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    Zehn Jahre ISS - was verspricht die Station uns für die Zukunft?

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    MOSKAU, 24. November (Andrej Kisljakow für RIA Novosti). In diesen Tagen jährt sich der Start des ersten Segments der Internationalen Weltraumstation ISS zum zehnten Mal.

    Wenn man den Auftrag bekommen hätte, in zwei Sätzen die Ergebnisse des ersten Jahrzehnts des Betriebes der ISS zu beschreiben, so könnte man es ungefähr so tun: Erstens gehört die ISS zu den wohl größten Projekten in der Geschichte der internationalen Zusammenarbeit im Weltall.#

    Dieses Projekt ist bereits jetzt mit einem überragenden Erfolg gekrönt worden. Die 15 Staaten, die daran beteiligt sind, haben allen Grund stolz zu sein. Zweitens bestimmt die ISS im Wesentlichen die zukünftigen Trends bei der Entwicklung der globalen Raumschiffahrt.

    Die 80er Jahre des 20. Jahrhunderts haben uns gleich mehrere Weltraumprogramme beschert, die man getrost als „bahnbrechend“ bezeichnen könnte. Die UdSSR hatte die bemannte Raumstation „Mir“ betrieben, und zwar sehr erfolgreich. Diese Raumstation sollte, so dachten wenigstens seine Erbauer, als Beispiel für die künftigen Menschensiedlungen im All fungieren.

    Die Amerikaner waren gerade dabei, ihr „Space Shuttle“-Programm umzusetzen. Dieses System versprach einen riesigen Fortschritt im Bereich innovativer wiederverwendbarer Transportsysteme, die zugleich in der Lage sein könnten, sogar interplanetare Entfernungen zurückzulegen.

    Anders gesagt, am Ausgang des 20. Jahrhunderts ist es besonders deutlich geworden, dass sich das Zeitalter einzelner Weltraumflüge seinem Ende nähert, und dass an dessen Stelle das Zeitalter der breit angelegten Programme tritt, die es ermöglichen, sowohl eine ständige menschliche Präsenz auf einer erdnahen Umlaufbahn als auch die Umsetzung interplanetarer Missionen zur Erforschung des „weiten“ Weltalls zu gewährleisten.

    Andererseits hatte man schon damals begriffen, dass solche Projekte nicht nur das technische und wissenschaftliche Können, sondern auch finanzielle Zuwendungen im großen Stil erfordern würden. Das gesamte Apollo-Programm der Amerikaner beispielsweise beschäftigte rund eine halbe Million Menschen mehr als zehn Jahre lang und kostete etwa 26 Milliarden US-Dollar in damaligen Preisen.

    Das „Space Shuttle“-Programm kostete fünfmal soviel. Die UdSSR, die sich damals mit marktwirtschaftlichen Gegebenheiten nicht herumzuschlagen brauchte, hatte für ihr „Buran“-Programm eine immense Summe, die mit einem Jahresetat des ganzen Landes vergleichbar war, verpulvert.

    Die sich rasant verändernde globalisierte Welt versteht nun besser denn je, dass sogar die Großmächte nicht mehr in der Lage sind, solche Projekte im Alleingang zu bewältigen. Obwohl in der Vergangenheit Todfeinde, haben die USA und Russland es doch geschafft, sich über ein Weltraumprojekt von grundlegender Tragweite zu einigen. Dieses Projekt hat, ohne zu übertreiben, die Marschroute für die künftige Entwicklung großer Weltraumprogramme skizziert.

    Der Bau der Internationalen Weltraumstation ISS hatte am 20. November 1998 begonnen, als der erste Bauteil der ISS, das von Russland gefertigte Modul Zarya (Morgenröte) von einer Proton-Schwerlastrakete auf die vorgesehene Umlaufbahn gebracht worden war. Dieser Functional Cargo Block (Lager- und Funktionsmodul) wurde vom Raumfahrtunternehmen GKNPZ Chrunitschew in Russland entwickelt und gebaut.

    Zwei Wochen später wurde mit dem Space-Shuttle-Schiff der erste Verbindungsknoten Unity auf die Umlaufbahn gebracht und mit Zarya verbunden. Als nächstes Modul startete im Juli 2000 das russische Wohnmodul Zvezda (Stern). Dieses Modul erlaubte seitdem den Aufbau der ISS mit Hilfe der Space-Shuttle-Missionen quasi am laufenden Band voranzutreiben.

    Nach der Fertigstellung der ISS sollte sich ihr Gesamtgewicht sich auf ca. 500 Tonnen belaufen und ihre Länge sollte fast 111 Meter betragen, was der Länge eines Fußballfeldes entspricht. Die Innenräume sollten ein Gesamtvolumen von 1624 Kubikmeter erreichen, die gesamte Fläche der acht Solarpaneele für die Stromversorgung der Raumstation sollte sich auf 2500 Quadratmeter belaufen. Die Tragödie der Weltraumfähre „Columbia“ von 2003 erlaubte es aber nicht, diese Pläne termingerecht umzusetzen.

    Doch das Wichtigste besteht in der Erkenntnis, dass die internationale Zusammenarbeit im Weltall sogar in einer verkürzten Form gezeigt hat, dass sie in der Lage ist, die kühnsten Projekte in die Tat umzusetzen. Mehr noch, nur gemeinsam werden wir in der Lage sein, die beiden wichtigsten Probleme, die vor der globalen Raumfahrt stehen und gelöst werden müssen, noch bevor wir uns auf den Weg in die unendlichen Weiten des Universums machen, zu bewältigen.

    Es geht um die Kostensenkung und um die Gewährleistung der Sicherheit der Flüge. Um einen wirklichen Fortschritt bei der Erschließung des Alls erreichen zu können, müssen wir erst einen Flug ins All zur Routinearbeit werden lassen, als ob man in ein Flugzeug steigt. Dabei müssen die Flüge auch genauso sicher sein. Solche hochentwickelten Technologien sind aber nur durch entsprechende Experimente und durch eine intensive und mühsame praktische Arbeit auf der Erde zu erreichen.

    Die ISS ist unser Sprungbrett in die kosmische Zukunft. Ich will hoffen, dass die Idee der Schaffung eines Sonderrates, der das gesamte ISS-Projekt betreuen soll und in dem alle Teilnehmerstaaten vertreten sein könnten, bald Realität wird. Diese neue Institution, die die Rolle einer wissenschaftlichen Führung übernehmen müsste, sollte es uns ermöglichen, die Aufbauarbeiten an der ISS koordiniert und abgestimmt zu Ende zu führen, sowie deren effiziente Nutzung in der Zukunft zu gewährleisten.

    Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.

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