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    Regierung treibt Russland in Rohstoffsackgasse * Gastarbeiter streiken zum ersten Mal * Schwache Gewerkschaften in der Krise können Unruhen hervorrufen * Krise in Thailand: Nur russische Urlauber wagen sich hin * Magna expandiert in Russland trotz Krise 

    MOSKAU, 01. Dezember (RIA Novosti)

    „Nesawissimaja Gaseta“: Regierung treibt Russland in Rohstoffsackgasse

    Die Regierung will die Tarife für die Leistungen der sogenannten natürlichen Monopole 2009 drastisch erhöhen; damit vernachlässigt sie die Interessen der Wirtschaft, der normalen Bürger und des Landes insgesamt, stellt die Tageszeitung „Nesawissimaja Gaseta“ am Montag fest.

    Die russische Regierung betrachtet wohl Russland immer noch als ein Rohstoff-Anhängsel der übrigen Welt. Der Wirtschaftsberater von Präsident Dmitri Medwedew, Arkadi Dworkowitsch, versprach darüber nachzudenken, wie die Tariferhöhung für die einzelnen Wirtschaftsbranchen ausgeglichen werden könne. Doch ein solches Herangehen gibt wenig Grund für Optimismus.

    Erstens, die Branchen, die einer Entschädigung würdig sind, werden durch rein administrative Methoden bestimmt. Es ist überhaupt nicht sicher, dass den Zuschlag unbedingt diejenigen Branchen bekommen werden, die in der Lage sind, besonders effizient zu wirtschaften. Zweitens, die erhöhten Tarife werden eine erhöhte Belastung für die meisten Industriezweige bedeuten, und die Regierung wird verpflichtet sein, diese Branchen zu retten. Wäre es nicht vernünftiger, die Tarife überhaupt nicht zu erhöhen, fragt die Zeitung.

    Dazu kommt der Umstand, dass manche natürliche Monopole bereits angekündigt haben, Gewinne in Milliardenhöhe erzielt zu haben. Der russische Erdgaskonzern Gazprom beispielsweise konnte seinen Gewinn gegenüber dem Vorjahr mehr als verdoppeln.

    Die natürlichen Monopole besitzen zudem andere Aktiva, wie zum Beispiel Luxushotels, Spa-Anlagen und Sportklubs, die allesamt auf die finanzielle Unterstützung des jeweiligen Mutterkonzerns angewiesen sind. Die Konzerne haben anscheinend nicht vor, auf diese Aktiva zu verzichten. Die ständig steigenden Tarife machen es möglich, solche Strukturen indirekt zu subventionieren.

    Die erneute Erhöhung der Tarife wird damit gerechtfertigt, dass man angeblich die Investitionen in die Entwicklung dieser Branchen brauche, um weiterhin die in der Welt heiß begehrten Rohstoffe gewinnen und letztendlich aus den Rohstoffverkäufen leben zu können. Genau das sagte der russische Premier Wladimir Putin unlängst.

    Ein solches Herangehen erlaubt natürlich, andere Industriezweige, die um ihre Marktpositionierung erst hart kämpfen müssen, zu opfern.

    „Kommersant“: Gastarbeiter streiken zum ersten Mal

    Gastarbeiter aus der ehemaligen Sowjetrepublik Tadschikistan blockieren bereits mehrere Tage die Bauarbeiten an einem Wohnhaus in der russischen Stadt Jekaterinburg. Darüber berichtet die Tageszeitung „Kommersant“ vom Montag.

    Sie verlangen von der Bauleitung die Auszahlung der ausstehenden Löhne in Höhe von insgesamt elf Millionen Rubel (ein Euro entspricht 35,72 Rubel). Die Gewerkschaftsverbände warnen, dass dies erst der Anfang sei, die Zahlungskrise sowie die massenhaften Entlassungen würden in absehbarer Zukunft zur Erhöhung der Zahl solcher Streiks führen.

    In der russischen Migrationsbehörde FMS sagt man, dass sich einige Bauunternehmer tatsächlich einerseits weigern würden, die Arbeit zu bezahlen, andererseits aber versuchten sie, die Arbeitskräfte zu behalten. Ein FMS-Sprecher, der namentlich nicht genannt werden wollte, äußerte, die Situation befinde sich in einem „schlummernden“ Zustand. Dabei gebe es aber keine Garantien, dass Gastarbeiter nach getaner Arbeit nicht einfach ohne Bezahlung auf die Straße geworfen würden. Die Polizei, die Arbeitsbehörde sowie FMS bereiten sich schon jetzt auf ein solches Szenario vor.

    Die Jugendorganisation der Partei „Geeintes Russland“, „die Junge Garde“, hat vor kurzem aufgerufen, alle Arbeitsmigranten mit der Begründung des Landes zu verweisen, in der Krisenzeit müssten die Bürger Russlands zuerst die Möglichkeit bekommen, Geld zu verdienen. Die rechtsradikalen Kräfte im Lande, zum Beispiel die „Bewegung gegen die illegale Migration“, haben sich dieser Forderung angeschlossen. Der Führer dieser Bewegung, Alexander Below, sagte, die Streiks der Gastarbeiter können in einen offenen Aufstand übergehen.

