SNA Radio
    Meinungen

    „Stabilität 2008“: Russland zieht ins Großmanöver

    Meinungen
    Zum Kurzlink
    0 0 0
    MOSKAU, 08. Oktober (Ilja Kramnik, RIA Novosti). Die Militärübung „Stabilität 2008“ der russischen Streitkräfte gewinnt an Tempo.

    Seit Montag sind auch die Langstreckenbomber Tu-95MS und Tu-160 dabei. Mit voller Ladung feuern sie im Flug Raketen auf den Übungsplätzen ab.

    Die strategische Kommandostabsübung „Stabilität 2008“ begann am 21. September sowohl in Russland als auch in Weißrussland, im Luftraum der beiden Länder, im Meer sowie über dem Meer. Das ist die größte Kommandostabsübung seit dem Zerfall der UdSSR. Innerhalb eines Monats werden die Streitkräfte beider Staaten verschiedenartige Aufgaben üben, dazu gehören auch die Lokalisierung eines bewaffneten Konfliktes und die Gewährleistung einer strategischen atomaren Abschreckung. Summa Summarum sind an den Übungen Zehntausende Mann beteiligt, sowie Panzertechnik, Luftwaffe, Kriegsmarine, Weltraumstreitkräfte und die strategischen atomaren Kräfte der russischen Armee.

    Diese Übungen zeichnen sich nicht nur durch ihre Dimension aus, sondern auch durch ihre spezielle Ausrichtung. Die russischen und weißrussischen Streitkräfte üben nicht nur einen lokalen Konflikt, sondern auch den vollwertigen Krieg mit allem, was dazu gehört. Das bedeutet einen aktiven Kampf um die Lufthoheit, mit Raketenstarts sowie mit der Abwehr eines atomaren Raketenangriffs, mit Kampfhandlungen der Kriegsmarine und der strategischen Kräfte.

    Der angenommene Gegner wird nicht genannt, doch ausgehend von den Maßstäben der Übung und wenn man den Aufgabenkatalog berücksichtigt, so könnte man vermuten, dass das NATO-Bündnis sowie seine Verbündeten diesmal als Gegner betrachtet werden. So eine gegen Allianz gerichtete Militärübung findet nicht zum ersten Mal statt, doch die strategische Kommandostabsübung „Stabilität 2008“, die vor dem Hintergrund der scharfen antiwestlichen Rhetorik Moskaus und nach der Beendigung des jüngsten Kaukasus-Krieges stattfinden, sind praktisch eine Zurschaustellung der russischen Bereitschaft zu einem neuen Kalten Krieg.

    Im Rahmen der Übung werden nicht nur konkrete Aufgaben, sondern auch die neuesten Methoden der Truppenführung trainiert. Nach vorhandenen Angaben nutzen die Streitkräfte sehr aktiv die modernsten Aufklärungsmittel, automatisierte Systeme der Truppenführung und des Informationsaustausches, die es erlauben, Ziele zu orten und die Situation zu erfassen sowie zu analysieren - und das in Realzeit.

    Die Rückwärtigen Dienste trainieren auch ihre Aufgaben, darunter die Unterstützung von Truppenbewegungen sowie von Schiffs- und Luftverbänden, Gütertransporte über große Entfernungen. Eine wichtige Aufgabe ist die Zusammenarbeit von Armeeverbänden mit den lokalen Behörden, mit der Polizei sowie mit dem Inlandsgeheimdienst FSB.

    Übungen in solch einem Ausmaß, die fast genau so komplex sind wie eine echte Armeeoperation, sind dazu da, um zu testen, ob der Staat in der Lage ist, unter realen schwierigen Kriegsbedingungen erfolgreich und effizient zu handeln. Die Polizei trainiert beispielsweise den Einsatz von Hubschraubern zu Aufklärungszwecken.

    Die Aktivitäten der russischen Streitkräfte haben schon fast das Niveau erreicht, das eher in Sowjetzeiten üblich war. Damals waren große Militärübungen wie „Dnjepr 67“, „Okean 70“ oder „Sapad 81“ eine gewöhnliche Sache. Solche Übungen waren für die Sowjetarmee eine Visitenkarte - ein Zeugnis, das der Armee die Fähigkeit bescheinigte, die kompliziertesten Aufgaben bewältigen zu können.

    Die Tatsache, dass eine solche Praxis zurückkehrt, ist nur positiv zu beurteilen. Die Bereitschaft der Truppen, in einem vollwertigen bewaffneten Konflikt zu bestehen und dabei verschiedenartige Aufgaben zu bewältigen (vom Kampf gegen die Partisanen bis zu der Vernichtung des strategischen Potentials des Gegners) kann nur mit solchen Übungen geprüft werden.

    Die taktischen Übungen alleine, die begrenzt sind und für die Aufrechterhaltung der Kampfbereitschaft der Truppen ebenfalls unentbehrlich sind, sind nicht in der Lage, das Zusammenwirken von großen Armeeverbänden im Rahmen einer strategischen Operation zu üben, denn im Rahmen solcher taktischen Übungen zerfällt die Armee und verwandelt sich in einen losen Verbund von Einheiten, der nicht die Fähigkeit besitzt, in einem intensiven bewaffneten Konflikt effizient zu handeln.

    Heute braucht Russland eine solche Armee nicht. Es ist die höchste Zeit, den Status eines Teams, das in der obersten Liga mitspielen will, zu bestätigen.

    Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren