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    Obama schafft die Wende in Amerika

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    MOSKAU, 06. November (Andrej Fedjaschin, RIA Novosti). Die Wahl von Barack Obama zum 44. US-Präsidenten zeugt von einem kulturellen und psychologischen Umbruch.

    Mit seinen 47 Jahren ist Obama nicht der jüngste Präsident (Theodore Roosevelt, John Kennedy, Bill Clinton und selbst der altehrwürdige Ulysses Grant waren jünger), jedoch der dunkelhäutigste. Für ein Land, das bis in die späten 60er Jahre Rassentrennung betrieb, ist das, von allen Standpunkten gesehen, ein historisches Ereignis.

    Vor nur einem halben Jahr schien es, als ob die USA zum ersten Mal in der Geschichte eine Frau auf dem Präsidentenposten, die Senatorin Hillary Clinton, erleben würden. Doch die Wahlzettel wiesen keinen „verdeckten Ausbruch von Rassismus“ auf, so stark Obamas Rivale John McCain darauf gehofft haben möchte. Amerika verändert sich von Grund auf. Oder jemand verändert es, indem er „wie immer“ seinen Geschäften nachgeht und den Wunsch des Landes nach Veränderungen missachtet.

    Letztendlich hatten Obamas Vorgänger, vor allem George W. Bush, wohl einiges in den Gedanken und Herzen der Amerikaner riuniert, damit diese einen Mann wählen, dessen Name als 44. Präsident der USA immer noch recht seltsam klingt.

    Insgesamt ist das geschehen, was alle Umfragen und der gesunde Menschenverstand nahe legten: Das Land ist des Neokonservatismus, der Reaganomics, des Markt-Fundamentalismus, der Bush-Familie und der Kriege müde und will in eine andere Richtung gelenkt werden. Obama hat somit einen Vertrauenskredit erhalten. Und dabei einen größeren als viele andere Präsidenten vor ihm.

    Die offizielle Stimmenauszählung wird noch einige Zeit erfordern, doch es ist bereits klar, dass er über 52 und McCain über 46 Prozent der Stimmen geholt hat. Nach den Stimmen der Wahlmänner und -frauen, die den Präsidenten am 15. Dezember wählen sollen, hat Obama mehr als doppelt so viele Stimmen wie McCain: Noch vor der endgültigen Auszählung hatte Obama 349 Stimmen gegen McCains 162. Insgesamt gibt es 538 Wahlmänner, 270 Stimmen sind genug für einen Triumph.

    Mehr noch: Die Demokraten, die den Kongress seit 2006 kontrollieren, werden jetzt sowohl im Senat als auch im Repräsentantenhaus eine feste Mehrheit haben. So etwas gab es nur 1932 mit dem Amtsantritt des Demokraten Franklin Roosevelt und 1980 mit der Machtübernahme der Republikaner mit Ronald Reagan an der Spitze.

    Obama wird natürlich kaum in der Lage sein, eine so krasse Wende wie Roosevelts New Deal einzuschlagen. Doch auch von Roosevelt hatte kaum einer einen so umfassenden Umbruch, der Amerika nach der Großen Depression wieder auf die Beine brachte, erwartet. Die heutige Finanzkrise ist ähnlich, obgleich sie sich bislang nach den realen Ausmaßen nicht mit den Schwierigkeiten der 20er Jahre vergleichen lässt. Damals ging es noch schlimmer zu.

    Obama kennt, nach seinen Reden zu urteilen, die Probleme und scheint zu wissen, wie man gegen sie ankämpfen soll. Doch wenn alles so einfach wäre, wenn sich alle diese angehäuften Probleme durch den „zahmen“ Kongress jagen ließen, wenn der Präsident die Amerikaner gleich mit einer „Verbesserung“ erfreuen könnte. So etwas geht leider nicht. Die Möglichkeiten dazu fehlen, vor allem mit Hinblick auf die Finanzen.

    Roosevelt hatte ein schweres wirtschaftliches Erbe. Doch er musste nicht gegen die Komplikationen antreten, die Bush Obama überlässt: Die Kriege im Irak und in Afghanistan, Irritationen in Europa, Asien, Afrika, im Nahen Osten, Iran, Nordkorea und Russland. All das ist eine natürliche Reaktion gegen die offensichtliche Irrationalität aller vergangenen Schritte der USA in der Geo-, Regional-, Atom-, Handels-, Militär- und UN-Politik.

    Selbst die Briten erkennen in letzter Zeit an, dass das Weiße Haus in den letzten vier bis sechs Jahren stark hinter der Zeit zurückliegt. Ganz zu schweigen von Deutschland, Frankreich und Italien. Amerikas Führungsrolle im Westen wird unverhüllt in Frage gestellt. Obamas Amerika hat weder genug Zeit noch militärische Stärke noch Haushaltsgelder, um gleich gegen alle angestauten Probleme anzugehen. Das bedeutet, dass sehr viele im Land unzufrieden sein werden. Denn die Amerikaner sind sehr oft sehr naiv: Alle hoffen auf ein Wunder.

    Somit stehen für Obama gleich nach seinem Amtsantritt harte Zeiten bevor. Auf einen Honigmond mit Amerika kann er zu seinem Bedauern kaum hoffen. Wenn Amerika der Rührung über den eigenen Demokratismus und die politische Korrektheit müde ist, nimmt es ihn hart ‘ran. So hart, wie es nur ein aufgebrachtes, krisengebeuteltes, über die jüngste Vergangenheit und die anstehenden Pläne unmutiges Land tun kann.

    Was auch immer mit den USA und um die USA herum während Obamas Amtszeit geschehen wird, es unterscheidet sich günstig davon, was unter John McCains Präsidentschaft geschehen könnte. Doch wenn die Siegeseuphorie vorbei sein wird, wird sich die Erfüllung der Wahlversprechungen zumindest in der vierjährigen Amtszeit als ein langwieriger und komplizierter Weg der Veränderung erweisen. Die Wähler mögen das nicht.

    Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der der RIA Novosti übereinstimmen.

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