).

    Boris Reitschuster schrieb dazu in einem seiner Kommentare: „Die Aufklärungs-Kapazitäten der USA, also vor allem die Satelliten, waren bis zum 8. August ganz auf den Irak und Afghanistan konzentriert. Washington wurde von der Zuspitzung genauso überrascht wie die Weltöffentlichkeit.“ Diese Behauptung erweist sich als eine Desinformation. Denn US-Kundschafter waren auf dem Laufenden und haben sowohl die Alarmbereitschaft der 58. Armee im Juli registriert als auch die georgischen Truppenbewegungen nach dem Manöver „Direkte Antwort 2008“. Die andere Version ist die von Moskau, vom „Kriegsverbrecher“ und „Genozid“ ist hierbei die Rede. Diese Erklärung stimmt auch nicht ganz.

    Sieg in 15 Stunden - einen Plan B gibt es nicht

    Es gäbe eine Blaupause für den Einmarsch Saakaschwilis aus dem Jahr 2006, die vorsieht, alle wichtigsten Stellungen Südossetiens in 15 Stunden zu erobern. „Einen Plan B, für den Fall des Scheiterns, gibt es nicht“, so der Spiegel (S. 128). In Georgien hat man Ende Juli angefangen, den Plan umzusetzen.

    „Denn auch nach dem Ende des Manövers auf der anderen, der georgischen Seite, tut sich unter den Augen amerikanischer Militärberater Erstaunliches. Präsident Saakaschwili schickt nach dem 30. Juli Teile seiner Armee nicht zurück in die Kasernen, sondern in Richtung Südossetien. Die Artilleriebrigade etwa, die acht Tage später, am 7. August, mit dem Beschluss der südossetischen Hauptstadt Zchinwali beginnen wird, ist eigentlich auf zwei Standorte verteilt, Senaki und Gori. Nun wird sie in Gori zusammengezogen“ (ebd.).

    Die Wahrheit des Georgienkriegs besteht offensichtlich darin, dass der Kreml für einen möglichen Eingriff Georgiens und darauf folgende kriegerische Auseinandersetzungen Vorbereitungen traf (wie in Abchasien im Mai 2008). Georgien brach aber den seit langem geplanten Krieg vom Zaun.

    Auch nach der Niederlage hat Saakaschwili die militärische Lösung des Konflikts nicht verworfen. Auf die Frage des Spiegels, ob er wirklich glaube, dass die Südosseten und Abchasen nach dem Krieg mit Georgien noch etwas zu tun haben wollen, antwortet er unmissverständlich: „Es geht nicht darum, ob sie zu uns zurückkommen, sondern darum, dass wir zu ihnen kommen; diese Gebiete gehören alle zu Georgien.“

    Dass Saakaschwili gelungen ist, seine Motivationen zumindest teilweise zu vertuschen sowie sich als Opfer des gefährlichen Putin-Regimes der Weltöffentlichkeit zu präsentieren, liegt an der Isolierungsstrategie des Westens und der russischen Invasion ins Kernland Georgiens.

    Fakt ist, dass Russland nicht nur den Informationskrieg verloren hat. Der Kreml errang zwar einen taktischen militärischen Sieg. Dennoch dürften die strategischen Verluste wie politische Kosten des „Sechs-Tage-Kriegs“ im Südkaukasus enorm groß sein.

    Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.

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