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    Russlands Luftwaffe: Fliegt sie noch oder kämpft sie schon?

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    MOSKAU, 18. September (Ilja Kramnik, RIA Novosti). Das Top-Thema der Militärs nach dem „Fünf-Tage-Krieg“ im Kaukasus ist die geplante Umrüstung der russischen Streitkräfte.

    Besonders akut ist dieses Problem in der russischen Luftwaffe. Mit welcher neuen Technik kann die Luftwaffe in der absehbaren Zukunft rechnen? Wie wird sich ihr äußeres Erscheinen ändern?

    Dem Umrüstungsprogramm liegt die allumfassende Modernisierung der vorhandenen Flugtechnik zugrunde. Für fast alle Kampfjets und Hubschrauber und für fast alle Versorgungsmaschinen wurden entsprechende Modernisierungsprogramme entwickelt.

    Doch das Tempo der Umsetzung dieser Programme lässt fast immer zu wünschen übrig. Mehr oder weniger intensiv werden derzeit das Jagdflugzeug Su-27 sowie der Langstreckenbomber Tu-160 modernisiert, die Modernisierung des Jagdbombers Su-24 läuft allmählich an, doch andere Programme hinken immer noch hinterher.

    Die traurigen Folgen dieser bedächtigen Modernisierung bekam unsere Luftwaffe während des jüngsten Kaukasus-Kriegs zu spüren, denn die Verluste waren vergleichsweise beträchtlich. Die Hauptursache aber liegt darin, dass dabei die alten Jagdbomber SU-25 zum Einsatz kamen, obwohl die neuesten modernisierten Jagdbomber Su-25SM, die ebenfalls im Laufe des Konflikts zum Zuge kamen, die besten Kenndaten und eine geringe Angreifbarkeit gezeigt haben.

    Die Erneuerung der gesamten Jagdbombenfliegerkräfte könnte dabei eine große Hilfe sein, doch sie wird nur schleppend umgesetzt - von über 200 Jagdbombern des Typs Su-15 sind bis heute in den letzten zwei Jahren nach vorhandenen Angaben lediglich 20 modernisiert worden.

    Eine radikale Lösung dabei wäre, eine neue Maschine vom Typ Su-39 in die Serienproduktion zu nehmen - einen modernen Jagdbomber also, der mit der neuesten Avionik und mit den modernsten Präzisionswaffen ausgestattet ist. Doch ob das Verteidigungsministerium solche Pläne überhaupt in der Schublade hat - darüber ist uns bis heute nichts bekannt.

    Es gibt auch Fragen in Bezug auf die Modernisierung von an der Front einsetzbaren Jagdbomber. Ja, es stimmt, es gibt ein Modernisierungsprogramm des Flugzeugs vom Typ Su-24M2, es gibt eine gerade in die Serienproduktion genommene Maschine vom Typ Su-34, doch die überwiegende Mehrheit von nahezu 400 Flugzeugen (Bomber und Aufklärer) auf der Basis der Su-24-Maschine besteht aus nicht modernisierten Maschinen. Außerdem ist unsere Kriegsmarine ebenfalls mit solchen Flugzeugen bewaffnet, die genauso dringend modernisierungsbedürftig sind.

    Die Zahl von Flugzeugen vom Typ Su-24M2 in unserer Luftwaffe beläuft sich zurzeit auf knapp 30, doch das Ausliefertempo der Flugzeuge ist offensichtlich unzureichend. Dasselbe lässt sich auch über die Maschine vom Typ Su-34 sagen - sogar die bescheidenen Zahlen, die vom Staat für die Jahre 2006 bis 2015 veranschlagt wurden, werden nicht eingehalten. Diese Mängel erfolgen aufgrund der hohen Inflation und der Preisexplosion, doch dies ist nicht die einzige Ursache.

    Im Großen und Ganzen kann festgestellt werden, dass fast alle Umrüstungsprogramme der Luftwaffe mit solchen oder ähnlichen Problemen zu kämpfen haben. Das Tempo der Umrüstung hinkt sogar hinter dem Plan und den tatsächlichen wachsenden Bedürfnissen hinterher, weswegen radikale Schritte mehr als überfällig sind.

    Entweder lassen wir unsere Luftwaffe auf das Niveau von 1000 bis 1200 Flugzeuge und Hubschrauber sinken (heute verfügt sie über 2800 Maschinen), oder wir denken darüber nach, wie die Luftwaffe finanziert werden kann.

    Um wenigstens das aktuelle Niveau der Kampfbereitschaft der Luftstreitkräfte beibehalten zu können, sollte sie mindestens 100 bis 120 modernisierte Flugzeuge und mindestens 60 bis 80 absolut neue Maschinen im Jahr bekommen, was dreimal so viel ist, wie es derzeit technisch machbar wäre.

    Dabei muss erkannt werden, dass die erste Variante, das heißt der Abbau der Luftwaffenflotte, das ganze Problem nur verschlimmern würde, denn die jetzigen für den Einsatz vorgesehenen Flugzeuge entsprechen bei weitem nicht den Sicherheitsbedürfnissen des Landes.

    Sollten die Luftstreitkräfte noch „schlanker“ werden, würde Moskau demnächst nur soviel Flugzeuge haben, um in einem lokalen Konflikt mit geringerer Intensität bestehen zu können. Jegliche Auseinandersetzung mit einer Supermacht oder mit einem Bündnis wie der NATO würde dann unweigerlich in einen Konflikt mit Atomwaffeneinsatz münden.

    Es bleibt zu hoffen, dass unsere Staatsführung die nötigen Gelder für die Umrüstung der Luftstreitkräfte findet und bereitstellt, ohne dabei auf die Zwangsverschlankung der Luftwaffe zurückgreifen zu müssen. Doch auch das wäre nur der Anfang gewesen, denn ähnliche Probleme stehen auch vor den anderen Teilstreikräften.

    Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.

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