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Russland in der Zwickmühle: Israel oder Iran?

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MOSKAU, 08. Oktober (Andrej Murtasin, RIA Novosti). Der neueste Russland-Besuch von Israels Premier Ehud Olmert ist, wie es üblicherweise heißt, „hinter verschlossenen Türen“ verlaufen.

Angesichts der Medienberichte im Vorfeld des Besuchs ist das auch nicht verwunderlich. So schrieb die israelische Zeitung „Haaretz“, das Hauptziel des Besuchs Olmerts bestehe darin, Russland von den geplanten Raketengeschäften mit Staaten abzuraten, die als Israels Feinde gelten. Nach Ansicht der israelischen Regierung würden die in Aussicht genommenen Lieferungen russischer S-300-Raketenkomplexe an Iran und Syrien „das militärstrategische Kräfteverhältnis im Nahen Osten stören“.

Dabei war Olmert nicht mit leeren Händen nach Moskau gereist. So beschloss das israelische Kabinett, das Sergius-Pilgerhaus in Jerusalem, das an der Schwelle zum 20. Jahrhundert mit russischem Geld gebaut worden war, Moskau zurückzugeben. Außerdem verpflichtete sich Tel Aviv, auf die militärische Zusammenarbeit mit Georgien zu verzichten, was für Israel einen Verlust von millionenschweren Verträgen bedeutet. Hinzu kam, dass Israel und Russland kurz vor dem Besuch die Visumspflicht abgeschafft hatten.

Laut russischen Militärquellen verfügt Iran heute über zehn Fla-Raketenkomplexe des Typs S-200 und sechs S-300-Komplexe der alten Modifizierung, die bereits Mitte der 90er Jahre heimlich bei Weißrussland gekauft wurden.

Was Syrien anbelangt, stehen den Streitkräften dieses Landes S-200-Komplexe sowie Jagdflugzeuge des Typs MiG-25 und MiG-31 zur Verfügung. Diese Waffen haben Israels Kampfflugzeuge allerdings nicht daran gehindert, am 6. September 2007 in den syrischen Luftraum einzudringen und ein „mysteriöses Objekt“ im Nordosten des Landes zu zerbomben und unversehrt zurückzukommen.

Es ist ein offenes Geheimnis, dass Russland seine Zusammenarbeit mit Iran sowohl in der Energiewirtschaft als auch im militärtechnischen Bereich intensiviert hat, je mehr sich die russisch-amerikanischen Beziehungen verschlechtert haben. So versprach Wladimir Putin während seines Iran-Besuchs im Oktober 2007 dem iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad, das AKW in Bushehr fertig zu bauen. Außerdem hat Russland Teheran mehrmals vor scharfen Sanktionen des UN-Sicherheitsrats bewahrt, was Iran allerdings nicht mit Dank, sondern als Selbstverständlichkeit aufgenommen hat.

Wie die Zeitung „Kommersant» beichtete, hatte Iran von Russland 2006 bereits 29 Fla-Raketenkomplexe des Typs Tor-M1 und Tor-M1T bekommen. Ein Jahr später folgten Lieferungen von 1200 Raketen für diese Komplexe. Am meisten befürchtet aber Israel, dass Russland ein bereits paraphiertes Abkommen mit Iran über die Lieferung von fünf S-300-PMU1-Komplexen umsetzt. Diese Flugabwehrsysteme könnten sich beim Einsatz gegen moderne westliche Kampfflugzeuge als überaus effektiv erweisen.

Außerdem will Russland im Zeitraum von 2008 bis 2010 36 Luftabwehrkomplexe des Typs Panzir-S1 an Syrien liefern, berichtete „Kommersant“.

In der gesamten postsowjetischen Zeit ist Russland bei seiner Nahostpolitik dem Prinzip der „gleichen Sicherheit“ für Israel und die Araber treu geblieben. In den letzten zwei Jahren aber revidiert aber Moskau sein „ausgewogenes Herangehen“ zu Gunsten der Araber und Irans als eine Reaktion auf die US-Raketenschild-Pläne für Europa und auf das Streben Washingtons, die Nato durch die Ukraine und Georgien zu erweitern. Gerade zu diesem Zeitpunkt intensivierte sich auch die militärtechnische Zusammenarbeit Russlands mit Iran und Syrien.

Einerseits wäre es für Russland logisch, die antiisraelische und antiamerikanische Karte als Antwort auf die Aufrüstung des Marionettenregimes von Michail Saakaschwili in Georgien durch den Westen auszuspielen. Dies wäre aber ein riskantes Spiel. Iran, das von Russland als ein „regionaler strategischer Partner“ bezeichnet wird, ignoriert demonstrativ alle Resolutionen des UN-Sicherheitsrats, die ihn zur Einstellung der Urananreicherung und zum Abbau seines Atomprogramms auffordern.

Teherans Ziel ist offensichtlich: Es will eine regionale Nuklearmacht werden. Von diesem Ziel ist es gar nicht so weit entfernt. Nach Angaben der israelischen Aufklärung könnte Iran bereits 2010 bis 2012 seine eigene Atombombe bauen. Es gibt keine Garantie dafür, dass die jetzige Führung der Islamischen Republik, die verspricht, „zionistisches Gebilde“ (Israel) „auf der Landkarte auszulöschen“, nicht sein künftiges Atomwaffenarsenal für diese Zwecke einsetzen würde.

Ein solches Szenario ist eindeutig nicht im Interesse Russlands. Moskau ist zwar bereit, seine Verpflichtungen bezüglich des Baus des AKW in Bushehr und der Lieferung von Kernbrennstäben einzuhalten. Jedoch wie auch der Westen ist es dagegen, dass Iran die Atombrennstoffe bei sich zu Hause produziert.

Nun steht Russland vor einem Dilemma: Israel oder Iran und Syrien. Vorerst hüllt sich der Kreml in Schweigen. Selbst aber wenn Moskau den Verkauf modernisierter S-300-Komplexe genehmigt, werden die russischen Rüstungsbetriebe mindestens ein Jahr brauchen, um diese zu bauen. Ungefähr genauso viel Zeit wird erforderlich sein, um iranische Fachleute auszubilden. In der Zwischenzeit könnten die USA und Israel vorbeugend die Nuklearobjekte in Iran zerstören, wie das bereits 1981 im Irak der Fall war.

Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti überienstimmen.

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