    Vor kurzem kündigten die Gewerkschaften in der Stadt Jekaterinburg an, eine erste Gewerkschaftsorganisation der Arbeitsmigranten gegründet zu haben. Die zentralen Ziele dieser Organisation seien höhere Löhne, bessere Arbeitsbedingungen, mehr Mitbestimmung sowie die Lösung von Problemen, die mit der Erteilung von Aufenthaltsgenehmigungen und Arbeitserlaubnissen verknüpft seien.

    Nach Angaben der Gewerkschaften verdient ein Arbeitsmigrant im Bauwesen durchschnittlich 6000 bis 8000 Rubel monatlich, russische Bürger bekämen dagegen 12000 bis 15000 Rubel.

    "Wedomosti": Schwache Gewerkschaften in der Krise können Unruhen hervorrufen

    Die Krise ist die höchste Zeit für die Gewerkschaften, in den Vordergrund zu treten.

    Doch zum Glück für viele Unternehmer stellen die Verbände der Beschäftigten in Russland meist einen Überrest der sowjetischen Epoche dar und sind keine Gewerkschaften im wirklichen Sinne dieses Wortes.

    Zahnlose Gewerkschaftsorganisationen ersparen den Unternehmen zusätzliche Kopfschmerzen, während die übermäßig bissigen Gewerkschaften (wie etwa die United Auto Workers in den USA) imstande sind, einen ganzen Zweig zum Bankrott zu verurteilen.

    Doch auch ohne Gewerkschaften geht es schlecht: In außerordentlichen Situationen und beim Fehlen von Spielregeln können die Menschen einfach dazu übergehen, gegen die "Ausbeuter" anzurennen.

    Laut Angaben von WZIOM (Russisches Institut für Meinungsforschung) meinen 64 Prozent der Befragten, die vom Bestehen einer Gewerkschaft in ihrer Einrichtung oder ihrem Betrieb sprechen, dass sie auf die Lage der Beschäftigten keinen Einfluss hätten.

    Den gegenteiligen Standpunkt vertreten 11 Prozent. Das Verhältnis hat sich seit 2005 (70 zu 16 Prozent) wenig verändert. Vergleichsweise: In Frankreich verweisen 66 Prozent der Befragten auf die Stärke und den Einfluss der Gewerkschaften auf die Lage der Lohnarbeitskräfte, während nur 12 Prozent die Gewerkschaften schwach nennen.

    Die Mitgliederzahl der Föderation der Unabhängigen Gewerkschaften Russlands (FNPR, Nachfolgerin des sowjetischen Zentralrats der Werktätigen WZSPS) ist immer noch hoch (28 Millionen), geht jedoch zurück. Aktive unabhängige Gewerkschaftsverbände (insgesamt etwa 1,5 Millionen Mitglieder) wachsen, werden jedoch noch lange Zeit am allgemeinen Bild nicht viel ändern können. Außerdem ist es oft vorgekommen, dass die Leiter sowohl von Privatunternehmen als auch von staatlichen Korporationen Gewerkschaftsaktivisten, die die Rechte der Beschäftigten konsequent verteidigten, verfolgen und entlassen.

    In der Zeit der allgemeinen Erhöhung der Löhne und Gehälter fiel die Schwäche der einheimischen Gewerkschaftsbewegung nicht weiter auf. Die Wirtschaftskrise droht mit Entlassungen, Lohnkürzungen und dem Übergang zu Kurzarbeit. Doch beschränkte sich die Führung von FNPR auf einer vor kurzem durchgeführten Generalratssitzung auf allgemeine Worte von dringenden Hilfsmaßnahmen für den Produktionssektor der Wirtschaft, von der Gewährleistung der Rechte der Beschäftigten und der Reduzierung der Immigrantenquoten.

    Russlands Presse: Krise in Thailand: Nur russische Urlauber wagen sich hin

    Wegen der Krise in Thailand, wo die Opposition seit Dienstag den Flughafen Bangkok blockiert, konnten bisher rund 100 000 ausländische Touristen nicht ausfliegen.

    Im nächsten Jahr erwarten die thailändischen Behörden einen Rückgang des Touristenstroms um die Hälfte. Für die Russen scheint die billige und zugleich extreme Erholung in Thailand hingegen attraktiv zu sein, schreiben russische Zeitungen am Montag.

