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    Putin-Straße in Grosny: Bekenntnis zu stärkstem Mann Russlands * Russland will Image mit Not-Kredit für Island verbessern * Renault-Chefdesigner soll neuen Ladas schöneres Image verpassen * Russlands Ölkonzerne hängen am Geldtropf des Westens * Verbrechenswelle in Russland nach Massenentlassungen aus Gefängnissen befürchtet

    MOSKAU, 08. Oktober (RIA Novosti)

    „Gazeta.Ru“: Putin-Straße in Grosny: Bekenntnis zu stärkstem Mann Russlands

    Die Benennung einer Straße in der tschetschenischen Hauptstadt Grosny nach Wladimir Putin war ein russlandweites Ereignis, schreibt die Internetzeitung „Gazeta.Ru“ am Mittwoch.

    Dies ist eine Bekundung, die nicht Putin als Ex-Präsident und auch nicht der Privatperson Putin gilt, sondern Putin als Regierungschef angesichts des ständigen Streits über das Kräfteverhältnis des Machttandems.

    Dies ist eine Bestätigung dafür, wie kompliziert dieses Verhältnis ist, wie auch ein Zeichen dafür, auf wessen Seite eine einflussreiche und recht große Elitengruppe steht - und zwar nicht bloß in einer der 80 Regionen.

    Seinerzeit war Tschetscheniens Präsident Ramsan Kadyrow derjenige gewesen, der ständig das Thema einer dritten Amtszeit Putins angesprochen hatte. Zwar hat er dabei seine persönliche Einstellung dazu und sein persönliches Interesse daran bekundet, zugleich war dies aber auch Manifestation einer der Elitenparteien. Diese siegte damals nur deshalb nicht, weil Putin selbst das nicht wollte.

    In der jetzigen undurchsichtigen Konfrontation innerhalb dieses Machttandems war das keine servile Aktion, sondern eine in der Form eines servilen Akts gerichtete Botschaft, und zwar nicht nur von Kadyrow, sondern auch von einem Teil der Eliten.

    Das Feld für solche symbolhaften Gesten war dabei von Präsident Dmitri Medwedew selbst eröffnet worden. Bei einem Quasi-Wettstreit mit Putin um die Glorifizierung von Alexander Solschenizyn erklärte der Präsident in Erwiderung des Vorschlags des Premiers, Solschenizyns Werken in den Schulen mehr zu fördern: „Und ich schlage vor, auch eine Straße nach ihm zu benennen.“ Somit machte er selbst den Bereich der Straßen- und Städte-Umbenennungen zu einer Sphäre der politischen Manifestationen.

    All das wird noch lange nur ein Krieg der Gesten und nur der kodierten Botschaften der beiden Lager und an die Öffentlichkeit bleiben. Eines steht aber außer Zweifel: Der Hauptunterschied zwischen Putin von heute und Putin von 2006 und 2007: Damals konnte er nicht als Russlands Präsident wiedergewählt werden, heute kann er das, und zwar noch zwei Mal hintereinander. Übrigens: Bei den nächsten Präsidentenwahlen würde Putin laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Lewada-Zentr 58 Prozent der Stimmen bekommen und Medwedew nur 28 Prozent.

    Bei allen Besonderheiten des Führungsstils Putins als Präsident ist er anständig geblieben und hat kein Interesse an seiner Glorifizierung in Form von Orden, Denkmälern oder Straßennamen gezeigt. Mit der Straßenumbenennung in Grosny wurde nun dieser Rahmen überschritten. Nun geht es darum, ob Putin als Premier einen Anlass oder einen Weg findet, sich von dieser Straßenumbenennung zu distanzieren und eine Aufhebung dieses Beschlusses durchzusetzen.

    Russlands Presse: Russland will Image mit Not-Kredit für Island verbessern

    Erstmals in seiner Geschichte könnte Russland einem westlichen Land und Nato-Mitglied Finanzhilfe erweisen: Es handelt sich um Island, dessen Regierung keine EU-Hilfe für seine angeschlagene Wirtschaft bekam, schreiben die Zeitungen „RBC Daily“ und „Kommersant“ am Mittwoch sowie die Internetzeitung „Gazeta.Ru“ am Dienstag.

