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    Die Lehren des Kaukasus-Kriegs

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    MOSKAU, 09. September (Ilja Kramnik, RIA Novosti). Der fünftägige Kaukasus-Krieg, der zur Unabhängigkeit von Abchasien und Südossetien geführt hat, endete aus formeller Sicht mit einem klaren Sieg Russlands.

    Die Armee des Aggressors wurde zerschlagen, seine Flotte versenkt, die wichtigsten Militärbasen und Munitionslager durch Luftangriffe zerstört.

    Doch die militärische Operation der russischen Armee deckte eine Reihe von Mängeln in Organisation und Ausrüstung auf, die zu erheblichen Schwierigkeiten geführt hätten, hätte Russland mit einem stärkeren Feind zu tun gehabt.

    Die Diskussionen darüber, wie diese Mängel beseitigt werden können, begannen noch vor dem Ende des Friedenseinsatzes in Georgien. Inwiefern muss sich die russische Armee verändern?

    In den Vordergrund rutschen organisatorische Änderungen. Ohne sie garantieren weder neue Waffen noch Kriegstechnik eine erfolgreiche Kriegsführung. Truppen müssen neue taktische Kampfweisen erlernen. Das trifft insbesondere auf die Luftwaffe zu. Die Landstreitkräfte zeigten in Georgien eine gute Koordination zwischen unterschiedlicher Waffengattungen, während die Luftwaffe vier Flugzeuge, darunter auch einen Fernbomber Tu-22M3 verloren hatte, weil ihr nicht gelungen war, sofort die georgische Luftabwehr zu bekämpfen.

    Die Luftstreitkräfte müssen lernen, mit einem Feind zu kämpfen, der nicht nur kleinkalibrige Flugabwehrkanonen und Fliegerfäuste, sondern eine eigene Kampfjet-Flotte und schwere Flugabwehr-Systeme hat. Auf einen solchen Feind ist die russische Armee im August erstmals seit Ende des Zweiten Weltkrieges gestoßen. Dies rechtfertigt auf keinen Fall die erlittenen Verluste, denn die russische Luftwaffe ist auch beim heutigen Stand der Ausrüstung in der Lage, die georgischen Luftabwehrmittel zu bekämpfen.

    Dennoch muss auch die technische Modernisierung der Luftwaffe im Raum stehen. Die bestehenden Modernisierungsprogramme betreffen hauptsächlich die Luftwaffenverbände und Luftabwehreinheiten rund um Moskau sowie im Fernen Osten. Die 4. Luftarmee, die im Krieg in Südossetien zum Einsatz kam, musste mit veralteten Maschinen aus 80er Jahren auskommen.

    Welche Schritte unternommen werden, um die Situation zu verbessern, ist noch nicht ganz klar. Bekannt ist nur, dass ab 2011 die Lieferungen neuer Technik an die Luftwaffe wesentlich aufgestockt werden.

    Trotz hervorragender Resultate muss auch das Heer verstärkt werden. Aus irgendeinem Grund blieben die Heereseinheiten, die auf dem neusten Stand sind, den Kampfhandlungen im Kaukasus fern. Von der modernen Technik kamen nur Panzerhaubitzen Msta, operativ-taktische Raketensysteme Totschka und Iskander und Mehrfach-Raketenwerfer Smertsch zum Einsatz. Ansonsten wurden vor allem die alten Panzer T-62 und T-72, die Schützenpanzer BMP-1 und BMP-2, die Schützenpanzerwagen BTR-70 und BTR-80, die SFL-Haubitzen Gwosdika und Akazia sowie die Mehrfach-Raketenwerfer Grad genutzt, die noch in den 70er und 80er Jahren gebaut wurden.

    Es entsteht der Eindruck, dass die Armeeführung die neuste Kriegstechnik mit Absicht von den Gefechten fernhält, um das Image der russischen Waffen im Falle des ungünstigen Ausgangs nicht zu riskieren. Diese Politik kann auch eine Gegenwirkung haben: Bei den Menschen kommt nämlich der Verdacht auf, dass die Armee ihren neuen Waffen nicht traut und bei Gefechten auf veraltete, dafür aber bewährte Rüstungen setzt.

    Außerdem ist auch in den Bereichen Aufklärung, Verbindung und Navigation des Heeres seit Mitte der 90er Jahre ein Modernisierungsbedarf erkennbar. Dasselbe gilt auch für verschiedene Hilfsmaschinen wie Bergpanzer oder Funkmessstationen der Artillerie. Die dreitägigen Artilleriegefechte im Raum Zchinwali haben Probleme mit Zielzuweisung und einen Mangel an lenkbarer Munition bei der russischen Artillerie offenbart.

    Am wenigstens wurde die Marine gerügt, die nach Ausbruch des Konfliktes die georgische Küste sicher blockiert hatte. Dennoch sollte man sich keine Illusionen machen: Die meisten Kriegsschiffe der Schwarzmeerflotte sind bereits über 20 Jahre alt und müssen spätestens in 20 Jahren ausgemustert werden. Eine Verstärkung der Marine ist auch angesichts der zunehmenden Spannungen mit der Nato notwendig, um den potentiellen Feind von einer Gewaltanwendung abzuhalten oder zumindest den eigenen Küstenbereich im Kriegsfall zu schützen.

    Auch die georgische Armee, die bei Gefechten in Südossetien schwere Verluste hinnehmen musste, stellt ihre Kampffähigkeit wieder her - mithilfe von Geldern aus den USA und anderen Nato-Staaten. Wenn sich das Regime des georgischen Staatschefs Saakaschwili wieder für eine militärische Operation entscheiden sollte, würde seine Armee mit vorwiegend westlichen Rüstungen kämpfen, die jetzt als Ersatz für die zerstörten Waffen aus sowjetischer Produktion geliefert werden. Auch die Kampfausbildung der georgischen Soldaten wird offenbar verbessert werden. Mit Ausnahme weniger Kampfeinheiten zeigten sich die georgischen Truppen im jüngsten Krieg in hohem Maße unqualifiziert.

    Wenn sich Georgien schon in diesem Herbst für eine erneute Attacke gegen Südossetien und Abchasien entschließen würde, dann wäre von ihr kaum eine neue Qualität zu erwarten. Um ihre Kampfbereitschaft zu erhöhen, braucht die georgische Armee mehr Zeit. Es ist zu hoffen, dass auch die russischen Streitkräfte angemessen verstärkt werden.

    Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.

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