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    Große Versprechungen: Gaddafi bei Russland-Besuch unter Zugzwang * Briten entdecken riesiges Ölvorkommen in Russland * Russlands Waffenexport trotz Spitzenposition in Modernisierungsnot * Umfrage zu Finanzkrise: Russen sparen anders

    MOSKAU, 31. Oktober (RIA Novosti)

    Kommersant“: Große Versprechungen: Gaddafi bei Russland-Besuch unter Zugzwang

    Der libysche Staatschef Muammar Gaddafi muss bei seinem Besuch in Moskau wohl mit schwierigen Verhandlungen mit Präsident Dmitri Medwedew rechnen, schreibt die Tageszeitung „Kommersant“ vom Freitag.

    Bei den Gesprächen geht es darum, dass Moskau vor kurzem dem nordafrikanischen Staat fast alle seine Schulden in Höhe von 4,5 Milliarden US-Dollar erlassen hat. Im Gegenzug hat sich Tripolis dazu verpflichtet, einige Verträge mit Moskau zu unterzeichnen. Dies hatte im April der damalige russische Präsident Wladimir Putin erreicht. Nun aber weigert sich Tripolis seine Verpflichtungen gegenüber Moskau einzuhalten. Andererseits gibt es auch gute Nachrichten - Libyen ist anscheinend bereit, auf seinem Territorium einen Militärstützpunkt der russischen Flotte errichten zu lassen.

    Ungeachtet seines Versprechens hat Gaddafi in Moskau noch keinen einzigen Panzer und keinen einzigen Kampfjet gekauft. Tripolis sagt lediglich, es habe Interesse, die Fla-Raketenkomplexe vom Typ S-300 und Tor-M1, T-90-Panzer und Su-30-Jagdbomber in Russland zu kaufen.

    Wie einige Zeitungsquellen berichten, sind keine Fortschritte auch in anderen Bereichen zu verzeichnen. Es handelt sich dabei beispielsweise um die Entwicklung des Bahnverkehrs in Libyen, insbesondere um den Bau einer Strecke zwischen Sirt und Benghazi.

    Die Russische Eisenbahnen AG, kurz RZD, verhandelt seit Monaten über eine Beteiligung an diesem Projekt, dessen Kosten sich insgesamt auf 2,3 Milliarden US-Dollar belaufen. Doch herrscht auch hier Stillstand. Die Libyer haben lediglich einen kleinen Vorschuss bezahlt, obwohl es ursprünglich geplant worden war, diese Strecke bereits im September 2009, zum 40. Jahrestag der libyschen Revolution, in Betrieb zu nehmen.

    Die Hoffnung, eine „Gas-Opec“ mit Tripolis zu gründen, hat sich ebenfalls nicht bewahrheitet. Ursprünglich wollte Moskau sowohl Libyen als auch Katar in das Projekt einspannen. Doch Tripolis sträubte sich, wodurch das Vorhaben ins Wanken geraten hat, denn die Araber wollen nicht, dass außer ihnen nur die Russen zu den Mitbegründern des Kartells zählten. Die Lage konnte im letzten Moment Teheran retten - die Iraner nahmen Libyens Platz ein.

    Laut vorliegenden Informationen leugnet man in Tripolis die Probleme in den Beziehungen mit Moskau nicht. Dabei unterstreicht Gaddafi, die Lage könnte sich normalisieren, wenn die libyschen Erdgasfirmen Zugang zu den russischen Gasquellen bekommen hätten. In Moskau betrachtet man diese Perspektive mit Skepsis, dennoch hat der libysche Staatschef Muammar Gaddafi einige Trümpfe in der Hand, die die Stimmung Moskaus eventuell verbessern könnten. Denn anscheinend ist Libyen im Prinzip bereit, auf seinem Territorium einen Militärstützpunkt der russischen Flotte bauen zu lassen.

    Der Hafen von Benghazi könnte einer der Standorte sein. Die Idee dabei ist klar: Die militärische Präsenz Russlands könnte eine schlagkräftige Garantie gegen eine US-Invasion sein. Die Amerikaner brennen trotz der Verbesserung der Beziehungen bekanntlich nicht darauf, Libyer mit offenen Armen zu empfangen. Die Schiffe der russischen Flotte „Pjotr Weliki“ und „Admiral Tschabanenko“ haben vor kurzem Lybien besucht. Nun ist Muammar Gaddafi selbst an der Reihe.

    "Wedomosti": Briten entdecken riesiges Ölvorkommen in Russland

    Der britische Ölförderer Timan Oil & Gas hat in Russland das größte Ölvorkommen seit geraumer Zeit entdeckt, schreibt die russische Zeitung "Wedomosti" am Freitag.

    Dem Umfang nach gehört das Vorkommen zu den strategischen Objekten, doch haben die Briten die Chance, es selbstständig zu erschließen.

    In den letzten zwanzig Jahren wurde in Russland nur das Filanowskoje-Vorkommen von Lukoil im nordkaspischen Raum entdeckt: Ende 2005 nahm die Gesellschaft 82 Millionen Tonnen Erdöl in die Bilanz auf, dann erhöhte sie die Vorräte auf 218 Millionen Tonnen.

    Timan Oil & Gas schätzt die Größe der ausbringbaren Ölvorräte (C1+C2) des Vorkommens Nischnetschutinskoje (Timan-Petschora-Region) auf 100,1 Millionen Tonnen, die der geologischen Vorräte auf 272,9 Millionen Tonnen gemäß der russischen Klassifikation. Laut der vorherigen Schätzung der unabhängigen Prüfer Miller & Lents betrugen die nachgewiesenen und wahrscheinlichen Vorräte 191,3 Millionen Barrel (25,5 Millionen Tonnen) nach der SPE-Klassifikation. Ein Sprecher von Timan Oil & Gas lehnte eine Stellungnahme zu den Mengenangaben ab.

    Die errechneten Vorräte wurden am 18. Juli von der russischen Kommission für Bodenschatzvorräte bestätigt. Das sagte auch eine Quelle, die der russischen Agentur für Bodenschätze (Rosnedra) nahe steht.

    Timan Oil & Gas besitzt über ihre Tochter Neftegaspromtech eine bis 2024 gültige Lizenz für Erkundung und Gewinnung auf dem Vorkommen Nischnetschutinskoje.

    Russlands Bodenschatz-Gesetz zählt die Vorkommen mit Vorräten von mehr als 70 Millionen Tonnen (C1+C2) zur Kategorie der strategischen. Folglich kann die Regierung die Lizenz für Timan Oil & Gas zurückziehen, vielleicht aber auch nicht. Beim Lizenzentzug muss die Regierung dem Inhaber die Investitionen kompensieren. Das Naturressorcenministerium plante, die Liste der Gebiete mit Bodenschätzen von föderaler Bedeutung, deren Lizenzierung den Ausländern nicht unbedingt genehmigt wird, bis Ende dieses Jahres aufzustellen.

    Einen konkreten Mechanismus der Wirkung des Gesetzes gebe es vorläufig nicht, teilte Dmitri Peskow, Pressesprecher von Ministerpräsident Wladimir Putin, mit.

    Dafür ist die Wirkung des Gesetzes über ausländische Investitionen in strategische Branchen im Falle des Vorkommens Nischnetschutinskoje begrenzt: Das Kartellamt hat nicht das Recht, die Lizenz des ausländischen Investors zurückzuziehen, weil sie erworben wurde, bevor das Gesetz in Kraft getreten war, erläutert Galina Trossowa vom Kartellamt. Das Unternehmen sei nur verpflichtet, über Veränderungen zu informieren.

    Nach Ansicht Valeri Nesterows, Analyst von Troika Dialog, wird die Regierung die Lizenz der britischen Gesellschaft nicht unbedingt entziehen. Die Förderung auf dem Vorkommen Nischnetschutinskoje sei sehr schwierig, denn bei einer Größe von 215 Quadratkilometer und einer Tiefe von 28 bis 150 Meter sei die Ölgewinnung sehr teuer.

    Russlands Presse: Russlands Waffenexport trotz Spitzenposition in Modernisierungsnot

    Russlands Chancen, weiterhin zu den weltgrößten Waffenexporteuren zu gehören, wird am Freitag von den Tageszeitungen „RBC Daily“ und “Kommersant“ eher pessimistisch eingeschätzt.

    In einem am Mittwoch in den USA veröffentlichten Bericht für den US-Kongress zum Thema „Lieferungen konventioneller Waffen an die Entwicklungsländer. 2000 bis 2007“ wird Russland Platz zwei unter den weltgrößten Waffenexporteuren - hinter den USA und vor Großbritannien - eingeräumt.

    Die von den Zeitungen befragten Experten stellen allerdings fest, dass Russland weiterhin hauptsächlich Waffen sowjetischer Bauart exportiert.

    Wie Michail Barabanow, Chefredakteur der Zeitschrift „Moscow Defense Brief“, feststellte, liegt Russland an zweiter Stelle hinter den USA nur bei den Waffenlieferungen an die Entwicklungsländer, weltweit teilt aber Russland den Platz drei mit Frankreich hinter den USA und Großbritannien, weil die militärtechnische Zusammenarbeit der Briten und der Franzosen größtenteils auf gemeinsame Militärprogramme mit anderen Industrieländern entfällt.