    Nach Ansicht von Experten ist dies in erster Linie eine Image-Frage: Moskaus politischer Gewinn aus diesem Geschäft würden das Finanzrisiko wettmachen. Dabei bemüht sich Russlands Regierung schon seit langem darum, dem Westen seine Dialogbereitschaft zu signalisieren und davon zu überzeugen, dass es sinnlos ist, Angst vor Russland und dessen Geldexpansion zu haben.

    Der in Frage kommende Kredit in Höhe von vier Milliarden Euro (der gesamte Haushalt Islands macht zehn Milliarden Euro aus) beträgt zwar weniger als ein Prozent der Gold- und Devisenreserven Russlands, er könnte aber Moskau solide politische Dividenden bringen.

    Der Zustand von Islands Finanzmarkt ist schon seit langem kritisch. Die dortigen Banken haben Geld im Ausland gepumpt und sind nach der neuesten Zuspitzung der Finanzkrise einfach nicht in der Lage, ihren Zahlungsverpflichtungen nachzukommen.

    Island hatte seinerzeit Bereitschaft signalisiert, die eigene Währungseinheit zu Gunsten des Euro aufzugeben, die EU erwiderte jedoch darauf, dass eine Diskussion darüber sinnlos ist, solange Island kein EU-Staat ist. Nachdem der Hilferuf aus Reykjavik von der EU abgewiesen wurde, musste nach neuen Freunden gesucht werden.

    Wie Jewgeni Nadorschin, leitender Wirtschaftsexperte der Investmentbank Trust, feststellte, hat Russland beschlossen, sich im Westen einen Freund anzuschaffen, der ihm in Zukunft sehr dankbar sein wird. Der Politologe Juri Schewzow meinte, dass die engen Beziehungen mit Island hinsichtlich der Kontrolle über die Arktis sehr wichtig wären. „Einen russischen Militärstützpunkt wird es dort zwar natürlich nicht geben, jede Präsenz russischer Bankleute, Investoren oder Unternehmer in diesem Land wäre aber positiv. Island ist zwar klein, es liegt aber in einer strategisch wichtigen Region der Welt.“

    Die bisherigen russisch-isländischen Beziehungen beschränkten sich bisher auf einen Warenumsatz von 100 Millionen Dollar im Jahr und ein gemeinsames Institut für geothermale Energieforschungen. Inoffiziell bekundeten Roman Abramowitsch, Ex-Gouverneur von Tschukotka, der die Insel mehrmals besucht hatte, sowie Unternehmen von Industriemagnat Oleg Deripaska Interesse an Investitionen in diesem Land.

    „Gazeta.Ru“: Renault-Chefdesigner soll neuen Ladas schöneres Image verpassen

    Der Chefdesigner von Renault, der 51-jährige Brite Anthony Grade, der 20 Jahre lang Modelle für den französischen Autobauer entwarf, wechselt zum russischen Autohersteller AvtoVAZ, um am Image der neuen Lada-Generation zu feilen, schreibt die Internetzeitung „Gazeta.Ru“ am Dienstag.

    Dieser Schritt findet laut einem Beschluss von Renault statt, der Hauptaktionär und strategischer Partner von AvtoVAZ ist.

    Grade sagte, die Möglichkeit, im russischen Werk ein neues Team junger Designer zusammenzustellen und es auf ein internationales Niveau zu führen, inspiriere ihn.

    Die ersten von ihm entworfenen Modelle würden in etwa drei Jahren in Serie gehen, sagen Experten. Ihnen zufolge stellt die Ankunft eines ausländischen Fachmannes eine Chance für das russische Unternehmen dar.

    „Schlechter als jetzt wird es bei AvtoVAZ nicht mehr“, betonte der Experte für Autodesign und Art Director des Studios Slava’Saakyan, Swjatoslaw Saakjan.

    „Die Ankunft Grades bietet die Möglichkeit, viel zu lernen. Designer seines Niveaus zeichnen selten selbst. Für gewöhnlich handelt es sich um erfahrene Leiter: Sie stellen dem Team eine Aufgabe und wissen, wie sie von ihm das erhalten, was sie brauchen“, so Saakjan.

    Unschöne und unprofessionell entworfene Modelle seien nicht auf eine schlechte Arbeit der Designer, sondern auf Fehlkalkulationen des Managements des Unternehmens zurückzuführen. „Wenn Grade nicht gestört wird, kann er den Zustand des russischen Unternehmens wesentlich verbessern“, sagte Saakjan.

    Zugleich könnte AvtoVAZ zusammen mit ausländischen Erfahrungen jedoch auch schlechte Angewohnheiten des französischen Partners übernehmen: Experten aus dem Designbüro von Renault zufolge konzentriert sich das Team auf die Entwicklung konzeptueller Modelle. Zugleich wird jenen Modellen, die in der Folge in Serie erscheinen, zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt.

    „Letztendlich erscheinen viele nicht besonders geglückte beziehungsweise professionell projizierte Autos, wie der Renault Logan, in Serie“, sagte Saakjan.

    „Kommersant“: Russlands Ölkonzerne hängen am Geldtropf des Westens

    Die großen russischen Erdöl- und Gasunternehmen bitten um die staatliche Unterstützung, schreibt die Tageszeitung „Kommersant“ vom Mittwoch.

    Die größten russischen Erdöl- und Gaskonzerne, darunter auch Gazprom, Lukoil, Rosneft und TNK-BP, haben erstmals zugegeben, dass sie finanzielle Schwierigkeiten haben. Sie besitzen zu wenig liquide Mittel, um die Kredite bei den westlichen Banken zu bezahlen. Diese Darlehen aber sind notwendig, um die Produktion aufrechtzuerhalten und die Senkung der Fördermengen abzuwenden. Aus diesem Grund haben sie den russischen Ministerpräsidenten Wladimir Putin um Hilfe gebeten.

    Am 24. September hatten sich die vier russischen Energiekonzerne (sie alle fördern 70 Prozent des russischen Erdöls und 91 Prozent des Gases) in einem Bittschreiben an den Staat gewendet. In diesem Brief wird erwähnt, dass die russische Energiebranche bei den westlichen Banken insgesamt mit 80 Milliarden US-Dollar in der Kreide steht, man benötige das Geld jedoch nicht nur, um die Gläubiger auszahlen zu können.

    Die Erdöl- und Gasunternehmen bitten Putin „das Finanzministerium und die russische Zentralbank zu beauftragen, einen Mechanismus zur Finanzierung strategischer Projekte auszuarbeiten“. Man könnte dies „auf der Grundlage von staatlichen Zielkrediten tun, sowie von anderen Wertpapieren, die dabei als Deckung fungieren könnten“. Allerdings nannten die Konzerne die benötigte Summe nicht.

    Die Zeitung schreibt weiter, dass die Tatsache, dass Gazprom auch dabei sei, Befremden hervorruft. Bereits am 23. September sagte Gazprom-Chef Alexej Miller, der Gasmonopolist sei von der weltweiten Finanzkrise nicht betroffen, dass Gazprom genauso groß sei, wie vor der Krise. Gestern sagte eine Quelle im Konzern, man möchte sich absichern und man bittet um Geld nur „für den Fall des Falles“: „Es ist in einer Krisenzeit für unsere Aktionäre wichtig zu wissen, dass man nötigenfalls auf eine Notfinanzierung zurückgreifen kann“.

    Denis Borissow vom Investmentunternehmen Solid ist der Meinung, dass das in der Erdöl- und Erdgasbranche vorhandene Geld von den für die Aufrechterhaltung der geplanten Fördermengen nötigen Ausgaben aufgefressen werde. Die benötigte Geldmenge sei erst bei einem Erdölpreis von mindestens 100 US-Dollar je Barrel aus eigener Kraft zu gewährleisten. Für die Bedienung der Schulden bleibt kein Cent übrig, denn die Unternehmen wollten ursprünglich dieses Problem durch neue Kredite lösen. Doch nun sei es fast unmöglich, günstiges Geld auf dem Markt zu leihen.

