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    Weltwirtschaft vor der Apokalypse?

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    MOSKAU, 18. September (Wlad Grinkewitsch, RIA Novosti). Die vor einem Jahr begonnene Finanzkrise erreicht ihren vorläufigen Höhepunkt: Etliche Pleiten von großen Finanzhäusern erschütterten die USA.

    Die jüngsten Ereignisse wie die Übernahme des Investmentgiganten Merill Lynch durch die Bank of America, sowie die Insolvenz der großen Investmentbank Lehman Brothers ließen die Ökonomen vom Anfang einer tiefen Krise sprechen, die nur mit der Großen Depression der 30er Jahre zu vergleichen wäre. Einige Soziologen und Geschichtswissenschftler sehen darin bereits das längst vorhergesagte Ende des „US-Imperiums“ und wahrscheinlich auch der gesamten Weltordnung in der heutigen Zeit.

    Die Investoren versuchten bis zum bitteren Ende die Hoffnung nicht zu verlieren und glaubten an die Rettung der Investmentbank Lehman Brothers, obwohl diese Institution seit Jahresanfang fast 90 Prozent seines Marktwerts eingebüßt hatte. Die Rettung könnte beispielsweise in Form einer staatlichen Übernahme geschehen.

    Alles wies auf diese Lösung, doch im letzten Moment haben die potentiellen Käufer - Barclays Bank aus Großbritannien und Bank of Amerika - ihre Angebote zurückgezogen. Es wird gemunkelt, dass die US-Regierung einfach keinen Mut aufbringen konnte, um Garantien für die langfristigen Schulden dieser Bank zur Verfügung zu stellen. Die Schulden aber sind beträchtlich gewesen - 128 Milliarden US-Dollar.

    Die Beobachter sind sich sicher, dass noch kein Ende in Sicht ist und die Zahl der Insolvenzen weiter wachsen wird. Seit dem Beginn der Krise sind bereit elf US-Unternehmen Konkurs gegangen. Es werden Hunderte, wenn nicht Tausende neue Insolvenzen vorhergesagt. Der ehemalige Chef der Federal Reserve (US-Zentralbank), Alan Greenspan, hat bereits die aktuelle Krise als die schwerste seit Ende des Zweiten Weltkriegs bezeichnet.

    Niemand könnte jetzt genau vorhersagen, welche Folgen die aktuelle Finanzkrise für die USA haben würde, doch die Geschichte kennt viele Beispiele, wie ein riesiges Imperium, das in sich die halbe Welt durch ihre Sprache, Ideologie, Religion, Verwaltung und Wirtschaft vereint hielt, in sich zusammenbrach, weil einfach die Struktur dieses Imperiums zu kompliziert wurde.

    Eine einfache These liegt der Wirtschaft fast aller Länder (die USA bilden hier keine Ausnahme) zugrunde - die Nachfrage bestimmt das Angebot. Doch die massenhafte Warenanfertigung führt dazu, die eigene Nachfrage zu produzieren. Dieser Prozess wiederholt sich unzählige Male, was dann dazu führt, dass das Wirtschaftssystem unkontrolliert in alle Richtungen wachsen kann.

    Doch halt! Kein System der Welt ist dazu in der Lage, unendlich zu wachsen. Solange die Vereinigten Staaten Zugang zu den globalen Ressourcen haben, ist die US-Wirtschaft auch in der Lage, den hohen Lebensstandard der Bürger zu gewährleisten. Doch versiegt der scheinbar unendliche Ressourcenstrom, bricht das System in sich zusammen wie ein Kartenhaus.

    Um dieses System zu retten, müssen die Amerikaner es von Grund auf umkrempeln. In den 80er Jahren wurde in den Köpfen von westlichen Zukunftswissenschaftlern eine womöglich rettende Idee für die postindustrielle Gesellschaft geboren. Es handelte sich um ein marktwirtschaftliches Pendant zum Kommunismus.

    Es wurde angenommen, dass die neuesten wissenschaftlichen Entdeckungen und die technologischen Durchbrüche uns helfen würden, mit den sich häufenden wirtschaftlichen, ökologischen und demographischen Problemen fertig zu werden. Einer der wichtigsten Charakterzüge der Informationsgesellschaft ist die herausragende Rolle der Bildung und der Wissenschaft insgesamt. Der Kern dieser auf Technologie orientierten Wirtschaft würde kein Industriebetrieb, sondern eine Universität zusammen mit einem Zentrum für Entwicklung und Umsetzung innovativer Technologien, sprich ein Technopark, bilden.

    Doch alles kam anders - zumindest nicht so, wie es sich Kapitalismus-Utopisten vorgestellt hatten. Das Herz der Wirtschaftssysteme führender Industrienationen bilden nicht Unis samt Technoparks, sondern Banken und Börsen. Das eigentliche Subjekt des Wirtschaftssystems ist kein Wissenschaftler, sondern ein Börsenspekulant.

    Die finanzielle Komponente innerhalb des US-Wirtschaftssystems begann Ende des letzten Drittels des 20. Jahrhunderts rasch zu wachsen. Die Ergebnisse: ein Kreditberg und eine Finanzblase. Das heißt, jenes System, in dem die Rendite nicht mehr von der real produzierenden Wirtschaft abhängen, sondern als Folgen komplizierter Finanzoperationen entstehen.

    Die eigentliche produzierende Wirtschaft, wurde, ohne die Folgen des Technologie-Durchbruchs jemals zu spüren zu bekommen, als „industrieller Ballast“ in die Länder der Dritten Welt mit den billigen Arbeitskräften abgeschoben. Die USA konnten, indem sie ihr industrielles Potential in alle Länder der Welt zerstreut haben, die Geldströme kontrollieren - jene Ströme, die die US-Staatskasse speisten und das ganze Land in einen Verbrauchermarkt mit schier unbegrenzten Möglichkeiten verwandelten.

    Gerade hier liegt die schlimmste Gefahr für Amerika sowie für die Länder, deren Wirtschaften eng mit dem US-Wirtschaftssystem verflochten sind. Es wurde schon tausendmal gesagt, dass die Finanzblase irgendwann platzen würde. Doch es war so verlockend und vor allem so günstig und lukrativ, Geld aus Geld zu machen, dass die Kapitalanlagen in diesem „Finanzblasen“ viel größer als die in der produzierenden Wirtschaft waren. Nun droht die aktuelle Finanzkrise die Kontrolle über die so genannte „wirtschaftliche Peripherie“ zu zerstören.

    Die Verringerung der zahlungsfähigen Nachfrage wird zur Krise der Überproduktion in den Herstellerländern sowie zu einem Kollaps der auf der Rohstoffgewinnung basierenden Wirtschaftssysteme führen. Der Anfang dieses Prozesses ist bereits jetzt zu sehen - die Wirtschaften von China, Indien und von den südostasiatischen Staaten wachsen nicht so schnell, die Brennstoffpreise gehen nach unten, wodurch die Fondsmärkte der Rohstoff exportierenden Länder ebenfalls ins Bodenlose zu fallen beginnen.

    Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.

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