    Ein Sprecher des staatlichen Waffenexportunternehmens Rosoboronexport stellte fest, dass der russische Militär-Industrie-Komplex seine Kapazitäten dringend ausbauen müsse, was eine zusätzliche Finanzierung erfordert. Widrigenfalls lassen sich die wachsenden Rüstungsaufträge schwer ausführen.

    Alexander Chramtschichin, Experte des Instituts für politische und militärische Analysen, verwies indes darauf, dass derzeit hauptsächlich Waffen sowjetischer Bauart exportiert werden, die hoffnungslos veraltet sind.

    Die größten Abnehmer russischer Waffen sind China und Indien, zu denen sich in letzter Zeit Venezuela gesellt hat. Exportiert werden hauptsächlich Kampfflugzeuge. Seit 1999 erhielt China 100 Jagdflugzeuge Su-30MK. Indien bekam rund 50 und Venezuela 24 davon.

    Darüber hinaus erwarb China 100 Sätze für die heimische Lizenz-Montage von Su-30MK-Maschinen. Indien bezog 50 solche Sätze. Algerien hat 28 und Malaysia 18 Maschinen dieses Typs vertraglich gebunden.

    „Wedomosti“: Umfrage zu Finanzkrise: Russen sparen anders

    Die Finanzkrise ist bei den Russen angekommen, weswegen immer mehr Bürger sparen wollen. Darüber berichtet die Zeitung „Wedomosti“ vom Freitag.

    Gespart werden soll vor allem bei den Ausgaben für Freizeit und beim Kauf von Elektronikwaren, wie eine Internetumfrage von ACNielsen, weltweit führendes Marktforschungsunternehmen, im Oktober ergab.

    Fast 50 Prozent der befragten Russen sind überzeugt, dass die russische Wirtschaft sich in einer Rezession befindet, lediglich 31 Prozent der Befragten hoffen auf die signifikante Besserung der Wirtschaftslage innerhalb der kommenden zwölf Monate. Verglichen mit ähnlichen Umfragen in den europäischen Staaten sind die Russen viel optimistischer.

    Insgesamt sind weltweit 63 Prozent der Befragten überzeugt, dass sich das jeweilige Land in einer Rezession befinde, und nur 18 Prozent hoffen auf eine baldige Genesung der heimischen Wirtschaft. Michalis Christou, Nordosteuropa-Experte von ACNielsen, sagte, der Verbrauchermarkt in Russland gehöre nach wie vor zu den stabilsten Märkten.

    Laut ACNielsen hat Iwan-Normalverbraucher seine Ausgabenstruktur noch nicht geändert, doch er macht sich bereits Gedanken darüber, wo eventuell gespart werden könne, sollte er wirklich Probleme mit der Liquidität haben.

    Die internationale Praxis besagt, dass man primär bei der Kleidung spart. Danach kommen die Kürzungen bei der Heizung und bei den Ausgaben fürs Gas (ca. 49 Prozent der Befragten). Die meisten Russen (56 Prozent der Befragten) sind bereit, primär ihre Unterhaltungskosten außerhalb des Hauses zu senken (weltweit nur 47 Prozent).

    Des Weiteren würden die Russen beispielsweise große Anschaffungen im Bereich der Unterhaltungselektronik (Computer, Handys usw.) verschieben (48 Prozent). Über 40 Prozent der Russen würden auf den Kauf neuer Möbel verzichten (weltweite Quoten jeweils 40 und 33 Prozent).

    Der Hauptunterschied aber besteht in der Bereitschaft, eventuell und nötigenfalls auf das Auto zu verzichten. Dazu in der Lage fühlen sich 34 Prozent der ausländischen Bürger - und lediglich 17 Prozent der Russen. Weltweit würden 36 Prozent der Befragten eventuell eine Umstellung auf billigere Lebensmittel in Erwägung ziehen - und nur 20 Prozent der Russen.

    „Auch in der Krisenzeit werden Leute in sich selbst investieren, sie werden nach wie vor ausgehen wollen, ins Kino oder ins Restaurant gehen, doch insgesamt werden sie weniger ausgeben können. Bereits jetzt sind die Verbraucher viel wählerischer geworden, wenn es darum geht, eine Unterhaltungseinrichtung für sich zu wählen. Eine durschnittliche Rechnung ist ebenfalls weniger üppig geworden“, sagt Michail Selman, Besitzer einer russischen Restaurant-Kette.

    RIA Novosti ist für den Inhalt der Artikel aus der russischen Presse nicht verantwortlich.

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