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    Erwarten die USA einen neuen Krieg?

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    MOSKAU, 04. Dezember (Ilja Kramnik, RIA Novosti). Die derzeitige US-Administration hat beschlossen, die amerikanischen Handelsschiffe in der Schwarzmeerzone bis März 2009 gegen militärische Risiken zu versichern.

    Viele sehen in diesem Schritt einen Beweis für die Möglichkeit eines baldigen neuen militärischen Konfliktes in der Region.

    Besonders ruhig war diese Region nie: Die jahrhundertealte Konfrontation zwischen Russland/UdSSR und der Türkei wurde durch die Konfliktherde auf dem Gebiet der Republiken der einstigen UdSSR abgelöst.

    Angesichts der Lage der Region verfolgen die führenden Länder der Welt die dortigen Ereignisse sehr aufmerksam, erst recht und noch genauer nach dem Fünftagekrieg im August. Da die Beziehungen zwischen Russland und seinen Nachbarn an der Schwarzmeerküste, vor allem die zu Georgien, angespannt sind, ist die Möglichkeit der Wiederholung eines heißen Konfliktes nicht ausgeschlossen. Ebenfalls nicht ausgeschlossen ist eine auf die eine oder andere Weise geartete Teilnahme von Drittländern daran.

    Es sei gleich vorausgeschickt, dass, im Unterschied zu einem neuen russisch-georgischen Konflikt mit der einen oder anderen, am ehesten indirekten ukrainischen Beteiligung, die Wahrscheinlichkeit des Beginns eines Krieges zwischen Russland und der Ukraine gegenwärtig außerordentlich gering ist. Das schließt jedoch Provokationen seitens russenfeindlich Gesinnter in der Führung der Ukraine und ihres Verteidigungsministeriums nicht aus.

    Sehr wahrscheinlich sind dagegen Konflikte innerhalb der Ukraine selbst. Sie wird von tiefen Widersprüchen zerfleischt und die Weltwirtschaftskrise verstärkt sie noch mehr. Wie sie sich entwickeln werden, lässt sich schwer vorhersagen.

    Die Versicherung der US-Handelsschiffe spricht in diesem Fall davon, dass die USA die Wahrscheinlichkeit eines militärischen Konfliktes in der Region ebenfalls als recht hoch einschätzen.

    Hierbei handelt es sich am ehesten nicht um eine unmittelbare Teilnahme von US-Bürgern an Kampfhandlungen. Aber unter den Bedingungen eines "heißen" Konfliktes sind alle Schiffe, die sich im Kriegsgebiet befinden, einem bestimmten Risiko ausgesetzt: Ein Fehler bei der Identifizierung oder der Zielzuweisung, der Fehltreffer einer Rakete - durch all das kann ein neutrales Schiff betroffen werden.

    Die Frage ist: Gehen die USA bei der Versicherung ihrer Schiffe nur von der allgemeinen Einschätzung der Gefahren aus oder ist dieser Schritt mit der Erwartung konkreter Ereignisse verbunden, unmittelbar mit der weiter gehenden Wiederherstellung der Kampffähigkeit der georgischen Armee und der Verlegung von Verbänden der ukrainischen Streitkräfte in die Nähe der Grenze zu Russland?

    Unter Berücksichtigung der für Georgien traurigen Ergebnisse des Fünftagekrieges müsste die Führung dieses Landes eigentlich begreifen, dass eine Wiederholung des Szenarios vom August ein ähnliches Ergebnis zeitigen würde, allerdings mit noch traurigeren Folgen für die georgischen Führer. In einer solchen Situation könnten die demonstrativen Bewegungen der ukrainischen Truppen in Grenznähe einen Teil der russischen Kräfte ablenken und so Georgien beträchtlich helfen.

    Das Gleiche wäre von den USA zu sagen. Das Einlaufen einer Abteilung von Kriegsschiffen der US Navy ins Schwarze Meer wird dazu führen, dass die kampffähigsten Schiffe der russischen Schwarzmeerflotte, darunter ihr Flaggschiff, der Raketenkreuzer "Moskwa", abgelenkt würden, um dieser Abteilung die Stirn zu bieten. Unterdessen werden die amerikanischen Handelsschiffe, die "für den Fall der Fälle" versichert worden sind, auch weiter militärische Frachten in georgische Häfen bringen.

    Diese Strategie wird wohl kaum Vorteile bringen, dazu ist der Unterschied in den "Gewichtskategorien" zwischen Georgien und Russland zu groß. Wenn man es jedoch mit unausgewogenen Menschen wie denen in der georgischen Führung zu tun hat, muss die Wahrscheinlichkeit in Betracht gezogen werden, dass der Gegner für sich ungünstige und unlogische Handlungen unternehmen könnte.

    Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.

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