23:07 22 Oktober 2017
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    Massenklagen gegen Finanzjongleure

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    MOSKAU, 23. Januar (Andrej Fedjaschin, RIA Novosti). Selbst wenn sich verlorenes Geld nicht zurückgewinnen lässt, so ist es doch schön, den Dieb vor Gericht zu sehen.

    Menschenmassen in aller Welt, von Tokio bis New York und von Reykjavik bis Sydney, scheinen sich mit dieser Maxime aller Betrogenen und Übertölpelten zu trösten.

    Die Aufsichtsbehörden der am stärksten betroffenen Länder sind bereits mit den Ermittlungen beschäftigt. Am meisten strengen sich dabei Regulierungsorgane wie die US-amerikanische Kommission für die Kontrolle des Wertpapierhandels (Securities and Exchange Commission), die Aufsichtsgremien des Finanzministeriums und Institutionen der gleichen Art in aller Welt an.

    Jetzt werden sie all jene, die unter ihrer Obhut stehen, noch lange und für alle zur Schau gestellt quälen. Sie hatten nämlich in all den vergangenen Jahren gemeinsam geglaubt, dass der Markt alles selber regeln und auf die entsprechenden Plätze setzen werde. Niemand hatte bemerkt, wie sich die Krise heranschlich.

    Ein Musterbeispiel dafür ist der Skandal um Bernard Madoff, den Chef eines der größten Investment-Fonds in den USA, der bereits in Untersuchungshaft sitzt. Madoff hatte mithilfe eines klassischen Pyramidensystems mehr als 50 Milliarden Dollar von seinen Kunden eingestrichen. Zu denen zählten Banken aus Großbritannien, den USA, Frankreich, Japan, Spanien und den Niederlanden, Pensionsfonds aus Südkorea und sogar Steven Spielbergs Wohltätigkeitsstiftung für begabte Kinder.

    Die Finanzaufsichtsbehörden werden in den USA immer nach Krisen aktiv. Doch da die Welt noch niemals so heftige Krise wie heute erlebt hat, tut man gut daran, bereits ab dem kommenden Monat die Zeitungen durchzublättern, um zu erfahren, welche Giganten laut der Kommission geteert und gefedert werden müssen. In der Masse werden die Ergebnisse in etwa sechs Monaten bekannt.

    Doch wenn die Delinquenten nur mit der Kommission zu tun hätten, wäre es nur halb so schlimm. Vor allem mit Hinblick auf den schönen „Plea Agreement“, bei dem die Seiten beim Prozess darauf einigen, dass der Angeklagte seine Schuld gesteht. Der Angeklagte kann sich für schuldig erklären, um eine mildere Strafe zu erwirken. Doch jetzt ist alles viel komplizierter.

    Im Gegensatz zu allen vorherigen Krisen ist die jetzige Finanzkrise auch deshalb anders, weil der juristische Einsatz des Staats äußerst massiv sein muss. Denn der Staat hat viele von den Banken, Hedge-Fonds, Finanz-, Investment-, Kapitalverwaltungs-, Versicherungs- und Hypothekengesellschaften aufgekauft, die sich mit ihren wilden Finanzstrategien zugrunde gerichtet haben. So eine „Verstaatlichung der Schulden“ auf Kosten der Steuerzahler verpflichtet.

    Doch es wird noch weitreichendere Folgen geben. US-Experten sagen massenhafte Sammelklagen voraus. Dieser Terminus lässt alle angelsächsischen Finanzinstitutionen erzittern. Die Sammelklagen von Dutzenden oder Hunderten Betroffenen in einem Verfahren sind in der Regel Dutzende bis Hunderte Millionen oder gar Milliarden Dollar wert. Es handelt sich dabei um eine groß angelegte Prozessmaschinerie, die sich zwar schwierig vorbereiten, aber besser einleiten lässt und häufig zum Sieg führt.

    Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der der RIA Novosti übereinstimmen.