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    Gaddafi auf Waffen-Einkaufstour in Russland

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    MOSKAU, 31. Oktober (Andrej Murtasin, RIA Novosti). Der libysche Revolutionsführer Muammar Gaddafi besucht nach 15 Jahren erstmals wieder Russland.

    Das letzte Mal hatte Gaddafi Moskau im Jahr 1985 zu Gorbatschow-Zeit besucht. In den vergangenen Jahren haben die Beziehungen zwischen Moskau und Tripolis sowohl Tiefen als auch Höhen durchlebt.

    Nach seinem Einzug in den Kreml Anfang 2000 hat Wladimir Putin viel getan, um das Verhältnis zu Tripolis zu normalisieren. Doch die meisten Probleme wurden erst im April dieses Jahres gelöst, nachdem Putin mit einem Federstrich dem nordafrikanischen Staat fast alle seine Schulden in Höhe von 4,6 Milliarden US-Dollar erlassen hat. Im Gegenzug hat sich Tripolis dazu verpflichtet, russischen Unternehmen lukrative Aufträge zu verschaffen.

    Die Russische Eisenbahnen AG, kurz RZD, hat beispielsweise den Zuschlag für den Bau einer 500 Kilometer langen Eisenbahnstrecke zwischen den Städten Sirt und Benghazi erhalten. Die Kosten des Projekts belaufen sich insgesamt auf 2,2 Milliarden Euro. Ein Memorandum über Zusammenarbeit haben Gazprom, der größte russische Energiekonzern, und der libysche Staatsölkonzern unterschrieben. Insgesamt wurden zehn Verträge im Bereich der wirtschaftlichen und militärischen Zusammenarbeit unterschrieben.

    Die Waffendeals werden verständlicherweise nicht an die große Glocke gehängt. Doch gerade diese Geschäfte werden wohl der Schwerpunkt der Gespräche Gaddafis in Moskau sein. Russische Experten schätzen, dass die Gesamtsumme des russisch-libyschen Waffengeschäfts sich auf zwei bis vier Milliarden US-Dollar belaufen könnte, was eventuell alle Verträge zwischen Moskau und Tripolis in zivilem Bereich übertreffen könnte.

    Die Libyer wollen selbstredend das Beste haben: Einige Waffen und Ausrüstungen, die auf ihrer Einkaufsliste stehen, sind sogar in der russischen Armee eine Seltenheit. Es geht dabei um den Kampfhubschrauber der neuen Generation ?a-52 Alligator, um die Su-35-Jäger und um die sich gut bewährten Kampfjets aus der MiG-Familie - 29SMT und Su-30MK.

    Nach Angaben des russischen staatlichen Waffenexporteurs Rosoboronexport will das libysche Militär in Russland die Fla-Raketenkomplexe des Typs S-300PMU2 kaufen, sowie Raketensysteme vom Typ Tor M1 und Buk M1-2, zwei U-Boote und Ersatzteile, um die alten Waffen aus der sowjetischen Produktion, die Moskau nach Tripolis in den 70er und 80er Jahren lieferte, instand setzen zu können.

    Doch Moskau ist nicht der einzige Ort, wo Gaddafi große Waffeneinkäufe tätigt. Im Dezember vorigen Jahres hatte er Paris besucht. Der edle „Wüstensohn“ schlug seine Zelte direkt auf dem Gelände des Elysee-Palastes auf. Nach den Gesprächen mit dem französischen Staatschef Nikolas Sarkozy unterzeichnete Gaddafi eine ganze Reihe von Verträgen, darunter auch Lieferverträge für 14 Rafale-Kampfjets, 35 Kampfhubschrauber, sechs Kriegsschiffe, für etliche Schützenpanzerwagen und für verschiedene Flugabwehrmittel.

    Die unterzeichneten Verträge sehen auch die Modernisierung der bereits in Libyen eingesetzten Mirage F-1-Kampfjets vor. Die gesamten Waffenlieferungen Frankreichs an Libyen sind ca. 4,5 Milliarden Euro wert. Außerdem kauft Tripolis bei Frankreich 21 Airbus-Flugzeuge im Gesamtwert von 1,5 Milliarden US-Dollar erstanden.

    Russland wird kaum sich einen Platz auf der Liste der zehn wichtigsten Geschäftspartner Libyens sichern können. Solche Ziele waren sogar zu Sowjetzeiten kaum realistisch. Doch Paris und Moskau sind bereits im Bereich des Waffenhandels führend, und dies ist ein großer Durchbruch, insbesondere, wenn man bedenkt, dass noch vor fünf Jahren Tripolis und praktisch die ganze Welt sich in den Haaren lagen, und dass die internationalen Sanktionen die Entwicklung der libyschen Wirtschaft stark hemmten. Doch all dies ist nun endgültig Geschichte geworden.

    Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.

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