    Die Krise in Thailand schädigt die gesamte Reiseindustrie Südostasiens. Denn die meisten Touristen kommen über Bangkok in die Region. Der Touristenstrom sei bereits um die Hälfte geschrumpft, erzählt Gennadi Charassikow, Inhaber eines russischen Restaurants in Phnom Penh. „Jetzt sind die Militärs, die in der Sowjetunion studiert hatten und eine Nostalgie nach Borschtsch und Pelmeni haben, unsere Kunden.“

    Während die europäischen Touristen aus Thailand fliehen, kommen immer mehr Russen ins Land: Kleine Reisebüros sind gezwungen, die Reisen unter Wert zu verkaufen. Im Internet stößt man auf Angebote wie „Thailand für Abenteurer: Sieben Tage in Pattaya für nur 300 Dollar.“ Auf den Straßen dieses populärsten thailändischen Badeortes hört man Russisch öfter als Thailändisch. Die meisten Restaurants übersetzten ihre Speisekarten ins Russische. Auch Freudenmädchen aus den berühmten Gogo-Bars locken immer öfter auf Russisch Kunden an.

    Am Samstag trafen 47 Urlauber aus dem Jekaterinburg (Uralgebiet) in Bangkok ein. Nach Angaben von Reisebüros wurden in den vergangenen Tagen nur wenige Urlaubsreisen von Russen annulliert. Laut Experten reisen die Russen nicht aus Liebe zum Extremurlaub nach Thailand.

    „Sie reisen dorthin, weil sie ihr Geld nicht zurückbekommen können“, sagte Roman Bobyljow, Generaldirektor des Klubs für den Schutz der Touristenrechte. Um sein Geld zurückzubekommen, müsse man prozessieren, denn die Reisebüros geben nichts freiwillig zurück, weil sie bereits die Flüge und die Hotels bezahlt hätten.

    Die Moskauer Reisefirmen verzeichnen nur wenige Fälle, in denen ihre Kunden auf die Reisen verzichten. Die meisten der Unternehmen stufen die Begründung für einen Verzicht nicht als „Umstände höherer Gewalt“ ein und behalten einen Teil der Kundengelder als „Strafen“.

    Quellen: „Nowyje Iswestija“, „Kommersant“, „Wremja Nowostej“ vom 01.12.08

    Russlands Presse: Magna expandiert in Russland trotz Krise  

    Der kanadische Hersteller von Autoteilen Magna plant zwei weitere Produktionsstätten in Russland - in Sankt Petersburg und in Kaluga, schreiben russische Zeitungen am Montag.

    Das Unternehmen hat auf dem Gelände der Ischora-Werke für drei Jahre 12 000 Quadratmeter an Räumlichkeiten gepachtet, bis sie in Schuschary ihr eigenes Werk gebaut hat.

    Die Investitionen in die erste Baufolge werden in Höhe von ca. 60 Millionen erwartet. Zu Beginn des nächsten Jahres will Magna Ford und andere Autokonzerne in Sankt Petersburg beliefern. Laut Schätzungen von Analysten hat Magna 1,2 bis 1,6 Millionen Euro im Jahr an Pachtgeldern zu zahlen. Die Experten betrachten diese Ausgaben für das Unternehmen als gerechtfertigt, weil es ihm darauf ankomme, einen Startplatz zu haben, bis es die Hauptproduktion in Angriff nimmt.

    Sergej Bodrunow, Präsident des St.-Petersburger Verbandes der Hersteller von Autoteilen, vertritt die Auffassung, dass Magna sich beeile, auf den Markt zu kommen, um die Nische noch vor anderen Wettbewerbsteilnehmern zu besetzen.

    Außerdem plane Magna, demnächst ein Abkommen über den Bau eines Betriebs für Plastikteile im Gebiet Kaluga zu unterzeichnen, erzählte ein Beamter von der Gebietsregierung. Das Projekt werde sich auf mehrere Dutzend Millionen Euro beziffern und der Betrieb werde ab 2009 Zulieferteile für die dortigen Volkswagen-Werke herstellen. VW-Sprecher Andrej Gordassewitsch hat die Vereinbarungen mit Magna bestätigt.

    Der russische Automarkt werde auch weiter zu den größten in der Welt gehören. Selbst nach dem Ergebnis dieses Jahres werde das Wachstum hier etwa 15 bis 20 Prozent ausmachen, während die Autoverkäufe in Europa und Amerika um 15 Prozent zurückgehen würden, schätzt Jewgeni Bogdanow, Direktor des Moskauer Büros von A. T. Kearney, ein.

    Magna selbst hat vor kurzem bekannt gegeben, das Unternehmen erwarte ab 2008 einen Rückgang der Produktion in Nordamerika von 15,1 Millionen Fahrzeugen (2007) auf 12,8 Millionen und in Europa von 15,8 Millionen auf 14,9 Millionen. Deshalb sei es für Produzenten wie Magna notwendig, so Bogdanow, in einem Land Fuß zu fassen, in dem die Autoverkäufe schon 2010 wieder steigen könnten.

    Quellen: "RBC Daily", "Wedomosti" vom 01.12.08.

    RIA Novosti ist für den Inhalt der Artikel aus der russischen Presse nicht verantwortlich.

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