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    Kriegserklärung von China und Russland an Dollar?

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    MOSKAU, 30. Oktober (Anatoli Gorew für RIA Novosti). Das Treffen zwischen dem russischen Premier Wladimir Putin und seinem Amtskollegen Wen Jiabao war in Bezug auf die Währungen beinahe sensationell.

    Jiabao erklärte, mit gemeinsamen Anstrengungen würden Russland und China der Weltfinanzkrise die Stirn bieten können. Putin seinerseits forderte auf, auf die Verwendung des US-Dollars im Handel zwischen beiden Ländern zu verzichten.

    Die Idee ist nicht ganz neu. Ein entsprechendes Rahmenabkommen schlossen Russland und China schon Ende November 2007. Ungefähr zu gleicher Zeit vereinbarten China und Weißrussland einen möglichen Verzicht auf den Dollar bei gegenseitigen Verrechnungen. Vor einigen Monaten lehnten sich Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad und Venezuelas Präsident Hugo Chavez gegen die US-Währung auf. Es gab zudem Aufrufe im Ölkartell Opec, den Dollar aufzugeben: Er habe sich erschöpft, die Zeit sei gekommen, über eine stabilere und in höherem Maße vorhersehbare Währung nachzudenken.

    Zu betonen ist, dass Putins Äußerungen, anders als die von Ahmadinedschad und Chavez, zu dem Zeitpunkt getan worden sind, an dem der Dollar im Steigen ist und den Euro nach unten geht. Nach Ansicht von Wirtschaftswissenschaftlern handelt es sich nicht um eine vorübergehende Festigung des Dollars, sondern um eine radikale Trendwende auf den weltweiten Devisenmärkten. Analysten sprechen davon, dass der Dollar in den nächsten Monaten das zurückgewinnen werde, was er in den Jahren des Absinkens verloren habe. Und dass bisher keine Faktoren zu sehen seien, die seinen sicheren Anstieg unterbrechen könnten.

    Dennoch fordert Putin auf, bei Handelsgeschäften mit China auf den Dollar als Verrechnungsmittel zu verzichten. Was soll das bedeuten? Die Ungewissheit der Dollar-Zukunft oder ein politischer Schritt?

    Hier gehen die Meinungen der Experten auseinander. Igor Nikolajew vom Consulting-Unternehmen FBK ist skeptisch: "Meiner Ansicht nach steckt hinter der Äußerung von Russlands Regierungschef eher Politik als Wirtschaft. Gegenwärtig ist die Meinung weit verbreitet, alles Schlimme komme von den USA, also lasst uns den Dollar aufgeben."

    Es dürfe jedoch nicht vergessen werden, dass der Dollar von einer dritten Währung abgelöst werden müsse: China werde wohl kaum den Rubel als Verrechnungsmittel und Russland wohl kaum den Yuan als solches akzeptieren. "Es bleibt der Euro... Aber seine Zukunft ist unklar, besonders angesichts der heutigen Entwicklung auf dem Weltfinanzmarkt. Unklar ist auch etwas anderes: ob China seine Zustimmung zum Euro geben würde, denn seine internationalen Reserven sind zu einem Großteil immerhin in Dollars angelegt", betont der Experte und zieht den Schluss: Hier gebe es vorläufig mehr Fragen als Antworten.

    Gerechtigkeitshalber sei gesagt, dass nicht alle Analysten einen solchen, recht skeptischen Standpunkt vertreten. Andrej Marintschenko, Direktor der Gesellschaft Kalita-Finance, findet, dass der Verzicht auf den Dollar bei den Verrechnungen zwischen chinesischen und russischen Unternehmen durchaus real sei. Mehr noch, der Rubel habe heute gute Chancen, sagt er überzeugt, eine Reservewährung zu werden. Das schon deshalb, weil die Chinesen vom Dollar endgültig enttäuscht seien und sich an den Euro noch nicht gewöhnt hätten.

    Wer von den Wirtschaftswissenschaftlern in diesem Streit Recht hat, wird nur die Zeit zeigen. Verständlich ist auch etwas anderes: Die Aufgabe des Dollars bei den gegenseitigen Verrechnungen zwischen Russland und China ist ein viel zu wichtiger Schritt, als dass er nur aufgrund von politischen Erwägungen getan werden könnte. Aber angenommen, der Schritt sei getan worden. Was erwartet die Russen in diesem Fall, wie würde sich die neue finanziell-politische Realität auf ihre Geldbörsen und ihre Ersparnisse auswirken?

    Marintschenko ist in dieser Frage zuversichtlich. Ihm zufolge werde die Nachfrage der chinesischen Unternehmen und Bürger nach dem Rubel, falls er als Verrechnungswährung anerkannt werde, stark zunehmen. Entsprechend würden sich die Positionen der russischen Nationalwährung und zugleich auch ihr Ruf in der Welt festigen.

    Hinzuzufügen wäre, dass es in Russland weniger Erschütterungen wegen der Abstürze des Börsenmarkts geben werde und auch weniger Angst, dass eine Ent- oder Aufwertung bevorstehe. Einfach deshalb, weil die Rolle des Dollars, der sich in den letzten Jahren den Ruf einer recht instabilen Währung zugezogen hat, weit weniger spürbar sein wird.

    Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.