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    Gezerre um Gaspreisformel für Weißrussland

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    MOSKAU, 08. Oktober (Oleg Mitjajew, RIA Novosti). Der russische Ministerpräsident Wladimir Putin hat am vergangenen Montag das Nachbarland Weißrussland besucht.

    Unter den zahlreichen Themen in Minsk spielten die Gaspreise für Weißrussland im kommenden Jahr sowie ein Darlehen in Höhe von zwei Milliarden US-Dollar, das Minsk von Moskau bekommen möchte, um das russische Gas zu bezahlen, eine wichtige Rolle. Das Tauziehen zwischen Moskau und Minsk um die Gaspreise wird sich offensichtlich in die Länge ziehen, eine Lösung ist kaum vor dem Jahresende zu erwarten, vielleicht wird sie erst im kommenden Frühling gefunden.

    Der russische Regierungschef schlug dem weißrussischen Staatschef Alexander Lukaschenko sowie seinem Amtskollegen Sergej Sidorski viel Interessantes vor, darunter auch eine Zusammenarbeit bei der Entwicklung von Nanotechnologien und der Erschließung des Weltalls.

    Die russische Seite bot abermals an, alsbald eine gemeinsame Währung in den Umlauf zu bringen, doch nicht in Form einer „Währungsunion“ (diese Idee wurde von Lukaschenko bereits mehrmals verworfen) sondern eines „Währungspools“. Das heißt, der weißrussische Rubel könnte an den russischen Rubel gekoppelt werden. Putin stellte seinen Partnern in Minsk ebenfalls die Möglichkeit in Aussicht, das russische Gas mit Rubeln zu bezahlen.

    Doch keine konkreten Lösungen wurden gefunden, keine Entscheidungen getroffen. Die Entscheidungen in anderen Bereichen wie Darlehen und Gaspreise blieben ebenfalls aus. Vor einem Jahr hatte Russland bekanntlich seinem Nachbarstaat ein Darlehen in Höhe von 1,5 Milliarden US-Dollar gewährt. Nun wollen die Weißrussen einen weiteren Kredit in Höhe von zwei Milliarden. Russland kündigte nach den Verhandlungen vom Montag an, dieses Darlehen „auf der Grundlage des gegenseitigen Vorteils“ gewähren zu wollen.

    Was die Gaspreise für den weißrussischen Bruderstaat anbelangt, so werden sie gemäß einem zwischen den Energiekonzernen Gazprom und Beltransgas Ende 2006 abgeschlossenen Vertrag und auf der Grundlage „einer Preisformel“ bestimmt. Gemäß dieser Formel beträgt der Gaspreis für das dieses Jahr 67 Prozent vom üblichen Marktpreis. Für das kommende Jahr sind 80 Prozent des üblichen Marktpreises angepeilt, für das Jahr 2010 sogar 90 Prozent. Während der Gespräche in Minsk bekräftigte Putin, nach wie vor diese Preisformel zu verlangen.

    Die eigentliche Gretchenfrage aber ist: Wie bestimmt man einen „marktüblichen Gaspreis“, denn es gibt keinen ausgereiften Gasmarkt in den GUS-Staaten, genauso wie in Europa. Unter „Marktpreis“ versteht man beispielsweise bei Gazprom einen für Europa üblichen Preis, der auf der Grundlage des sechs Monate alten Preises für Dieselkraftstoff und Masut zusammengerechnet wird.

    In Bezug auf Weißrussland versteht man unter dem „marktgerechten Preis“ einen Gaspreis für Lieferungen nach Polen, ohne die 30-prozentige Zollabgabe und die Differenz zwischen den Transitpreisen nach Polen und nach Weißrussland. Erst danach beginnt der Geltungsbereich der oben bereits erwähnten Preisformel. Gemäß dieser Formel zahlte Minsk im ersten Viertel dieses Jahres 119,5 US-Dollar je 1000 Kubikmeter und nach den ersten sechs Monaten 127,9 US-Dollar. Es ist vereinbart worden, dass der Preis geändert werden darf, aber nur ein Mal im Jahr, nach dem ersten Quartal.

    Nach Berechnungen der russischen Seite sollte sich der Gaspreis für Weißrussland, von der erwähnten Preisformel ausgehend, im Jahr 2009 bereits auf 190 US-Dollar pro 1000 Kubikmeter belaufen, die Weißrussen aber gingen von 140 US-Dollar aus und haben entsprechend ihr Staatshaushalt zusammengestellt.

    Das Ausbleiben von konkreten Vereinbarungen über den Gaspreis nach den Gesprächen in der weißrussischen Hauptstadt zeugt davon, dass Minsk auf eine Verzögerungstaktik setzt und anscheinend davon ausgeht, dass die Lösung kaum früher als Ende des ersten Quartals des Jahres 2009 gefunden werden kann. Dann muss jedoch das in den ersten drei Monaten des Jahres 2009 gelieferte Gas vollständig bezahlt werden. Gleichzeitig wird es möglich sein, den Preis zu ändern.

    In dem Sinne könnte der Begriff „marktgerechter Preis“ Gazprom einen Bärendienst erweisen. In der Tat: Im Oktober kündigte der russische Gasmonopolist an, der Preis für sein Gas belaufe sich auf rekordverdächtige 500 US-Dollar je 1000 Kubikmeter. Doch diese bislang höchste Summe war auf die im ersten Halbjahr dieses Jahres geltenden exorbitanten Erdölpreise zurückzuführen. Doch Prognosen besagen, dass im zweiten Quartal kommenden Jahres die durchschnittlichen europäischen Gaspreise auf 350 US-Dollar je 1000 Kubikmeter fallen werden. Es ist anzunehmen, dass danach Minsk auf dem Preis von 140 US-Dollar pro 1000 Kubikmeter Gas bestehen wird, was auch absolut begründet wäre.

    Es ist deswegen derzeit nicht möglich präzise vorauszusagen, wie hoch der Gaspreis für Weißrussland sein wird. Eins ist allerdings klar: dieser Preis wird auf der Grundlage einer Preisformel berechnet werden.

    Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.

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