    „Die meisten internationalen Investoren haben Russland von ihren Listen gestrichen“, meint Jewgeni Retjunski von der Expobank (Tochterbank der britischen Barclays Bank). Die meisten russischen Banken drehen ebenfalls jeden Cent zwei Mal um, bevor sie ein Darlehen gewähren. Der russische Markt für öffentliche Schulden sei mindestens bis zum Jahresende geschlossen, sagt Oleg Gordijenko von der Raiffeisenbank.

    „Nowye Iswestija“: Verbrechenswelle in Russland nach Massenentlassungen aus Gefängnissen befürchtet

    Aus russischen Gefängnissen werden massenhaft Verbrecher entlassen, die in den 90er Jahren wegen Raub und Mord zu langen Haftstrafen verurteilt worden waren, berichtet die Zeitung „Nowye Iswestija“ am Mittwoch.

    Experten sind überzeugt, dass die meisten der Strafkolonie-Insassen, die zehn bis 15 Jahre in Haft waren, jeglichen Kontakt zur Gesellschaft verloren haben.

    Bürgerrechtlern zufolge wird deren Rückkehr zu einer Zunahme der Kriminalität führen, da der Staat bislang über keine Mechanismen für die Rehabilitierung und die Arbeitsbeschaffung für Inhaftierte verfügt.

    Bis Jahresende werden insgesamt 14 000 Menschen aus Gefängnissen im Gebiet Swerdlowsk entlassen. In den vergangenen zwei Jahren waren es rund jährlich 8000. Damals kamen die Arbeitsämter nicht mit der Flut der Arbeitssuchenden zurecht. „Unsere Region ist nicht für solch einen gewaltigen Andrang früherer Verbrecher bereit. Diese Menschen haben nichts - weder eine Wohnung noch einen normalen, gefragten Beruf“, betonte der Pressesprecher des Menschenrechtsbevollmächtigten des Gebiets Swerdlowsk, Viktor Wachruschew.

    Laut Angaben des russischen Innenministeriums findet nur einer von fünf Häftlingen nach seiner Entlassung eine Arbeit. Viele kehren ohne Dokumente zurück, da die Ermittlungsorgane und Gerichte die Pässe oft verschlampen.

    Deshalb haben die ehemaligen Verurteilten keine andere Wahl, als zur Kriminalität zurückzukehren. Statistisch gesehen werden 60 Prozent der ehemaligen Gefängnisinsassen rückfällig.

    „Da sie in Freiheit keine Unterstützung finden, werden sie alles Mögliche tun, um wieder hinter Gitter und in die Umgebung zu kommen, die ihnen mit den Jahren vertraut wurde. Ich zweifle nicht daran, dass in der nächsten Zeit, wenn jene in Freiheit entlassen werden, die bereits in den 90er Jahren ins Gefängnis kamen, eine neue Welle der Kriminalität beginnt“, sagte der Kriminalpsychologe und Leiter des Zentrums für rechtliche und psychologische Hilfe in Extremsituationen, Michail Winogradow.

    In Russland gibt es bislang keine staatliche Rehabilitierung für ehemalige Gefängnisinsassen, die sie psychologisch unterstützen und ihnen helfen, eine Arbeit zu finden.

    Die einzige Einrichtung dieser Art ist das Potapenko-Büro in Jekaterinburg, das jedoch nicht vom Staat, sondern von einem ehemaligen Gefängnisinsassen gegründet wurde, teilte der Direktor der Bewegung „Für die Menschenrechte“, Lew Ponomarjow, mit.

    „Ich war selbst im Gefängnis und bin jetzt ein Obdachloser. Ich weiß, wie das ist, entlassen zu werden und nichts und niemanden zu haben. Wir nehmen Menschen auf, die weder eine Wohnung noch Dokumente haben. Wir bringen sie in Wohnwagen unter, beschaffen ihnen eine Arbeit auf dem Bau und helfen ihnen, ihr Problem mit den Pässen zu lösen“, erzählte der Gründer des Büros, Juri Potapenko, in einem Interview für die Zeitung „Nowye Iswestija“.

    RIA Novosti ist für den Inhalt der Artikel aus der russischen Presse nicht verantwortlich.

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